162 Allgemeiner Überblid.
Ausschuß eine Erklärung abgeben ließ, derzufolge es einer besonderen
wirtschaftlichen Kriegsvorsorge nicht bedürfe.
Auch von anderer Seite wurde zu etwa gleicher Zeit an den Großen
Generalstab in ähnlichem Sinne herangetreten. Insbesondere war es
der Lübecker Senator Possehl, der 1912 in einer kurzen prägnanten Denkschrift
die Schaffung eines wirtschaftlichen Generalstabes neben dem
militärischen empfahl, damit dieser beizeiten und in großem Maßstabe
Lebenomittel und Nohstoffe für den Kriegsfall aufspeichere. Es ist bezeichnend
für den in der regierenden Bureaukratie herrschenden Geist,
daß ein Mann wie Senator Possehl damals monatelang hat warten
müssen, bis er Herrn v. Bethmann seinen Plan vortragen durfte, und daß
ihm der Mitgliedern der Beamtenhierarchie sich mühelos öffnende Weg
zum Kaiser verschlossen blieb. Hätte man nach Possehls Mahnungen
gehandelt, so wären uns die katastrophalen Überraschungen in den ersten
Wochen des Krieges und die viel schlimmeren Verlegenheiten wegen
der mangelnden NRohstoffe an Baumwolle, Kupfer, Kautschuk, Petroleum
usw. erspart geblieben. Herr v. Bethmann wußte mit dem
Possehlschen Plane nichts weiter anzufangen, als ihn im Zuli 1915 einer
Versammlung militärischer und wirtschaftlicher Fachleute vorzulegen.
Nach einigem Hin- und Herreden wurde er dann einer Kommission übergeben,
die nie wieder zusammengetreten ist, bis schließlich der Kriegsausbruch
den Possehlschen Plan der damaligen Regierung peinlichst als
eins ihrer Hauptversäummisse in Erinnerung brachte.
Meine eigenen Vorschläge bezüglich des Wirtschaftlichen Generalstabes
ergänzte ich u. a. im „Tag“ vom 14. August 1915 mit dem Versuch
einiger Fingerzeige dafür, wie die Organisation des Wirtschaftlichen
Kriegsrates etwa praktisch anzufangen wäre:
„Den Etat würde dlese Organisation nicht schwer belasten. An besoldeten Posten
käme nur ein ganz in den Oienst dieser Aufgabe zu stellender Geschäfte- oder Schriftfübrer
mit einigen Hilfekräften für statistische Arbelten, Schreibwerk, Registratur und
dergl. in Frage; der ganze Übrige Apparat hätte ehrenamtlich zu funktionieren. Ale
Vorsitzenden des Wirtschaftlichen Kriegerates würde man sich eine militärische Autorität
ersten Ranges denken, die über anerkannten Weilblick auch in Fragen des öffentlichen
Lebene verfügt. Wollte man heute an die Schaffung dee Wirtschaftlichen Kriegeratee
herangehen, so träfe es sich gut, daß gerade vor kurzem eine wie wenige geeignete
militärische Persönlichkeit, die wohl nicht erst genannt zu werden braucht, wegen erreichter
Altersgrenze aus dem aktiven Militärdienst ausgeschieden ist, aber doch noch in vollem
Maße über die erforderliche Frische des Körpers und Geistes verfügt. Naturgemäß
könnte der Wirtschaftliche Kriegerat auch nicht der dauernden lebendigen Fühlung mit
unterrichteten aktiven Militäre aus dem Generalstab und dem Kriegeministerium ermangeln.
Dee weiteren ist die wissenschaftliche Welt, die theoretische Nationalökonomie heranzuzlehen,
und zwar in solchen Vertretern, die Fühlung mit dem praktischen Leben
baben und sich durch klaren Blick für die Bedürfnisse der hauptsächlichsten Produktionezweige
auszelchnen. Man würde da etwa den Blick lenken auf Perfönlichkeiten, wie in