240 Finanzwirtschaft.
am Ende des ersten Halbjahres 1914 auf rund 240 Millionen Mark beliefen,
haben sich trotz des Krieges, obwohl im Juli die Stammeinlagengrenze
von 100 Mark auf 50 Mark derabgesetzt worden ist, bie
295 Millionen Mark zum Jahresschluß erweitert.
Ende 1917 war die Zahl der Postscheckkunden auf rund 190 000
gestiegen, die Guthaben der Postscheckkunden auf 726 Millionen Mark.
Der Gesamtumsatz im Postscheckverkehr betrug 1917 rund 97 Milliarden.
Davon wurden 72 Milliarden oder 74% (gegenüber 67% im Vorjahre)
durch bargeldlosen Verkehr beglichen.
Im Bankwesen zeigte sich eine fortschreitende Konzentrationebewegung
mit Erhöhung des Kapitals der meisten führenden Banken
und beträchtlicher Ausdehnung ihres Znteressenkreises. Ferner machte
sich ein Zug der Großbanken nach Osten und Südosten durch Gründung
von Tochtergesellschaften in den besetzten russischen Gebieten und im
verbündeten Balkan bemerkbar.
Der Jahresabschluß der Deutschen Bank für 1917 erbrachte Ziffern,
wie sie bie dahin kein privates Bankunternehmen des Zn- und Auslandes
aufzuweisen hatte. Die Zahreseinnahmen stellten sich auf 112 Millionen
Mark. Das ist mehr, als vor einem Bierteljahrhundert das ganze Aktienkapital
der Deutschen Bank betrug. Allerdinge stieg auch das Unkostenkonto
ganz erheblich, allein die Gehälter von 25 auf 36 Millionen. GEleichwohl
verblieb ein Riesengewinn von über 50 Millionen Mark, der die
Bank in die Lage versetzte, 14% Dividende zu zahlen.
Bei der Preußischen Zentral-Genossenschaftskasse stieg der Umsatz
im letzten vollen Kriegsjahre auf über 47 Milliarden, während er bei der
Deutschen Bank 188 Milliarden erreichte.
Was das Börsengeschäft anbelangt, so wurde schon vor Kriegsausbruch
auch in Deutschland der Schluß der Börse angeordnet, wie er
nicht nur in all denjenigen Staaten Platz griff, die unmittelbar durch
den Krieg in Mitleidenschaft gezogen werden sollten, sondern auch in
New Vork. Dieser Börsenschluß bezweckte teils eine mittelbare Verhinderung
des Abflusses deutschen Geldes ins Ausland, teils eine Berhinderung
sprunghafter, nervöser Entwicklungen am Geldmarkt, die dem In- und
Auslande unter Umständen ein falsches Bild von der Lage Deutschlands
hätten geben können, und er hatte weiter zur Folge, daß die Stillegung
des Handels in Anlagepapieren alles wirtschaftlich freiwerdende Spargeld
verfügbar machte für die Zwecke der später noch zu besprechenden Kriegsanleihen.
Der Börsenschluß machte die Festsetzung von Liquidationspreisen
für Zeitgeschäfte notwendig, die nach Anhörung der Börsenvorstände
in Berlin, Danzig und Magdeburg durch das preußische Handeleministerium