Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

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IV.  Als  das  2.  französische  Armeekorps,  erschüttert
  durch  die  bisherigen  Kämpfe,  aus  dem  Walde
herausgezogen  werden  mußte,  wurde  es  durch  das
32.  Armeekorps  Zeh  Gegen  diese  »frische«  Truppe
richtete  sich  am  29.  Januar  ein  größerer  deutscher
  Angriff,  der  von  württembergischen
Regimentern  durchgeführt  wurde.

uhig  lag  der  Wald  am  Morgen  des  für  den  Angriff
  ausersehenen  Tages.  Nur  einzelne  Schüsse  hallten
  da  und  dort  durch  die  Nacht  und  entfachten  ein
örtliches,  sogleich  wieder  einschlafendes  Feuergefecht.
Lautlos  traf  die  deutsche  Infanterie  ihre  letzten  Vorbereitungen.
  Um  7  Uhr  30  Minuten  morgens,  zu
einer  Stunde,  da  es  im  Walde  anfing  hell  zu  werden,
  sprangen  die  ersten  Minen,  und  die  Nahkampfgeschütze
  traten  in  Tätigkeit.  Noch  hatte  sich  der  durch
die  Sprengungen  erzeugte  Rauch  nicht  verzogen,  als
sich  auf  einer  Linie  von  3  km  gleichzeitig  die  Angreifer
aus  ihren  Deckungen  erhoben  und  gegen  die  vorderste
Reihe  der  franzößschen  Schützengräben  losstürzten,
die  in  dreifacher  Linie  im  Walde  angelegt  waren.

Der  rechte  Flügel  des  Angriffs  hatte  sumpfiges
Gelände  vor  sich,  man  war  daher  hier  auf  Schwierigkeiten
  gefaßt.  Aber  ohne  einen  Schuß  zu  tun,
kamen  hier  die  Angreifer  in  die  feindlichen  Stellungen,
  in  deren  zweiter  Linie  ein  französischer  Bataillonskommandeur
  überrascht  und  gefangengenommen
wurde,  als  er  gerade  aus  seinem  tnterston  e  heraustreten
  wollte.  In  der  Mitte  stürmte  die  Infanterie
im  Handumdrehen  die  drei  feindlichen  Linien.  Eine
halbe  Stunde  lang  trafen  Teile  der  deutschen  Sturmkolonnen
  keinen  einzigen  Franzosen  mehr;  sie  waren
weggelaufen  und  setzten  sich  erst  wieder  in  einer  weit
zurückgelegenen,  wohlausgebauten  Aufnahmestellung.
An  einer  anderen  Stelle,  wo  der  Feind  sich  weniger
erschüttert  zeigte,  ballten  sich  die  Angreifer  um  einen
Stützpunkt  zusammen,  der  erst  nach  mehrstündigem
Kampfe  genommen  wurde.  Am  linken  Flügel  endlich
  warfen  die  württembergischen  Grenadiere  den
Feind  aus  seinen  Gräben,  dem  sie  mit  Handgranaten
ordentlich  zusetzten.

Die  sämtlichen  drei  Linien  waren  bereitsgenommen,
  als  die  Franzosen  mit  ihren  izzwischen
herangekommenen  Reserven  zu  heftigen  Gegenstößen
ansetzten,  um  das  verlorene  Gelände  wiederzugewinnen.
  In  Front  und  Flanke  aufs  heftigste  beschossen,
brachen  diese  Angriffe,  die  zudem  aus  einem  benachbarten
  deutschen  Abschnitte  unter  Maschinengewehrfeuer
  genommen  wurden,  völlig  zusammen.  Nirgends
  war  der  Angriff  näher  als  auf  50  m  an
die  deutschen  Linien  herangekommen.  Massen  toter
Franzosen  bedeckten  das  Waldtal,  über  das  hinweg
die  Gegenangriffe  erfolgt  waren.  Die  Franzosen
waren  nicht  einmal  imstande,  einen  deutschen  Leutnant,
  der  mit  80  Mann  weit  über  die  eroberten
Stellungen  hinausgestürmt  und  bis  zur  erwähnten
Aufnahmestellung  vorgedrungen  war,  abzuschneiden.
Von  zwei  Seiten  angegriffen,  brach  sich  Leutnant
Prommel  durch  enercischen  Bajonettangriff  Bahn
und  schlug  sich  unter  Verlust  von  nur  10  Leuten  zu
seiner  Truppe  durch.

Das  Ergebnis  des  Tages  war,  daß  die  feindliche
  Stellung  mit  allen  drei  Linien  erstürmt
und  1000  m  Gelände  gewonnen  war.  12  Offiziere
und  740  Mann  wurden  gefangengenommen,  über
1000  tote  Franzosen  bedechen  das  Schlachtfeld.  Die
Kriegsbeute  setzte  sich  aus  11  Maschinengewehren,
10  Minenwerfern,  einem  Bronzemörser,  einer  Revol-II.

  Kriegsgeographie

und  Kriegsgeschichte

verkanone  und  aus  2  Pionierparks  zusammen,  die
neben  dem  verschiedensten  Gerät  allein  mehrere  tausend
  Handgranaten  enthielten.  Außerdem  fiel  eine
große  Menge  von  Infanteriemunition  in  die  Hand
des  Siegers.  Die  französischen  Truppen  gehörten  der
40.  Division  an.  Von  dem  Regiment  155  und  einem
Bataillon  des  Regiments  161,  die  in  vorderer  Linie
gestanden  hatten,  dürften  nur  schwache  Reste  übriggeblieben
  sein.  Beteiligt  waren  ferner  die  Regimenter
  94,  150  und  360.  Die  deutschen  Verluste  betrugen
  500  Mann.

MUnser  Sieg  bei  Soissons!.
Veröffentlicht  am  16.  Januar  1915.

Die  Kämpfe  nördlich  Soissons  haben  zu  einem
recht  beachtenswerten  Waffenerfolg  für  unsere  Truppen
  geführt,  die  dort  unter  Leitung  des  Generals  der
Infanterie  v.  Lochow  und  des  Generalleutnants
Wichura  gekämpft  und  gesiegt  haben.

Während  des  Stellungskrieges  der  letzten  Monate
hatten  die  Franzosen  in  der  Gegend  von  Seissons
aus  einem  Gewirr  von  Schützengräben  bestehende
Stellungen  inne,  die  sich  auf  dem  rechten  Aisneufer
brückenkopfartig  nordwärts  ausdehnten.

Auf  dem  ,  frnüggel  des  in  Frage  kommenden
Kampffeldes  steigt  westlich  der  Bahn  Soissons-Laon
aus  dem  breiten  Flußtale  eine  vielfach  zerklüftete  und
reich  bewaldete  Höhe  empor,  auf  deren  oberstem  Teile
die  Gräben  von  Freund  und  Feind  einander  dicht
gegenüberlagen,  beide  Teile  bestrebt,  sich  durch  Sappenangriff
  in  den  Besitz  des  höchsten  Punktes  zu
setzen.  Ostlich  der  Höhe  liegt  zu  ihren  Füßen  im  Tale
das  Dorf  Crouy  an  diesem  vorbei  zieht  in  einem
tief  eingeschnittenen  Grunde  die  Bahn  Soissons-Laon
nordwärts.  Dicht  östlich  der  Bahn  sind  eine  Reihe
von  Steinbrüchen,  in  denen  sich  unsere  Soldaten
meisterhaft  eingebaut  hatten.  Die  sogenannte  Steinbruchstellung
  bildet  den  westlichen  Ausläufer  der
Hochfläche  von  Vregny,  die  sich  lang  und  breit
östlich  der  Bahn  ausdehnt  und  die  in  ihrem  ganzen
südlichen  Teile  in  französischem  Besitz  war.  Von  der
Flußseite  her  schneiden  mehrere  lange  und  tiefe
Schluchten  in  die  Hochfläche  ein.

In  ihnen  fand  die  schwere  Artillerie  der  Franzosen
eine  sehr  günstige  Aufstellung.  Die  am  Rande  der
Hochfläche  auf  Bäumen  hinter  Stahlblenden  und
Brustpanzern  sitzenden  Beobachter  lenkten  das  Feuer
der  schweren  Geschütze  flankierend  gegen  die  deutschen
Stellungen  auf  der  genannten  bewaldeten  Höhe.
Dieses  Flankenfeuer  richtete  sich  vor  allem  gegen  die
Schützengräben  des  Leibregiments  und  war  amersten
Weihnachtsfeiertage  ganz  besonders  heftig.  Unter
ungeheurem  Munitionsaufwand  setzte  es  am  7.  Januar
  erneut  ein;  die  brave  Truppe  hatte  viel  zu  leiden;
  eine  Stellung,  der  sogenannte  Maschinengewehr.
graben,  wurde  buchstäblich  vom  feindlichen  Feuer
eingeebnet,  die  darin  befindlichen  Maschinengewehre
wurden  verschüttet.  Nach  dieser  Feuervorbereitung
schritt  der  Gegner  am  8.  Januar  zum  Angriff.  Er
drang  auf  einer  Frontbreite  von  etwa  200  m  in  den
deutschen  Schützengraben  ein  und  konnte  trotz  zahlreicher
  Versuche  daraus  nicht  wieder  vertrieben  werden.
  Es  kam  hier  in  den  Tagen  und  Nächten  bis
zum  11.  Januar  zu  außerordentlich  heftigen  Nahkämpfen,
  wie  sie  erbitterter  und  blutiger  kaum  ge-1

  12.  bis  14.  Januar  1915.