54 Oer Weltwirtschaftskrieg.
England seinerseits würde auf dem europälschen Festland nur Frankrelch eine —
natürlich nicht zu erbebliche! — Dergrößerung gönnen; denn für die britische Gedankenwelt
sind dle romanischen Länder als verhältnismäßig ungefährlich zu betrachten. Man
lebt in der Auffassung, daß man sie alle der Relhe nach mit der Zeit zu Englande willfährigen
Vasallen machen könne.“
Was die oben erwähnte französische Hetzbroschüre mit der Karte der
feindlichen Kriegsziele anbelangt, so hat man diese Karte deutschen
Lesern leider erst nach Kriegsbeginn vorgezeigt, obwohl sie den amtlichen
deutschen Stellen schon lange bekannt war. Am 1. Mai 1914 wurde in
Lpon eine große internationale Ausstellung für Hygiene und Städtebau
veranstaltet. Die Ausstellung war dem Oreodener Muster der Hygiene-Ausstellung
nachgeahmt, und der Oberbürgermeister von Lyon hatte
persönlich in Dresden und anderen Städten für die deutsche Beteiligung
geworben. Ein Zufall führte mich auf der Rückreise von einer Mittelmeer--fahrt
gerade an jenem 1. Mai durch Lvon. Oort hatte man der starken
deutschen Beteiligung einen erheblichen Platz einräumen müssen, jedoch
am äußersten Ende der Straße der Nationen. Dem politisch geschulten
Auge fiel es auf, daß die Lyoner Presse, die nach der Eröffnung der übrigene
noch völlig unfertigen Ausstellung kein Wort für diese große deutsche Abteilung
übrig hatte, mit auffallender Geflissenheit aber den Osterreichern
für ihre Beteiligung Schmeicheleien zu sagen wußte. Was aber noch sehr
viel mehr auffiel, war, daß gerade zur Zeit der Eröffnung einer internationalen
Ausstellung, für die man doch zweifelloe auf viel internationalen
und in Anbetracht der starken deutschen Beteiligung auch auf deutschen
Besuch rechnen durfte, die Buchhandlungen in den Hauptstraßen von
Lyon über und über angefüllt waren mit jener Hetzschrift, deren Titelblatt
das Bild dee restloe“ aufgeteilten Deutschland enthielt. Mir steht noch
deutlich ein Buchhandl ster vor Augen, dessen Auslage ausschließlich
gefüllt war mit langen Reihen dieses ominösen Titelblattes.
Selbstverständlich verfehlte ich nicht, in Deutschland über diesen Eindruck
zu berichten. Hier aber wurde es nur unangenehm vermerkt, wenn man
aus solchen Blüten französischer Kriegehetze etwa irgendwelche warnenden
Schlüsse zog.
Im Verlaufe des Krieges begann die Entente auch ganz offiziell
den wirtschaftlichen Nachkrieg zu proklamieren. Offenbar war
die Verkündung der Absicht zu diesem ursprünglich in dem Gedanken
erfolgt, durch diese Drohung Oeutschland schneller mürbe zu machen.
Ze günstiger sich die militärische Lage Deutschlande gestaltete, je ernster
die Auessicht wurde, daß Oeutschland unter Umständen gar über
den reinen Verteidigungswillen hinaus politische Kriegsziele aufstellen
und verfolgen würde, um so geflissentlicher hörte man von dem wirtschaftlichen
Nachkrieg sprechen. Neben der Absicht, durch diese Drohung das