Sieger und Besiegte.
ünfzig Monate, fünfzig volle Monate haben wir in ungeheurem
Ringen und in der Abgeschlossenheit von aller Welt standhaft durchgehalten.
Nie und nimmer wird, wenn ungs auch schließlich der Endsieg
nicht beschieden war, dieses deutsche Ruhmeeblatt aus den Blättern
der Weltgeschichte getilgt werden dürfen. Fast vier Zahre hindurch: von
den ersten Augusttagen 1914 bis zum 15. Zuli 1918, waren wir die Sieger.
Fast vier Jahre —, das ist ungefähr doppelt solange, wie optimistische
Schätzung vor dem Kriege Deutschlande Behauptung in einem großen
europäischen Kriege für möglich gehalten.
Vier Jahre fast hatte der Waffensieg sich an die deutschen Fahnen
geheftet. Da, als wir zum zweiten Male den Fuß über die Marne setzten,
war es angesichts unserer schon stark zus gesch pften Kräfte und
ermatteten Nerven wie eine zu große Herausforderung des Schicksals,
wurden aus den Siegern im Waffenkrieg die Besiegten im Wirtschaftskrieg.
Denn in dem Augenblick, in dem nach unserer lberschreitung der
Marne die große feindliche Offensive einsetzte, erwies sich auf der Gegenseite
eine Überlegenheit an Material und auch an frischen Kampftruppen,
die in der deutschen Abgeschlossenheit von den Nohstoffmärkten der Welt
und angesichte der stark zutage tretenden Zersetzung gen an
der nicht mehr ordentlich aufzufüllenden Front nun und nimmermehr
ausgeglichen werden konnte. Der heldenhafte Geist des größeren Teiles
unserer Truppen mochte den feindlichen Vormarsch aufhalten, mochte
ihm wieder und wieder ein Ziel setzen —, an eine völlige Umkehrung
des Waffenerfolges zu unseren Gunsten war schlechterdings nicht mehr
zu denken. Der Sieg im Wirtschafts- und Hungerkrieg war entschieden.
Drei Wochen, nachdem mit unüberwindlichem Materialaufwand der
feindliche Borstoß an der Westfront begonnen, mußte die deutsche Oberste
Heeresleitung im Augenblick des ersten großen Versagens eigener Truppen
auf bulgarische Anfrage den Verbündeten am Balkan die Antwort erteilen,
daß sie auf militärische Hilfe nicht mehr zu rechnen hätten und
Gebietsverluste in Kauf nehmen müßten. Hieses Bekenntnis steigerte
die ohnehin schon große Kriegsmüdigkeit der Verbündeten aufe äußerste
und beschleunigte den Zerfall des Bierbundes. Ale dann Ende September
das bulgarische Heer völlig widerstandslos zusammenbrach, befürchtete
Dir, wirtschaftsteieg und Kriegswwirtschaft. 1