Frankreich. 107
Tabelle XX.
Die Entwickelung der Pariser Schulkantinen.
Gesamtkosten Gesamtzahl Davon
Jahr für alle der unentgeltlich Gegen
Schulkantinen Portionen ins gesamt von 100 Entgelt
1884/85 59 265 1 110 827 374 301 34,0 736 526
1891 1 001 015 6 548 720 3 432 129 52,4 3 116 591
1893 1 088 390 7257 780 4281 307 58,9 2976 473
1894 1200 944 8 167256 4 961 610 60,7 3205 646
1895 1227779 8 256 948 5 100 802 61,7 3156146
1896 1229 995 8 440 662 5 185 322 61,3 3255 340
1897 1 264 095 8 829 870 5 471 489 61,9 3 358 381
1898 1 356 040 9230 332 5 892 098 63,9 3 338 134
1900 . 9260 261 5774974 62.0 3 465 308
1902 1274 404 9 791 308 7u025 924 72,0 2 775 384
1904 1 463 252 9229278 5 975 359 64,7 3 353 918
recht bedeutende. Bis zum Jahre 1905 wurde für die Schulkantinen
von der Stadtverwaltung 1 Million Franks bewilligt und seitdem ist
dieser Betrag noch um weitere 20000 Franks erhöht. Von Kindern
weniger bedürftiger Eltern wird als Entgelt zumeist ein Betrag von
10 Centimes erhoben, es gibt jedoch Stadtteile, in denen auch 15, sogar
25 Centimes für das Mittagsmahl bezahlt werden.
ür die Pariser Schulkantinen galt der Grundsatz: „die Kinder müssen
ernährt werden“. In einem Berichte für den „Lancet“ heißt es: „Das
alte Argument, daß die unentgeltliche Speisung der Kinder das Verantwortungsgefühl
der Eltern herabmindere, ist in Frankreich gänzlich
rben“. Die Pariser Speisungseinrichtung kann auch nur im Zusammenhange
mit anderen Fürsorgeeinrichtungen richtig beurteilt werden.
Nach unserem Dafürhalten ist sie nicht etwa entstanden aus Bedürfnissen
der Schule, sondern in dem Bestreben, der drohenden Entvölkerung durch
ausgedehnteste materielle Fürsorgeeinrichtungen für die Jugend ohne
Rücksicht auf eine etwaige Verletzung der Ernährungs= und Erziehungspflicht
der Eltern entgegenzuarbeiten. Diesem Bestreben verdankt die Loi
Rousel und auch aus den letzten Jahren das Gesetz betreffend die Kinderund
Waisenpflege vom Jahre 1904 seine Entstehung. Für Paris selbst
trifft der Ausruf des Direktors einer Volksschule allerdings zu: „Es
gibt keine hungernden Schulkinder in Paris“. Die Folgen jedoch in
ethischer Beziehung, die diese Lostrennung der Kinder von den Familien
hervorrufen muß, sind unabsehbar und könnten in einer Reihe von
Erscheinungen leicht illustriert werden.
Die Schulkantinen von Paris sind in ihrer Allgemeinheit eine Einrichtung,
die sich in anderen Städten Frankreichs in dieser Form nicht
mehr wiederfindet; wenigstens sind Anhaltspunkte für deren Ausdehnung
in dem Werke „La France charitable et prévoyante“ nicht gegeben.
In Marseille z. B. speisten 8 % der Schulkinder, etwa 3100, und