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in vereinzelten Runeninschriften, ferner in germ. Lehnwörtern
des finnisch-lappischen Sprachstamms (s.
weiter unten) entgegentritt, noch die vollen indogerm.
Endungen erhalten sind (run. dagaR -= got. dags
„Tag“, finn. kuningas = altnord. konungr „König‘‘)
zeigt uns das Gotische aus der zweiten Hälfte des
vierten Jahrhunderts schon ihr Schwinden. Auslautende
m, n, d, t sind aufgegeben, ebenso a, e, O
in Endungen und i, a im Auslaut. Lange Vokale im
Auslaut werden gekürzt, nur Nasalvokale behalten
noch ihre Länge; unbetontes e wird zu i. Einige
Beispiele mögen diese Gesetze erläutern: idg. nepöt,
lat. nepös —= ahd. nefo (t abgefallen) ‚Neffe‘; idg.
jugöom — got. juk (m und o verloren) „Joch“;
griech. pherousi — got. bairand ‚‚sie tragen‘; griech.
phero --got. baira „ich trage‘; indogerm. bhereti -
got. bairip usw. Das Bestreben, nicht akzentuierte
Silben zu schwächen und ihren Vokal ganz verlieren
zu lassen, herrscht in den germ. Sprachen bis auf
den heutigen Tag; das Englische hat die äussersten
Folgen daraus gezogen, so dass es heute so gut wie
keine Endungen mehr kennt:
Schon in frühesterZeitalso hatte das Germanische
seine 'charakteristischen Züge erhalten, die es von
den urverwandten Nachbarsprachen, dem Keltischen,
Lateinischen und Slavischen so sehr unterschieden,
dass die Römer trotz ihrer jahrhundertelangen Berührungen
mit den Germanen keine Ahnung von der
nahen Verwandschaft der beiderseitigen Sprachen
hatten. Aber die Sprachen selbst waren deshalb nicht
abgeschlossen, unablässig war ein Austausch von
Worten und: Kulturbegriffen zwischen ihnen im Gang,
wobei das Lateinische und Keltische meist den gebenden,
das Slavische den empfangenden Teil gegen-Nachbar-
Beziehungen
des
Urgerm.