Verhütung von Verkrüppelungen. 105
beobachten, weichen oft erst nach Jahren; viel häufiger aber noch bleiben sie
für das halbe Leben lang zu fühlen. Bei einem Kinde änußern sie sich
durch schwachen Knochenbau (rhachitische Verkrümmungen), bei anderen
durch Blutarmut und Nervenschwäche. Wurde das Kind stets falsch angefaßt
und in unrichtiger
Weise getragen
und gehoben, so bilden
sich Gewohnheitsstellungen
heraus, die
um so gefährlicher sind,
je schwächlicher ein Kind
ist. Durch Gewohnheitsstellungen,
die der
natürlichen Lage der
Glieder immer etwas
Gewalt antun — man
betrachte nur unsere
Bilder aufmerksam! —
entstehen kleine Verschiebungen,
welche mit
der Zeit Verkümmerung
oder Verdickung
einzelner Knochenteile
nach sich ziehen. Diese
muß man vermeiden!
Viele hohe Schultern,
viele fehlerhafte Becken,
die bei der Frau in den
reiferen Jahren so große
Gefahren bringen, sind
in den ersten Kinderjahren
erworben worden,
wo ihrer noch niemand
achtete. Verbiegungen
der Wirbelsäule
sind die häufigste Folge falscher gewohnheitsmäßiger Hallung der
Kinder, die den Grund zu anderen, später erst sichtbar werdenden Fehlern
geben. Schwache, weiche Knochen verkrümmen sich leicht, und wie sollten
sie sich nicht verbiegen, wenn man zarte Kinderchen vorzeitig zum Stehen
und Laufen zwingt, wenn man sie stundenlang mit verdrehter Wirbelsäule
auf den Armen trägt, wenn man sie mit erhöhtem rechtem Arm an zu hohen
Tischen arbeiten läßt und anderes mehr?