323 schickjalslos — schieben.
das schicksel; von dem, was dem Menschen begegnet:
ein trauriges, schweres schicksal, das schicksal ändern
Steinbach; was ich von den schieksalcn deines bruders
auffangen kann Schiller Ränb. 1, 1; schwere, trübe,
bösc, gute, sonderbare schicksale der menschen; es ist
denn doch ein schreckliches schicksa!l Iffland Jäger
2, 7; auch von Dingen: bucher hubeu ihrce schicksale;
so bangt man im voraus um das schicksal des neuen
werkes Keller Nachlaß 219; von dem, was über dem
Menschen waltet, häufig persönlich gefaßt: das hat das
schicksal fest allso bestimmt Steinbach; nach des
schicksals schlussen Wieland Idr. 1, 97; leiden ..
das ein hohes schicksal uns auflegt Goethe Herm. u.
Dor. 9; so seid ihr von dem schicksal auserlesen Tieck
Oct. 65; gunst, ungunst des schicksals, im buch des
schicksals verzeichnet, das blinde schicksal u. a.; kann
ich vom schicksal noch ctwas hotfen Issland Spieler
2, 6. Dazu: schicksalslos, ohne (böses) Schicksal: sie
schien cher junger, mädchenhafter und schicksalsloser
Heyse Par. 3, 90. — schicksalsvoll, voll Schicksale: in
diesem schicksalsvollen lande CF Meyer Jenatsch 90.
Schickung, k. Handlung des Schickens; nach schicken #,
Gestaltung, Einrichtung, Anordnung, mhd. schickunge:
des menschen gestalt und seiner glider schickung
Megenberg 42, 18, in diesem Sinne später abgestorben;
Vorbereitung, Rüstung: schickung zum kricge
annatalus belscus Stieler, ebenfalls nicht mehr;
geblieben in Bezug auf göttliche Fügung und Anordnung:
von gotlichir schickunge Ködiz 1, 33; eine
schickung oder heiszung gottes, akunm Maaler; nach
schickung des allmächtigen Ranke Werke 1, 125; wie
schicksal (s. d.), persönlich gefaßt: es komme, was die
schickung will Günther 113; die schiekung winkt 132;
seid mit der schickung schlusz zufriccen Drollinger
123; — nach schicken 3, Sendung: die schickung,
es2o Maaler; eine schickung tuhn, legzationem
Mittere, schickung aus andacht, legatio votiva Stieler;
die schickung der gesandten, ##egatorum missto Steinbach,
jetzt kaum noch.
Schieben, mit gleichmäßiger drückender Bewegung
vorwärts bringen; gemeingerm. Wort, in den alten
Spr. auch die Bed. stoßen mitzeigend, goth. skiuban,
altnord. sküfa, skifa, altengl. scüfan, ahd. scioban,
mhd. schichen, mnd. schuren, mit starken Formen die
sich auch in heutiger Spr. regelmäßig erhalten haben,
und mit der 2. 3. Sing. Präs. der älteren Spr. du
scheubst, er scheubt, die noch Steinbach neben schicbst
und schiebt verzeichnet, Gottsched in seiner Sprachtunst
345 aber schon gar nicht mehr erwähnt, ebenso
wie er statt des früheren Imp. scheub nur schieb anführt.
Als urverwandt wird verzeichnet litt. skubrus
slink und sanskr. kshubh, Ruck, Stoß. Bed. 1) tranf.,
sinnlich, einen oder etwas, und mit Richtungsbestimmungen
in, nach einem orte, an ctwas, vorwärts, weg,
zurück, fort, hin und her, zur seite (Lenan 242),
u. s. w.; er wold sin mezzer in die scheide schieben
Minnes. 2, 1158; karren, wagen schieben; brot in den
ofen, ctwas in die tasche, stein auf dem brete, zeiger
an der uhr, bissen in den mund schichen: ein paar
arbeiter schoben die . wagen einige sebritte vorwürts
Moltke 6, 27; vom Arbeiten mit dem Schiebkarren:
wir wollen nach Bremen reisen, um den dortigen kaufleuten
den sand in ihre schiffe schieben zu belfen
Möser Phant. 1, 309; als Spiel kegel schichen; bälle
Werfen oder kegelkugeln schicben Schiller Räub. 3,2;
schieb ich holz Goethe u. Alcinous 2; er hat alle
neune geschoben; in mannigfachen sesten, formelhaften,
bildlichen, technischen Wendungen: einem ein gaa
schicben, und als schier mit gewalt aufstoszen, incutcare
munus Maaler; einer sache den riegel schicben,
vorschieben, sie nicht mehr leiden; einem etwas in die
schuhe schieben, als Schuld zuweisen; wie man solche
schieben. 324
süchen mir in die schuhe schieben kann Bismarck
Red. 13, 259; dasz er dergleichen kerle dem jahrhundert
in den schuh schicbt Keller Nachl. 113; wenn Sie
ihr (meiner Politik) knuppel in dic räder schieben
Bismarck Red. 5, 47; etwas von sich schieben, nichts
damit zu thun haben wollen; ctwas bei scite schichen;
diu schüfel ist der buoge nam, vwand sie die sunde
hindan schiubet Lamprecht Syon 3131; eincn antrag
von sich schieben, ablehnen Adelung; ein ding, eine
schuld auf cinen schieben, Nachklang eines alten Rechtsansdruckes
für die Nennung eines Schuldigen (Schwabenspieg.
268, 7); die ganze sache auf einen schieben,
totam rem ad aliquem resicere Steinbach; wo ich
unartig genug bin, meine fehler auf dich zu schieben
Wieland Danischm. 13; schiebt ihrs auf das kirmeszbier,
dasz ich so vor freuden krähe? Voß 1, 55;
ich schiebe die verantwortung für das miszlingen
lediglich dem herrn vorredner zu Bismarck Red.
8, 118; in der alten Rechtsspr. etwas vur einen schieben,
eine Sache vor einen ziehen, daz rebt schieben appellieren
u. ä. Lexer; in heutiger Spr. wechscl, hypotheken
schicben, scheinbar in andern Besitz oder auf andere
Namen bringen, als unredliches Vorgehen; militärisch
truppen schichen; nun schoben Lanncs und Murat ihre
reiterei schon gegen Oranienburg vor Häusser
d. Gesch. 3, 17; das corps von Pablen .. war weiter
nach dem gebirge hin geschoben J, 268; von Personen:
die menschen wuszt er, gleich des brettspiels steincn,
zu sctzen und zu schieben Schiller Wallenst. Tod
4,8; (Feinde) wussentlich nit husen, hofen, noch schicben
oder schieben lassen (ihr Weiterkommen befördern)
Tschudy2, 5932; vagadunden über die grenze schicben,
vgl. abschieben und sehub; bildlich einen schicben,
ihn gleichmäßig zu einem Vorgehen bewegen, ermuntern;
einen in den sack schichen, besiegend; im Spiele mit
der eigentlichen Bed.: das muszt cin kerl sein, der das
weintasz von Fuld (den Abt) in den sack schichben
wollte Goethe Götz 1; einen herum schieben, hänselnd,
spottend; schicbt meine vernunft nicht im kurzwril
herum Schiller Fiesko 1, 12; — in zeitlichem Sinne:
schieb es nicht von einem tage auf den andern Sir.
5, 8; auf die lange banke schieben, Dprocrastmaoro
Steinbach; einen termin, scine abreise binaus
schicben, u. a., vgl. auch verschicben: — mit unterdrücktem
Obj., in mehrfacher Weise: einer schicht, der
andere zicht; von stade er schicben vaste began (das
Schiff) Nib. 368; schieben für kegel schichen, wir
wollen heute schichen; wer schiebt jetzt?; laszt uns
schieben Goethen. Alcinous 2; in Bezug auf Personen:
du glaubst zu schichen und du wirst geschoben Faust 1,
Walpurgisnacht; übertragen: es kommt so weit. zumahl
da Karamell schiebt, dasz Dindonctte dem faun die
hand auf morgen giebt Wieland Am. 8, 20. 2) rell.,
von Personen: soldier .dic sich schuben in sõ starke
nöt Wolfram Willeh. 385, 21; von langsamem Gehen:
sich aus der thure hinaus schichen; sie schicht sich
langsam nur vom ort Goethe Faust 1, Walpurgisnacht;
schiebt er von seiner lagerstätte behutsam sich
herab Wieland Klelia 7, 37; von drängendem Ziehen:
wagen, geschutze, fuszgünger und reiter, alles schob
sich im wirrwarr weiter Häusser d. Gesch. 3, 9; frei:
es soll sich nicmand (kein fremder mund Schiller
Wallenst. Tod 3, 15) zwischen uns schieben; in derber
abweisender Rede schieb dich, mach daß du sortkommst;
von Dingen: das gebäude lbat sich geschoben, acdlficium
tuck sede sua conbulznm, compagibus solutum
et laratum est Stieler; das papier bat sich gebschoben
Adelung; das kleid scehiebt sich in die höhc;
der schwerpunkt seiner (Karls d. Gr.) kraft schob sich
allmählich . auf unsere scite des Rheins Freytag
Bild. 1, 348. 3) intranf., in schiebender Bewegung vorwärts
lommen, schon mbd. vorhanden (Lexer), in