Full text : Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) vom 18. August 1896 nebst dem Einführungsgesetze vom 18. August 1896.

323  schickjalslos  —  schieben.

das  schicksel;  von  dem,  was  dem  Menschen  begegnet:
ein  trauriges,  schweres  schicksal,  das  schicksal  ändern
Steinbach;  was  ich  von  den  schieksalcn  deines  bruders
auffangen  kann  Schiller  Ränb.  1,  1;  schwere,  trübe,
bösc,  gute,  sonderbare  schicksale  der  menschen;  es  ist
denn  doch  ein  schreckliches  schicksa!l  Iffland  Jäger
2,  7;  auch  von  Dingen:  bucher  hubeu  ihrce  schicksale;
so  bangt  man  im  voraus  um  das  schicksal  des  neuen
werkes  Keller  Nachlaß  219;  von  dem,  was  über  dem
Menschen  waltet,  häufig  persönlich  gefaßt:  das  hat  das
schicksal  fest  allso  bestimmt  Steinbach;  nach  des
schicksals  schlussen  Wieland  Idr.  1,  97;  leiden  ..
das  ein  hohes  schicksal  uns  auflegt  Goethe  Herm.  u.
Dor.  9;  so  seid  ihr  von  dem  schicksal  auserlesen  Tieck
Oct.  65;  gunst,  ungunst  des  schicksals,  im  buch  des
schicksals  verzeichnet,  das  blinde  schicksal  u.  a.;  kann
ich  vom  schicksal  noch  ctwas  hotfen  Issland  Spieler
2,  6.  Dazu:  schicksalslos,  ohne  (böses)  Schicksal:  sie
schien  cher  junger,  mädchenhafter  und  schicksalsloser
Heyse  Par.  3,  90.  —  schicksalsvoll,  voll  Schicksale:  in
diesem  schicksalsvollen  lande  CF  Meyer  Jenatsch  90.

Schickung,  k.  Handlung  des  Schickens;  nach  schicken  #,
Gestaltung,  Einrichtung,  Anordnung,  mhd.  schickunge:
des  menschen  gestalt  und  seiner  glider  schickung
Megenberg  42,  18,  in  diesem  Sinne  später  abgestorben;
  Vorbereitung,  Rüstung:  schickung  zum  kricge
annatalus  belscus  Stieler,  ebenfalls  nicht  mehr;
geblieben  in  Bezug  auf  göttliche  Fügung  und  Anordnung:

  von  gotlichir  schickunge  Ködiz  1,  33;  eine

schickung  oder  heiszung  gottes,  akunm  Maaler;  nach
schickung  des  allmächtigen  Ranke  Werke  1,  125;  wie
schicksal  (s.  d.),  persönlich  gefaßt:  es  komme,  was  die
schickung  will  Günther  113;  die  schiekung  winkt  132;
seid  mit  der  schickung  schlusz  zufriccen  Drollinger
123;  —  nach  schicken  3,  Sendung:  die  schickung,
es2o  Maaler;  eine  schickung  tuhn,  legzationem
Mittere,  schickung  aus  andacht,  legatio  votiva  Stieler;
die  schickung  der  gesandten,  ##egatorum  missto  Steinbach,
  jetzt  kaum  noch.

Schieben,  mit  gleichmäßiger  drückender  Bewegung
vorwärts  bringen;  gemeingerm.  Wort,  in  den  alten
Spr.  auch  die  Bed.  stoßen  mitzeigend,  goth.  skiuban,
altnord.  sküfa,  skifa,  altengl.  scüfan,  ahd.  scioban,
mhd.  schichen,  mnd.  schuren,  mit  starken  Formen  die
sich  auch  in  heutiger  Spr.  regelmäßig  erhalten  haben,
und  mit  der  2.  3.  Sing.  Präs.  der  älteren  Spr.  du
scheubst,  er  scheubt,  die  noch  Steinbach  neben  schicbst
und  schiebt  verzeichnet,  Gottsched  in  seiner  Sprachtunst
  345  aber  schon  gar  nicht  mehr  erwähnt,  ebenso
wie  er  statt  des  früheren  Imp.  scheub  nur  schieb  anführt.
  Als  urverwandt  wird  verzeichnet  litt.  skubrus
slink  und  sanskr.  kshubh,  Ruck,  Stoß.  Bed.  1)  tranf.,
sinnlich,  einen  oder  etwas,  und  mit  Richtungsbestimmungen
  in,  nach  einem  orte,  an  ctwas,  vorwärts,  weg,
zurück,  fort,  hin  und  her,  zur  seite  (Lenan  242),
u.  s.  w.;  er  wold  sin  mezzer  in  die  scheide  schieben
Minnes.  2,  1158;  karren,  wagen  schieben;  brot  in  den
ofen,  ctwas  in  die  tasche,  stein  auf  dem  brete,  zeiger
an  der  uhr,  bissen  in  den  mund  schichen:  ein  paar
arbeiter  schoben  die  .  wagen  einige  sebritte  vorwürts
Moltke  6,  27;  vom  Arbeiten  mit  dem  Schiebkarren:
wir  wollen  nach  Bremen  reisen,  um  den  dortigen  kaufleuten
  den  sand  in  ihre  schiffe  schieben  zu  belfen
Möser  Phant.  1,  309;  als  Spiel  kegel  schichen;  bälle
Werfen  oder  kegelkugeln  schicben  Schiller  Räub.  3,2;
schieb  ich  holz  Goethe  u.  Alcinous  2;  er  hat  alle
neune  geschoben;  in  mannigfachen  sesten,  formelhaften,
bildlichen,  technischen  Wendungen:  einem  ein  gaa
schicben,  und  als  schier  mit  gewalt  aufstoszen,  incutcare
  munus  Maaler;  einer  sache  den  riegel  schicben,
vorschieben,  sie  nicht  mehr  leiden;  einem  etwas  in  die
schuhe  schieben,  als  Schuld  zuweisen;  wie  man  solche

schieben.  324

süchen  mir  in  die  schuhe  schieben  kann  Bismarck
Red.  13,  259;  dasz  er  dergleichen  kerle  dem  jahrhundert
in  den  schuh  schicbt  Keller  Nachl.  113;  wenn  Sie
ihr  (meiner  Politik)  knuppel  in  dic  räder  schieben
Bismarck  Red.  5,  47;  etwas  von  sich  schieben,  nichts
damit  zu  thun  haben  wollen;  ctwas  bei  scite  schichen;
diu  schüfel  ist  der  buoge  nam,  vwand  sie  die  sunde
hindan  schiubet  Lamprecht  Syon  3131;  eincn  antrag
von  sich  schieben,  ablehnen  Adelung;  ein  ding,  eine
schuld  auf  cinen  schieben,  Nachklang  eines  alten  Rechtsansdruckes
  für  die  Nennung  eines  Schuldigen  (Schwabenspieg.
  268,  7);  die  ganze  sache  auf  einen  schieben,
totam  rem  ad  aliquem  resicere  Steinbach;  wo  ich
unartig  genug  bin,  meine  fehler  auf  dich  zu  schieben
Wieland  Danischm.  13;  schiebt  ihrs  auf  das  kirmeszbier,
  dasz  ich  so  vor  freuden  krähe?  Voß  1,  55;
ich  schiebe  die  verantwortung  für  das  miszlingen
lediglich  dem  herrn  vorredner  zu  Bismarck  Red.
8,  118;  in  der  alten  Rechtsspr.  etwas  vur  einen  schieben,
eine  Sache  vor  einen  ziehen,  daz  rebt  schieben  appellieren
u.  ä.  Lexer;  in  heutiger  Spr.  wechscl,  hypotheken
schicben,  scheinbar  in  andern  Besitz  oder  auf  andere
Namen  bringen,  als  unredliches  Vorgehen;  militärisch
truppen  schichen;  nun  schoben  Lanncs  und  Murat  ihre
reiterei  schon  gegen  Oranienburg  vor  Häusser
d.  Gesch.  3,  17;  das  corps  von  Pablen  ..  war  weiter
nach  dem  gebirge  hin  geschoben  J,  268;  von  Personen:
die  menschen  wuszt  er,  gleich  des  brettspiels  steincn,
zu  sctzen  und  zu  schieben  Schiller  Wallenst.  Tod
4,8;  (Feinde)  wussentlich  nit  husen,  hofen,  noch  schicben
oder  schieben  lassen  (ihr  Weiterkommen  befördern)
Tschudy2,  5932;  vagadunden  über  die  grenze  schicben,
vgl.  abschieben  und  sehub;  bildlich  einen  schicben,
ihn  gleichmäßig  zu  einem  Vorgehen  bewegen,  ermuntern;
einen  in  den  sack  schichen,  besiegend;  im  Spiele  mit
der  eigentlichen  Bed.:  das  muszt  cin  kerl  sein,  der  das
weintasz  von  Fuld  (den  Abt)  in  den  sack  schichben
wollte  Goethe  Götz  1;  einen  herum  schieben,  hänselnd,
spottend;  schicbt  meine  vernunft  nicht  im  kurzwril
herum  Schiller  Fiesko  1,  12;  —  in  zeitlichem  Sinne:
schieb  es  nicht  von  einem  tage  auf  den  andern  Sir.
5,  8;  auf  die  lange  banke  schieben,  Dprocrastmaoro
Steinbach;  einen  termin,  scine  abreise  binaus
schicben,  u.  a.,  vgl.  auch  verschicben:  —  mit  unterdrücktem
  Obj.,  in  mehrfacher  Weise:  einer  schicht,  der
andere  zicht;  von  stade  er  schicben  vaste  began  (das
Schiff)  Nib.  368;  schieben  für  kegel  schichen,  wir
wollen  heute  schichen;  wer  schiebt  jetzt?;  laszt  uns
schieben  Goethen.  Alcinous  2;  in  Bezug  auf  Personen:
du  glaubst  zu  schichen  und  du  wirst  geschoben  Faust  1,
Walpurgisnacht;  übertragen:  es  kommt  so  weit.  zumahl
da  Karamell  schiebt,  dasz  Dindonctte  dem  faun  die
hand  auf  morgen  giebt  Wieland  Am.  8,  20.  2)  rell.,
von  Personen:  soldier  .dic  sich  schuben  in  sõ  starke
nöt  Wolfram  Willeh.  385,  21;  von  langsamem  Gehen:
sich  aus  der  thure  hinaus  schichen;  sie  schicht  sich
langsam  nur  vom  ort  Goethe  Faust  1,  Walpurgisnacht;
  schiebt  er  von  seiner  lagerstätte  behutsam  sich
herab  Wieland  Klelia  7,  37;  von  drängendem  Ziehen:
wagen,  geschutze,  fuszgünger  und  reiter,  alles  schob
sich  im  wirrwarr  weiter  Häusser  d.  Gesch.  3,  9;  frei:
es  soll  sich  nicmand  (kein  fremder  mund  Schiller
Wallenst.  Tod  3,  15)  zwischen  uns  schieben;  in  derber
abweisender  Rede  schieb  dich,  mach  daß  du  sortkommst;
von  Dingen:  das  gebäude  lbat  sich  geschoben,  acdlficium
  tuck  sede  sua  conbulznm,  compagibus  solutum
et  laratum  est  Stieler;  das  papier  bat  sich  gebschoben

  Adelung;  das  kleid  scehiebt  sich  in  die  höhc;

der  schwerpunkt  seiner  (Karls  d.  Gr.)  kraft  schob  sich
allmählich  .  auf  unsere  scite  des  Rheins  Freytag
Bild.  1,  348.  3)  intranf.,  in  schiebender  Bewegung  vorwärts

  lommen,  schon  mbd.  vorhanden  (Lexer),  in