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Beyens zeichnet auch die innere Gegensätzlichkeit Frankreichs und
Rußlands. „Der Gegensatz zwischen den Einrichtungen beider Völker
wird in Paris nicht gefühlt, ja nicht einmal bemerkt; er macht das
schrankenlose Begehren der demokratischen Republikaner, der am
meisten autokratischen Regierung Europas gefallen zu wollen, nur noch
pikanter. Diese hat große Vorteile von dieser günstigen Stimmung: sie
hat in Paris für ihre in Berlin verschmähten Anleihen einen Markt ersten
Ranges gefunden; sie hat durch Vermittlung des Hauses Rothschild
unter vorteilhaften Bedingungen die Unterbringung verschiedener Anleihen
bis zur Höhe von 2 Milliarden Franken zu 4 Prozent erreicht.
So muß auch wohl der Zar, ohne sich mit einer Regierung, deren Form
ihm unsympathisch ist, zu binden, sie dennoch pfleglich behandeln und
ihr die Hoffnung lassen, daß vielleicht der Tag einer tatsächlichen Vereinigung
kommen könnte.“
Das soll auch der Sinn der dem russischen Botschafter zu Paris,
Baron v. Mohrenheim, gegebenen Anweisungen gewesen sein. Dieser
Weisung entsprach es wohl, daß Mohrenheim selbst unbequeme Huldigungen
von französischer Seite nicht zurückzuweisen vermochte. Als
sich seine Tochter mit einem französischen Offizier verlobt hatte, erschienen
sogar die Marktweiber (dames de la Halle), um zu diesem Sinnbilde der
Vereinigung beider Nationen ihre Glückwünsche auszusprechen.
Auch Beyens findet dieses weite Entgegenkommen merkwürdig.
Er meint: „Der Botschafter des Zaren, wie auch die persönlichen Empfindungen
seines Herrn sein mögen, scheint also Anweisung erhalten zu
haben, nicht etwa durch laue Aufnahme selbst lärmend sich vordrängende
Sympathiebeweise abzuwehren, sondern sozusagen die Rolle ‘einer Koketten
zu spielen, die niemanden entmutigen will. Trotz des Nichtvorhandenseins
wirklicher Verpflichtungen wird es bei dem unüberlegten
Enthusiasmus der französischen Nation ihr schwer fallen, mit Gewehr
bei Fuß zu bleiben, falls Rußland in einen europäischen Krieg hineingezogen
würde.‘
Ähnlich beurteilt Greindi die Haltung der Russen gegenüber Frankreich,
wenn er am 27. September 1890 schreibt*): „Wenn es den Franzosen
gefällt, sich selbst zu täuschen, ist das Petersburger Kabinett dann verpflichtet,
sie von einer Hingabe zu heilen, von der es so viele politische
und finanzielle Vorteile hat? Das hieße doch allzu viel Tugend von ihm
verlangen.‘ — In dem gleichen Berichte betont übrigens Greindl, daß
die von ihm in den Schreiben vom 30. August und 3. September ausgesprochenen
Ansichten‘ über die russisch-französischen Beziehungen?)
diejenigen des deutschen Kaisers seien, die Baron Marschall ihm mitgeteilt
habe. Aus eigenem Urteil fügt er nach der Lektüre des erwähnten
Pariser Berichtes vom 17. September?), der ihm zugeschickt worden
war, hinzu, daß Baron v. Mohrenheim nicht der einzige russische Diplomat
') Bd. V, S. 56.
2) Vgl. S. 54.
3) Val. S. 55.
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