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milden Lande. Die in der Mitte sich ausdehnenden Steppen heißen Pußten.
Sie haben einen Umfang von 400—500 km, sind baumlos, ohne Flüsse,
das ganze Jahr hindurch belebt mit zahllosen Herden von Pferden und Rindern,
Schweinen und Schafen. Der meist fruchtbare Boden bietet den Anblick
eines Getreidemeeres, das im Winde Wellen schlägt, zuweilen aber
auch im Sande erstarrt und das Bild einer Wüste zeigt, dann wieder in
eine weite grüne Grasfläche sich verwandelt. Keine gebahnten Wege und
Straßen, nur Wagenspuren zeigen hier und da, wo am meisten gefahren
wird. Meilenweit erblickt man kein Haus, geschweige ein Dorf; nur zuweilen
kommt ein Brunnen zum Vorschein, nämlich ein in die Erde gegrabenes
Loch, aus dem eine Stange zum Heraufziehen des Wassers hervorragt
und in dessen Nähe ein ausgehöhlter Baumstamm sichtbar ist
um daran das Vieh zu tränken; zuweilen führt der Weg an einem Hügel,
dem Grab irgend eines Helden aus längst entschwundener Zeit, vorüber.
Der Wanderer freut sich über die Störche, die über seinem Haupte hinziehen;
denn sie fesseln auf einige Augenblicke seinen Blick und des Abends unterhalten
ihn die vielen kleinen Feuer, die aus allen Richtungen herschimmern,
teils von den Hirten teils von Reisenden, die gleich den Karawanen des Ostens
auf freiem Felde übernachten, angezündet.
Die Bodenkultur schreitet mächtig fort, Ackerbau und Viehzucht
geben den Hauptertrag Ungarns, welches eines der reichsten Getreideländer
der Erde ist und deswegen auch die Kornkammer Europas genannt wird.
Nächst Mehl und Weizen sind Schweine der wichtigste Ausfuhrartikel.
Dazu liefert Ungarn etwa ½16 der gesamten Erzeugung an Rübenzucker auf
der Erde. Ungarn hat außerdem einen großen Überschuß an vorzüglichem
Wein und edlem Obst, an Tabak, Wolle und an Hühnereiern. Bemerkenswert
ist der große Bestand an Pferden, von denen 13 auf 100 Einwohner
kommen.
Von den Bewohnern gehören nahezu die Hälfte dem magyarischen
Stamme an. Die übrigen sind Slaven und Walachen, an den Grenzen
Deutsche. Die Magyaren beherrschen durch Sprache und Sitte das ganze
gesellschaftliche Leben. Seit einem Jahrtausend sind sie dieselben geblieben.
Gleich ihren Vätern tragen sie immer noch den gleichgeformten
Schnurrbart und bespornte Stiefel; der friedsame Bauer zeigt wie seine
Vorfahren dasselbe kriegerisch männliche Gesicht und denselben kriegerisch
trotzigen Gang. Die Kleidung ist noch höchst eigentümlich. Die Bauern
tragen ein Hemd mit weiten Armeln, das nur bis auf die Hüften reicht;
von den Hüften an beginnt das weite Beinkleid von Leinwand, welches
mittels eines Riemens oder eines Tuches um den Leib befestigt ist und
bis in die Stiefel reicht. Über die Schultern wird ein Pelz von Schaffellen
geworfen, den Kopf deckt ein Hut mit breiten Rändern oder eine
Mütze in Gestalt eines Tschako. Die Edelleute und reichen Bauern tragen
enge Hosen von Tuch, die mit Tressen besetzt sind. Ganz husarenmäßig
ziehen sie den Dolman an und lassen den Pelz darüberhängen. Die Frauen
tragen wie die Männer schwarze oder rote Stiefel. Sie gehen in kurzen
Röcken, farbigen Leibchen und des Winters in Schafpelzen.