Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 5. (5)

530 Ernennung Scheel-Plessens. Zurückziehung d. preußischen Truppen aus Rastatt. 
Zum Oberpräsidenten der beiden Herzogtümer beabsichtigt Seine Majestät der König 
den Freiherrn von Scheel-Plessen zu ernennen, welcher sofort in Funktion treten und unter 
Autorität der höchsten Militärgewalt die Oberleitung über beide Regierungen in Schleswig 
und Holstein übernehmen soll.¹ Die bisherige Regierung in Kiel ist sofort ihrer Funktionen 
zu entheben und neu zu bilden. 
Gleichzeitig wollen Ew. pp. kundtun, daß Seine Majestät der König nur mit einer Ge- 
samtvertretung der beiden Herzogtümer in politische Verhandlung treten werde. Um den 
Zusammentritt einer solchen auf legalem Wege anzubahnen, werden Ew. pp. die Einberufung 
der Stände jedes der beiden Herzogtümer in Aussicht stellen und durch den Baron von 
Scheel-Plessen, respektive die beiden Regierungen, die Vornahme der Neuwahlen, soweit sie 
in jedem der beiden Herzogtümer erforderlich sind, anordnen lassen. 
*378. Telegramm an den Bundestagsgesandten in Frankfurt 
von Savigny. 
[Eigenhändiges Konzept.] 
Am 1. Juni hatte Bayern am Bundestage bezüglich der Bundesfestungen den Antrag 
gestellt: „Es wolle die Bundesversammlung a) die Regierungen von Österreich und Preußen 
ersuchen, ihre Truppen aus den Bundesfestungen Mainz und Rastatt, sowie aus Frankfurt a. M. 
zurückzuziehen; b) aussprechen, daß für alle Eventualitäten die Bundesfestungen Mainz und 
Rastatt von allen Bundesregierungen als neutrale Plätze zu betrachten seien“. Der Antrag 
wurde in der Bundestagssitzung vom 9. einstimmig angenommen; die Zurückziehung der preußischen 
Truppen aus Rastatt erfolgte am 10. 
Berlin, den 8. Juni 1866. 
Erklären Sie in nächster Bundestagssitzung, daß wir unsre Truppen aus Rastatt zu- 
rückziehn und Baden bis zu beschlußmäßiger Regelung Preußens Garnisonrecht in Rastatt 
ausüben werde. Führen Sie entsprechende Erklärung Ihres Badischen Collegen her- 
bei, wenn es möglich ist, wenn nicht, so verfahren Sie wie oben angegeben ohne Baden. 
*379. Telegramm an den Gouverneur von Schleswig 
Generalleutnant Freiherrn von Manteuffel. 
[Eigenhändiges Konzept.] 
Während Freiherr von Manteuffel in zahlreichen Schreiben an den König und 
Bismarck auf ein rasches und entschiedenes Vorgehen gedrungen hatte, legte er, als seit dem 
4. und 5. Juni (vgl. Nr. 372 und 373) an ihn selbst in diesem Sinne Instruktionen ergingen, 
ein zögerndes, offenbar von freundschaftlicher Rücksichtnahme auf den österreichischen Statt- 
halter Baron Gablenz beeinflußtes Verhalten an den Tag. Am 6. Juni zeigte er Gablenz an, 
daß er am folgenden Tage mit seinen Truppen in Holstein einrücken werde, und zwar in der 
Richtung auf Bramstedt und Itzehoe, die österreichischerseits besetzten Ortschaften vermeidend, 
damit der friedliche Charakter der Okkupation nicht gestört werde. Er hoffe, daß sich Gablenz 
mit ihm über die neuen Verhältnisse leicht einigen werde; er, Manteuffel, werde die Zivil- 
verwaltung nicht antasten, halte überhaupt an der Hoffnung fest, daß die Souveräne durch fried- 
liche Verständigung dem Kriege zuvorkommen würden. Als dann Gablenz am 7. gegen die Be- 
setzung Holsteins durch Preußen protestierte und den Sitz der Statthalterschaft  und der Re- 
gierung von Kiel nach Altona verlegte, wo sich die Brigade Kalik konzentrierte, folgte 
1 Vgl. dazu Bismarcks Schreiben an den König vom 6. Juni (Anhang zu den Gedanken und Erinne- 
rungen, I, 151), wonoch er den Baron Scheel-Plessen, der eben damals in Berlin weilte, gebeten hätte, am 
Abend des 7. Juni nach Holstein zurückzukehren, ,,damit Manteuffel einen befreundeten und der dortigen 
Verbältnisse kundigen Ratgeber an der Hand hat."