Frankreich.
340 Mebersicht der politischen Entwicheinun des Jahres 1900.
Verwickelung zu einer Verminderung des englischen Einflusses in
anderen politischen Ereignissen, besonders in Ostafien, führen könne.
Die Regierung war daher der allgemeinen Zustimmung sicher, als
sie die Kriegskosten durch Absendung beträchtlicher Truppenteile
nach China vermehrte und als sie, um der russischen Politik entgegentreten
zu können, einen näheren Anschluß an Deutschland
vollzog, obwohl Deutschland der schärfste wirtschaftliche Konkurrent
Englands ist und obwohl soeben lebhafte Erörterungen zwischen
der englischen und deutschen Regierung anläßlich der Beschlagnahme
deutscher Schiffe (S. 200) stattgefunden hatten. Diese imperialistische
Gesinnung der Engländer bewährte sich bei der Auflösung des Parlaments:
nicht nur kehrte die alte konservative Majorität zurück,
auch innerhalb der liberalen Oppofition gab es keine prinzipielle
Gegnerschaft gegen die von Chamberlain und Salisbury betriebene
Weltpolitik. Infolgedessen hat sich auch, trotz der schlimmen Nachrichten,
die am Jahresschluß aus Afrika eintrafen, keine Stimme
von Bedeutung erhoben, dem Kriege durch einen Vergleich ein
Ende zu machen; die englische Nation scheint entschlossen, den Krieg
trotz aller Opfer an Blut und Geld bis zu dem einmal proklamierten
Ziele, der wirklichen Annexion der Burenstaaten, fortzuführen.
Eine große Rolle hat in dem vom Kolonialminister vornehmlich
ausgestalteten System des Imperialismus die Anbahnung
eines engeren Zusammenschlusses der Kolonien mit dem Mutterlande
gespielt. Zu Beginn des Krieges schien die Anwerbung von
Freiwilligen in Kanada und die Stellung eines Reiterregiments
durch Südwales die Neigung der Kolonien, sich fester mit England
zu verbinden, anzuzeigen, aber in Kanada fehlte es an Gegenströmungen
nicht, wie die Parlamentsverhandlungen beweisen
(S. 285). Inwieweit der Zusammenschluß der australischen Kolonien
zu einem großen Bunde unter einem Generalgouverneur
und einem Parlament mit gemeinsamem Tarif dem Reichsgedanken
dienen wird, steht noch dahin.
Frankreich hatte zu Beginn des Jahres noch mit den Resten
der Dreyfus-Affäre aufzuräumen. Die Führer der nationalistischen
Unruhen wurden zu langjährigen Gefängnisstrafen und zu Ver-