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sehr verwickelten Gefechtsverhältnissen. Die Franzosen kämpften dagegen mit
der Wut der Verzweiflung, um sich wenigstens ein Rückzugsthor offen zu halten.
Die Bataillone vom 10. Landwehrregiment wurden vor Nieder-Arbesau zurückgeschlagen
und rissen auch andere Bataillone, die ihnen zu Hilfe gesandt waren,
in ihre Flucht mit fort. Diesen Moment nahmen die Franzosen wahr; sie
rückten entschlossen aus Nieder-Arbesau vor, um sich einen Durchgang zu er—
kämpfen. Prinz August, einer der tapfersten Anführer im preußischen Heere, war
entrüstet über die Umkehr der Landwehr. Er sprang vom Pferde, ergriff eine
Fahne eines Bataillons des 2. schlesischen Regiments und drang mit einigen hundert
Wehrmännern, die sich schnell um ihn sammelten, mit so unwiderstehlicher
Gewalt gegen den nachfolgenden Feind vor, daß das Gefecht wieder zu stehen kam.
Mit jedem Augenblicke mußte sich die Lage Vandammes verschlimmern;
denn auch gegen seine Front und seine beiden Flanken ging Barclay jetzt zum
allgemeinen Angriff über. Da entschloß sich Vandamme, seine Artillerie zu
opfern, das gesamte Fußvolk bei Kulm zu versammeln und demselben mit seiner
Kavallerie einen Durchweg durch die Prenßen zu bahnen. In gestrecktem Laufe,
alles niederreitend, was Widerstand versuchte, brach die gewaltige Reitermasse
unter General Corbineau, mit russischen und österreichischen Reitern vermischt,
welche anf die französischen einhieben, gegen die aus dem Gebirge herabkommenden
Preußen vor, als diese soeben im Begriffe waren, ihre Schlachtfront zu bilden.
Der Ansturm kam so plötzlich und gewaltsam, daß die Preußen nicht einmal
Zeit fanden, Vierecks zu bilden, oder ihre Gewehre abzufeuern, sondern bestürzt
zu beiden Seiten Platz machten, zumal da die ganze Masse in Staub und
Pulverdampf gehüllt und Freund und Feind in derselben gemischt war, so daß
jede Salve ebensoviel Freunde als Feinde niedergestreckt haben würde. Prinz
August geriet persönlich in Gefahr, und General von Kleist wurde nur dadurch
gerettet, daß einer seiner Adjutanten das Pferd des Generals am Zügel packte
und mit sich fortriß. Die feindliche Kavallerie stürmte durch die Lücken des
Fußvolks unaufhaltsam den Nollendorfer Paß hinan, fiel aber bei Nollendorf
dem General von Zieten in die Hände, der, nachdem er sich überzeugt, daß
von Peterswalde keine Gefahr drohe, mit seiner Brigade von Nollendorf nachrückte,
die feindliche Reiterei empfing und auseinandersprengte.
Unterdessen hatte das französische Fußvolk von Kulm her, teils auf der
Chaussee, teils zwischen der Chaussee und dem Gebirge, seinen Rückzug angetreten,
anfangs noch fechtend und ziemlich geordnet; als es sich jedoch auf zwei Seiten,
von den nachrückenden Osterreichern und Russen umfaßt, den Rückweg durch
die Preußen verlegt sah, welche nach dem Durchbruch der Kavallerie sich von
ihrem ersten Schrecken erholt und die Lücken schnell wieder geschlossen hatten,
warf sich ein Teil des französischen Fußvolks in die Gebirgswildnis und suchte
einzeln oder in kleinen Trupps die steilen Abhänge zu erklimmen. Während