Contents : Archiv für öffentliches Recht.Zehnter Band. (10)

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sehr  verwickelten  Gefechtsverhältnissen.  Die  Franzosen  kämpften  dagegen  mit
der  Wut  der  Verzweiflung,  um  sich  wenigstens  ein  Rückzugsthor  offen  zu  halten.
Die  Bataillone  vom  10.  Landwehrregiment  wurden  vor  Nieder-Arbesau  zurückgeschlagen
  und  rissen  auch  andere  Bataillone,  die  ihnen  zu  Hilfe  gesandt  waren,
in  ihre  Flucht  mit  fort.  Diesen  Moment  nahmen  die  Franzosen  wahr;  sie
rückten  entschlossen  aus  Nieder-Arbesau  vor,  um  sich  einen  Durchgang  zu  er—
kämpfen.  Prinz  August,  einer  der  tapfersten  Anführer  im  preußischen  Heere,  war
entrüstet  über  die  Umkehr  der  Landwehr.  Er  sprang  vom  Pferde,  ergriff  eine
Fahne  eines  Bataillons  des  2.  schlesischen  Regiments  und  drang  mit  einigen  hundert
  Wehrmännern,  die  sich  schnell  um  ihn  sammelten,  mit  so  unwiderstehlicher
Gewalt  gegen  den  nachfolgenden  Feind  vor,  daß  das  Gefecht  wieder  zu  stehen  kam.

Mit  jedem  Augenblicke  mußte  sich  die  Lage  Vandammes  verschlimmern;
denn  auch  gegen  seine  Front  und  seine  beiden  Flanken  ging  Barclay  jetzt  zum
allgemeinen  Angriff  über.  Da  entschloß  sich  Vandamme,  seine  Artillerie  zu
opfern,  das  gesamte  Fußvolk  bei  Kulm  zu  versammeln  und  demselben  mit  seiner
Kavallerie  einen  Durchweg  durch  die  Prenßen  zu  bahnen.  In  gestrecktem  Laufe,
alles  niederreitend,  was  Widerstand  versuchte,  brach  die  gewaltige  Reitermasse
unter  General  Corbineau,  mit  russischen  und  österreichischen  Reitern  vermischt,
welche  anf  die  französischen  einhieben,  gegen  die  aus  dem  Gebirge  herabkommenden
Preußen  vor,  als  diese  soeben  im  Begriffe  waren,  ihre  Schlachtfront  zu  bilden.
Der  Ansturm  kam  so  plötzlich  und  gewaltsam,  daß  die  Preußen  nicht  einmal
Zeit  fanden,  Vierecks  zu  bilden,  oder  ihre  Gewehre  abzufeuern,  sondern  bestürzt
zu  beiden  Seiten  Platz  machten,  zumal  da  die  ganze  Masse  in  Staub  und
Pulverdampf  gehüllt  und  Freund  und  Feind  in  derselben  gemischt  war,  so  daß
jede  Salve  ebensoviel  Freunde  als  Feinde  niedergestreckt  haben  würde.  Prinz
August  geriet  persönlich  in  Gefahr,  und  General  von  Kleist  wurde  nur  dadurch
gerettet,  daß  einer  seiner  Adjutanten  das  Pferd  des  Generals  am  Zügel  packte
und  mit  sich  fortriß.  Die  feindliche  Kavallerie  stürmte  durch  die  Lücken  des
Fußvolks  unaufhaltsam  den  Nollendorfer  Paß  hinan,  fiel  aber  bei  Nollendorf
dem  General  von  Zieten  in  die  Hände,  der,  nachdem  er  sich  überzeugt,  daß
von  Peterswalde  keine  Gefahr  drohe,  mit  seiner  Brigade  von  Nollendorf  nachrückte,
  die  feindliche  Reiterei  empfing  und  auseinandersprengte.

Unterdessen  hatte  das  französische  Fußvolk  von  Kulm  her,  teils  auf  der
Chaussee,  teils  zwischen  der  Chaussee  und  dem  Gebirge,  seinen  Rückzug  angetreten,
anfangs  noch  fechtend  und  ziemlich  geordnet;  als  es  sich  jedoch  auf  zwei  Seiten,
von  den  nachrückenden  Osterreichern  und  Russen  umfaßt,  den  Rückweg  durch
die  Preußen  verlegt  sah,  welche  nach  dem  Durchbruch  der  Kavallerie  sich  von
ihrem  ersten  Schrecken  erholt  und  die  Lücken  schnell  wieder  geschlossen  hatten,
warf  sich  ein  Teil  des  französischen  Fußvolks  in  die  Gebirgswildnis  und  suchte
einzeln  oder  in  kleinen  Trupps  die  steilen  Abhänge  zu  erklimmen.  Während