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Die süddeutschen Staaten.
41 Stimmen, die sich auf Sarwey (ministeriell) vereinigten, gewählt, und als
dritter Oesterlen (früher Volkspartei, jetzt gemäßigte Linke) mit 46 Stimmen
gegen 31 des Gegencandidaten Sarwey. Die Lösung wird nur dadurch
herbeigeführt, daß nach und nach einige Anhänger des demokratischen Candidaten
zu dessen Gegner übergehen, wahrscheinlich um nur überhaupt eine
Wahl möglich zu machen, weil außerdem bei der vollkommen gleichen
Stimmenzahl (44) der beiden Hauptcandidaten neben zwei beharrlich zerstreuten
Stimmen das Scrutinium ohne Resultat, d. h. ohne absolute Mehrheit
hätte fortgesetzt werden können. Die Kammer ist nämlich (bei 90 Mitgliedern)
vollzählig, so daß eine Entscheidung nicht etwa durch nachträglichen
Zuzug von außen bewirkt werden kann.
Neben der Kammer bilden die Regierungspartei, die Nationalen und die
Linke besondere Clubs. Die letztere spaltet sich dabei in zwei getrennte Fractionen,
die eigentlich demokratische Volkspartei unter dem Präs. Karl Mayer
(Redacteur des Beobachters) und in die gemäßigtere großdeutsche unter dem
Directorium von Probst, Fricker und Oesterlen.
Der Erlaß einer Adresse an die Krone wird mit großer Mehrheit
beschlossen und eine aus den verschiedenen Parteien zusammengesetzte
Adreßcommission gewählt.
Debatte: Pfeiffer (deutsche Partei): Ehe er die Thronrede gehört habe,
sei er gegen eine allgemeine politische Debatte gewesen, weil dabei nichts
herauskomme. Allein die Haltung der Thronrede in den inneren Fragen
nöthige zu einer Antwort. Hierüber zu schweigen, hieße für eine Kammer,
sich ihrer Würde begeben. Habe doch die Regierung seit Jahren die Dringlichkeit
der Verfassungsrevision anerkannt. Und nun, ehe die Regierung sich
habe überzeugen können, wie weit sie mit der neugewählten Versammlung
kommen werde, habe sie ihr früheres Versprechen einfach vergessen und sage
nur zum Trost, daß, wenn die Versammlung hübsch artig sei und nicht zu
starke Opposition mache, doch vielleicht noch die Vorlagen eingebracht werden
würden. Ein derartiges Vorgehen dürfe sich die Kammer nicht gefallen lassen.
Durch die Wahlen habe das Volk unzweifelhaft sein Mißtrauen gegen das
Ministerium ausgesprochen, und nun sei in der Antwortsadresse Gelegenheit
geboten, mit der Krone direct zu verkehren. Er wünsche nur, daß die große
politische Frage nicht in den Vordergrund gestellt werde, weil sie doch nicht
hier entschieden werde; daß die freisinnigen Männer in den inneren Fragen
zusammenstehen, um damit einen größeren Erfolg zu erzielen — den freiheitlichen
Ausbau des württembergischen Staatslebens. Hölder (deutsche Partei)
stellt die äußere Politik in den Vordergrund. In der deutschen Frage müsse
man wissen, auf welcher der beiden entgegengesetzten Parteianschauungen das Ministerium
stehe. In der Verfassungsfrage handle es sich um Einlösung einer
k. Zusage, die im Jahre 1864 gegeben und seitdem erneuert worden sei.
Oesterlen (großdeutsch): Ihn dränge es, ein wirkliches Mißtrauensvotum
gegen das Ministerium als Antwort auf die Thronrede auszusprechen, nicht
bloß ein scheinbares, wie die National-Liberalen, die anders handeln, als sie
reden. Mohl: Er sei kein Freund des Ministeriums; er habe vielleicht noch
nie so wenig Vertrauen zu demselben gehabt, als jetzt; allein ihm wachse das
Vertrauen zu dem Ministerium in demselben Maße, als er Mißtrauen gegen
dasselbe von Seiten der preußischen Partei kundgeben höre. Er wolle mit
dieser Partei kein Bündniß eingehen, um das Ministerium zu stürzen. Er
fürchte, dieselbe biete ein Bündniß nur an, um sich selbst an's Ruder zu
bringen, und dazu wolle er nicht mithelfen. Er wolle nichts stürzen, ehe er
wisse, was nachkomme. Er erklärt sich schließlich gegen die Adresse. Mayer
(Volkspartei): Ihm wachse das Vertrauen zum Ministerium dadurch nicht,
daß die Preußen Mißtrauen gegen dasselbe äußern. Nein, die Herren Preußen
sollen nur von der einen, er und seine Freunde wollen von der andern Seite