Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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Frieden  Frankreichs  mit  England  der  britischen  Schiffahrt  und  dem  britischen
Handel  geschlossen  sein.  liber  die  Rückgabe  und  Räumung  der  preußischen
Provinzen  und  Festungen  bestimmte  cine  befondere  Konvention  zu  Königsberg
(12.  Juli),  daß  erst  alle  rückständigen  Kontributionen,  dic  nach  prenßischer
Rechnung  auf  19,  nach  französischer  auf  112  Millionen  Francs  festgesetzt
waren  und  von  Napolcon  auf  140  Millionen  gesteigert  wurden,  abgetragen
werden  müßten.  Das  preußische  Staatsgebiet  umfaßte  jetzt  nur  noch  die
Hälfte  des  Flächeninhalts  und  der  Bevölkerungszahl  von  vordem,

nämlich  anstatt:  5570½  „Meilen  und  9744000  Einwohner  vor  dem  Frieden,
jetzt  uur  noch:  2877  -  .  4939000  -
mithin  Verlust:  2693½  -  4805000  -

Somit  war  das  Werk  abgeschlossen,  Preußen  von  seiner  Großmachthöhe
herabgestürzt,  der  Staat  Friedrichs  des  Großen  zertrümmert.  Wehrlos  und
verstümmelt  lag  die  Monarchie  der  Hohenzollern  zu  den  Füßen  Napoleons.
Aber  es  war  kein  Friede  geschlossen,  der  auf  der  freien  Übereinkunft  der  beiden
Teile  beruhte.  Nur  der  Sieger  hatte  gesprochen,  der  Besiegte  war  nicht  gehört
worden.  Nur  aus  der  Gewalt  hatte  Napoleon  das  Recht  entlehnt,  eigenmächtig
  den  Frieden  zu  diktieren.  Ein  gemäßigter  Franzose,  Lefebvre,  sagt
über  den  Frieden  von  Tilsit:  „Niemals  verfügte  die  materielle  Gewalt  kecker
über  die  Grundsätze  von  Recht  und  Billigkeit,  niemals  eine  menschliche  Macht
willkürlicher  über  die  Geschicke  der  Völker;  niemals  wurde  mit  schrecklicherem
Cynismus  jede  gewöhnliche  Moral  verletzt,  welche  es  verbietet,  den  Freund,  der
sich  uns  hingegeben  und  unseren  Eiden  vertrant  hat,  zum  Opfer  der  Selbstsucht
  zu  machen.“

Die  materielle  Gewalt  hatte  ganz  und  vollsftändig  triumphiert.  Wir
fragen  aber:  Konnte  dies  der  Abschluß  der  zwanzigjährigen  Epoche  der  Weltgeschichte
  seit  dem  Tode  Friedrichs  des  Großen  und  dem  Ausbruche  der  französischen
  Revolution  sein,  daß  die  große  Schöpfung  des  vorigen  Jahrhunderts,
die  Großmacht  Preußen,  wieder  vernichtet  wurde  und  daß  über  ihren  Trümmern
  der  nene  abendländische  Cäsarismus  mit  dem  östlichen  Barbarentum  einen
Bund  schloß,  durch  welchen  die  natürlichen  und  geschichtlichen  Rechte  der  Staaten
und  Nationen,  ihre  angeborene  Art,  ihre  Freiheit  und  ihre  Gesittung  ohne
Schranken  preisgegeben  wurden?  Und  konnte  ein  Friede  Bestand  und  Dauer
haben,  welcher  die  alten,  durch  die  Geschichte  geheiligten  Bande  der  Zufammengehörigkeit
  der  preußischen  Lande  unter  hohenzollernschem  Scepter  gewaltsam
zerriß,  welcher  über  Land  und  Volk  nach  der  Willkür  des  Siegers  verfügte
und  aller  geschichtlichen  Uberlieferung,  allem  nationalen  Rechte  Hohn  sprach?
Konnten  die  Errungenschaften  der  Jahrhunderte  durch  eine  Friedensakte,  die  ein
Gewalthaber  diktierte,  aufgehoben  und  vernichtet  werden?  —  Wenn  diese  Fragen

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