Full text : Um den Kaiser.

Gerüchte  gegen  die  Tafelrunde  aufmerksam  zu  machen,  äußerst  unangenehm
  gewesen,  da  er  seit  Jahrzehnten  mit  dem  Fürsten  Eulenburg
  und  seiner  Familie  in  freundlichem  Verkehr  gestanden  hatte.
Da  es  sich  zunächst  um  Angelegenheiten  des  Hofstaater  handelte,
konnte  das  weitere  den  hierfür  zuständigen  Würdenträgern  überlassen
  bleiben.

Eine  Weile  lang  ließ  Harden  seine  Waffen  ruhen.  Der  Grund
war,  daß  die  Gegenseite  im  Dezember  1906  Friedensverhandlungen
durch  Neutrale  eingeleitet  hatte.  Hierbei  stellte  sich  Harden  auf  den
Standpunkt:  Er  wäre  froh,  wenn  er  sich  nicht  mehr  mit  der
Gefahr  zu  beschäftigen  brauche,  daß  abnorm  empfindende  Männer
am  Hofe  ihr  süßlich  kränkliches  Wesen,  spiritistische  Künste,  mystischen
  Kaiserkult  weiter  trieben.  Käme  es  heraus,  ehe  der  Kaiser
einzugreifen  vermöchte,  so  würde  es  den  schlimmsten  Skandal  geben,
den  wir  erlebt  hätten.  Die  Möglichkeit,  nicht  mehr  auf  diese  Dinge
hinzuweisen,  träte  ein,  sobald  der  Fürst  seine  Hand  aus  dem
politischen  Spiele  ließe,  aus  dem  Rate  der  Krone  verschwände  und
auch  den  Stadtkommandanten  nicht  als  seinen  Vertreter  für  Personalien
  und  Hofpolitik  bestellte.  Der  auf  dieser  Basis  von  den
Friedensstiftern  erreichte  Pakt  wurde  nicht  gehalten.  Fürst  Eulenburg
  zog  sich  zwar  auf  längere  Zeit  nach  Territet  am  Genfer  See
zurück,  tauchte  dann  aber  wieder  in  Wiesbaden  auf,  wo  der  Kaiser
erwartet  wurde.  Nun  brach  auch  Harden  wieder  sein  Schweigen.

Der  Kaiser  wußte  noch  immer  nichts  von  den  Andeutungen
und  Gerüchten,  daß  eine  Anzahl  von  anormal  empfindenden  oder
homosexuellen  Personen  einen  Ring  um  ihn  gebildet  hatten  und
einen  für  Kaiser  und  Reich  schädlichen  Einfluß  ausübten.  Endlich,
  nach  Verlauf  von  fünf  Monaten  und  nach  mancherlei  entschlußlosen
  Überlegungen  der  Hofgenerale  Graf  von  Hülsen-Häseler,
v.  Plessen  und  v.  Hahnke,  wagte  es  der  Kronprinz,  seinem  Vater
die  dringend  nötige  Aufklärung  zu  geben.

Der  Kaiser  war  sehr  aufgebracht,  nicht  gegen  den  Kronprinzen,
sondern  weil  man  ihm  erst  jetzt  Kenntnis  von  den  Gerüchten  gegeben
  habe.  Der  Vertreter  des  abwesenden  Polizeipräsidenten,  Geheimrat
  Friedheim,  wurde  geholt  und  beauftragt  anzuzeigen,  wem

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