Volltext : Lehrbuch des Deutschen Verwaltungsrechts.

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5.
Remonstration  bei  demselben  Gerichte.

Ein  Kläger  war  mit  seinem  Antrag  auf  Erlassung  eines
unbedingten  Mandats  in  erster  Instanz  von  der  Gerichtstschwelle
  zurückgewiesen  worden.  Auf  seine  Berufung  erkannte
das  Obergericht  das  beantragte  Mandat.  Hiegegen  appellirte
der  Beklagte  an  den  obersten  Gerichtshof.  Von  diesem
wurde  das  eingewandte  Rechtsmittel  auf  dem  Grunde  des
§.  55  der  Novelle  zurückgewiesen,  zugleich  aber  ausgesprochen
  daß  die  Remonstration  gegen  den  beschwerenden  Beschluß
  nicht  in  erster  Instanz,  sondern  bei  dem  Obergerichte,
  von  welchem  er  ausgegangen,  anzubringen  sey.

OAGE.  vom  26.  Nov.  1844,  Nr.  147943/6.

Wir  haben  uns  in  Bd.  IX,  S.  343  für  die  gegentheilige
  Ansicht  erklärt,  welche  die  Remonstration  des  Beklagten
  an  die  erste  Instanz  verweisst.  Dieser  Ansicht  stehen
  folgende  Erwägungen  zur  Seite:

1)  Der  Inhalt  der  Remonstration  kann  in  Fällen  der
bezeichneten  Art  nur  in  dem  Vorbrigen  solcher  Einwendungen
  bestehen,  welche  die  Wiederaufhebung  des  erkannten
Mandates  zu  erwirken  geeignet  sind  (exc.  sub  vel  obreptionis).
  Geschieht  das  Vorbringen  derselben  zuerst  in
zweiter  Instanz,  so  wird  dadurch  die  ganze  Verhandlung
des  Mandatsprozesses  der  ersten  Instanz  entzogen.  Dies
widerstreitet  einer  Grundregel  des  Verfahrens.  Die  GO.
verordnet  im  Kap.  IV,  §.  19.  „Bei  der  obern  Instanz
soll  mit  Umgehung  der  untern  nichts  angebracht,  und  dergleichen
  unförmige  Absprünge  keiner  Parthei  gestattet  werden.“

2)  Mandate  erscheinen  im  Sinne  der  GO.  (Kap.  ö,
§S.  6)  als  eine  besondre  Form  der  Ladung,  als  eine  Art
prozeßeinleitender  Dekrete.  Das  Obergericht  hat  an  die
Stelle  des  abweisenden  unterrichterlichen  Bescheides  ein
Dekret  gesetzt,  welches  bestimmt  ist,  die  Sachverhandlung
in  erster  Instanz  einzuleiten.  Auch  die  Vorschrift  der
Novelle  von  1837,  §.  53,  Nr.  2  dient  zur  Bekräftigung
unserer  Ansicht.  v

3)  Das  Obergericht  hat  das  Mandat  erlassen,  ohne
den  Beklagten  gehört  zu  haben.  Wenn  nun  das  Unterge-