Full text : Geschichte des Preußischen Staates

Friedrich  verläßt  die  Mark.  —  Tod  Friedrichs  1.  59

rühmt  gemacht  zu  haben,  überhaupt  alles  Rühmliche,  was  man  einem  guten  rechtgläubigen
  Fürsten  zuschieben  möge,  als  Eigenschaften,  seiaes  Charakters  und  seiner
Haltung  bewiesen  zu  haben.  Seinem  Hause  hatte  er  ganz  neue  Wege  des
Strebens  und  der  Thätigkeit  geöffnet,  er  durfte  #erbies  die  Überzeugung  haben,
nicht  nur  in  der  Mark  die  adligen  Selbstherrlichkeiten  niedergebeugt,  die  Obrigkeit
  wieder  hergestellt  zu  haben,  sondern  auch  in  dem  Schutz  des  Reiches  zugleich
die  Erhaltung  der  Marken  ermöglicht  und  wieder  in  der  Erhaltung  der  Marken
dem  Reiche  einen  Schutzwall  neu  aufgerichtet  zu  haben.  Was  die  Marken  gewonnen,
  bewährte  sich  als  ein  Gewinn  des  Reiches,  und  in  der  Rettung  des
Reichs  lag  zugleich  eine  Kräftigung  der  Marken.

Nur  mit  zunehmend  Emerzlicher  Enttäuschung  konnte  der  Markgraf  dagegen
den  ungeachtet  all  seiner  Bemühungen  weiter  vorschreitenden  Verfall  im  Innern
Deutschlands,  sowie  die  Mißerfolge  der  kirchlichen  Reform-Versuche  verfolgen.
Schon  die  Wahl  Herzog  Albrechts  zum  römischen  König  (1438),  dessen  Interessen  1/88
noch  mehr  als  die  Sigmunds  im  Osten  lagen,  statt  der  vom  Volke  erwarteten
Wahl  Friedrichs,  war  ein  lebendiges  Zeichen  für  das  Schwinden  der  Bedeutung
der  Obrigkeit.  Die  Wahl  Herzog  Friedrichs  von  Österreich  (1440)  aber  war  10
recht  eigentlich  der  Triumph  aller  der  Bestrebungen,  welche  auf  Lösung
des  Unterthanenverhältnisses  der  Reichsglieder  hinausliefen.  Dagegen  durfte
Friedrich  in  diesen  Wahlen  doch  wenigstens  die  Hoffnung  auf  das  Übergewicht
Deutschlands  über  die  slavischen  Völker  sehen,  und  sein  dritter  Sohn  Albrecht,
der  junge  Achill,  war  es,  der  in  Schlesien  die  wieder  vorwärks  drängenden  Polen
zurückwarf.  In  der  Mark  aber  wies  sein  zweiter  Sohn  Friedrich  die  mecklenburgischen
  Fürsten,  den  Herzog  von  Lauenburg  zurück,  demütigte  den  Bischof  von
Halberstadt,  den  Herzog  Wilhelm  von  Sachsen,  und  der  Name  dieses  Sohnes
wurde  schon  so  gefeiert,  daß  er  „allen  Guten  ringsumher  sehr  verehrungswürdig,
Straßenräubern  und  Friedensstörern  ein  Schrecken  war“,  asshalb  er  auch  des
Kaisertums  würdig  geachtet  wurde.  Wahrlich,  wenn  das  Mißlingen  aller
Pläne  auf  eine  nationale  Reform  des  deutschen  Reichs  den  Tod  des  alten
Markgrafen,  der  am  21.  September  1440  auf  der  Kadolzburg  erfolgte,  1410
schwer  machte:  im  Hinblick  auf  solche  Söhne  durste  er  an  der  Zukunft  des
Vaterlandes  nicht  verzweifeln,  durften  auch  die  Märker  auf  Vollendung  des  großen
Werkes  hoffen.

 

Groschen  Kurfürst  Friedrichs  I.
In  Größe  des  r  inal  (Silber)  im  K.  Münzkabinett  zu  Berlin.
W  Avers:  FR'DERGC’M  PCEPS  ELECTOR  (Fiidericus  marchio  princeps  elcctor
Nevers:  GROSSVS  z  nAHDURG  *.  (Grossus  marchionis  Brandenborgensis).