Waffenstillsiand mit Frankreich. — Religionsverfolgungen. 201
Sobiesky, bei dessen Heer 1200 Brandenburger, die der Kurfürst troß allem gesandt,
erobert.
Natürlich daß man in Wien und Madrid nur um so stolzer das Haupt
erhob. Spanien erklärte Frankreich den Krieg, und mit erhöhtem Selbstgefühl
betrieb ihn der Kaiser. Aber im September rückte Ludwig in Brabant ein,
eroberte die Festungen, nahm selbst Luxemburg, und gleichzeitig zwang er durch
ein schauderhaftes Bombardement Genna zur Unterwerfung, drang vom Elsaß bis
nach Trier und Köln vor, ließ weitere Truppen marschieren. Und Holland that
— die Haltlosigkeit der Pläne des Prinzen von Oranien und des Grafen von
Waldeck grell beleuchtend — trotz allem Drängen nichts. Jetzt forderten Ludwigs
Gesandte im drohendsten Ton von Kaiser und Reich den Abschluß des Waffenstillttandes.
Und vor den gezückten Waffen Ludwigs schwanden alle reichspatriotischen
Phrasen dahin, verstummte alles Kriegsgeschrei. Selbst nach der
Besiegung der Türken konnte man also nicht einmal Frankreich allein widerstehen,
und mehr als alles andere bewies dies, daß der vom Kurfürsten stets
gegebene Rat doch den einzigen Weg zur Rettung zeigte. Im August 1684 wurde ies
der Waffenstillstand vom Kaiser, vom Reich, von Spanien angenommen.
Wie traurig und beschämend es auch war, daß man für die Dauer des
Waffenstillstandes Frankreichs Gewaltthaten anerkennen mußte, so hatte das Reich
doch endlich vor ihm Ruhe und konnte nunmehr wenigstens beginnen, sich für
den Krieg zu rüsten, den der Uebermut Ludwigs offenbar unvermeidlich machte
Vor allen Dingen suchte Friedrich Wilhelm eine Organisation des Reichsheeres
durchzusehen. Die kleineren Reichsglieder sollten nur Zahlungen leisten, und
dafür die mächtigeren größere und wirklich brauchbare Heere aufstellen. Er
suchte wiederum Verbindungen mit anderen Staaten anzuknüpfen, so mit dem
immer feindlichen Hannover und mit den immer unzuverlässigen Niederlanden; mit u##n
jenem wurden sie durch die Vermählung des Kurprinzen mit der Prinzessin
Sophie Charlotte inniger als man gehofft, mit diesen wurden sie durch Nachgiebigkeit
des Kurfürsten auf der ganzen Reihe seiner gerechten Beschwerden
erreicht. Durch Paul von Fuchs wurde ein Verteidigungsvertrag verabredet, der
zugleich die Stellung des Oraniers sicherte. Ebenso ließ der Kurfürst sogar mit
Stockholm verhandeln, und auch hier kam er zum Schluß.
Wenn diese nähere Verständigung mit Holland und Schweden gelang, so
hatte dies seinen eigentlichen Grund darin, daß jetzt ein allgemeiner Gesichtspunkt
das Verhältnis der europäischen Staaten zu einander erheblich verschob. Der
gesamte Protestantismus fühlte sich nämlich damals durch den überall mit Erfolg vorgehenden
Papismus in seinen Grundvesten bedroht, und so gewann wieder einmal
das protestantische Gemeingefühl in jenen Staaten die Oberhand. In Frankreich,
wo es schon lange nicht für passend gegolten, eine andere Religion als der König
haben zu wollen, ging Ludwig XIV. mit immer schärferen, immer grausameren
Maßregeln gegen die Hugenotten vor. In Oesterreich wurden die Verfolgungen
gegen die Evangelischen seit den Erfolgen gegen die Türken immer rücksichtsloser.
In England hatte nach Karls II. Tode Jakob II, den Thron bestiegen und begann
alsbald auch hier, die Unterdrückung der Evangelischen mit stetig steigender Energie
vorzunehmen. Eine allgemeine Wiederherstellung der katholischen Kirche schien
bevorzuslehen, und die Interessen der Kirche schienen die staatlichen Gesichtspunkte
überwinden zu sollen. Gleichwohl aber ließ sich der sehr weltliche Gegensatz