Beginn des spanischen Erbfolgekrieges. 233
den ganzen Staat überging, hat wesentlich
mitgewirkt, in den Unterthanen das Gefühl
der Zusammengehörigkeit, das Bewußtsein
eines gemeinsamen Vaterlandes zu bilden.
erdings hatte man, um die Krone
zu erlangen, schon den ersten Moment im
nordischen Kampf versäumt. Von den
schlesischen Fürstentümern hatte man wohl
gar nicht gesprochen, aber für die Erlangung
der oranischen Erbschaft, soweit es sich um
die deutschen Grafschaften und um die Güter
handelte, hatte der Kaiser seine Unterstützung
zugesagt. Doch im Gegensatz zu beiden Seemächten
und Frankreich sollte nun Sushest
. . burg für Oesterreich die ganze spanische Erbwelche
— schaft erkämpfen helfen! Indessen die Veretra
pflichtung — lautete nur auf dieselbe
dehnn in- ent Zahl Truppen, die schon Friedrich i
zugesagt, und somit konnte man auch für die
nordischen Verhältnisse noch genugsam gerüstet scheinen. Außerordentlich günstig
aber war es, daß mit der Testamentseröffnung des Königs Karl von Spanien der
Gegensatz zwischen dem Kaiser und den Seemächten von selbst aufhörte, und die
Vereinigung der Seemächte mit Frankreich zerriß. Dies Testament sprach nämlich
dem Dauphin von Frankreich die ganze Erbschaft zu, Ludwig nahm das Testament
an und meldete den europäischen Höfen noch im November 1700 die Thronbesteigung
seines Enkels. Nimmermehr konnten dies die Seemächte zulassen, sie
mußten sich jetzt ebenfalls Oesterreich zuwenden, ins 90b kam zwischen ihnen und
dem Kaiser ein Bündnis zu stande (7. September 1701).
Von den Reichsfürsten trat zunächst zwar nur rPn. Hannover — schon schien
sich die englische Königskrone auf das Haupt des Kurfürsten oder seiner Mutter,
der geistreichen und tüchtigen Sophie aus dem Hause Pfalz, niederzulassen —
auf Leopolds Seite. Doch schließlich wurden, wenn auch nicht ohne Kämpfe,
auch die übrigen Reichsfürsten ebenfalls zum Anschluß an den K Kaiser genötigt. Und
wirklich mußte das Reich wieder für das habsburgische Interesse in den K Kampf mit
Ludwig eintreten, während gleichzeitig im Osten die ärgsten Dinge vorgingen, da
Karl XII. mit der Einnahme von Warschau und Krakau, mit dem Siege bei Clissow
den König August III. von Polen-Sachsen vollständig lahm gelegt hatte. Nur die
beiden zbfürsichen Brüder von Bayern und Köln blieben mit Frankreich verbündet.
Ohne Zweifel war indessen für Friedrich die Teilnahme am Kampf gegen
die französische Universalmonarchie durch die allgemeinen Verhältnisse wie durch
die Aufgabe Preußens geboten. Der Kampf gegen die französische Fremdherrschaft
entsprach ebenso der Natur dieses Staates wie der gegen die schwedische.
Jene war aber gerade im Begriff, das unerträglichste Uebergewicht in Europa zu
erlangen, während diese zunächst nur in weiterer Ferne zu drohen schien. Und
insofern man die in Aussicht stehende oranische Erbschaft ins Auge faßte, entsprach
der Kampf auch einem besonderen Interesse Preußens. Indem aber allmählich
(statt 140000 standen schließlich über 30000 Mann im Felde) weit über