Full text : Geschichte des Preußischen Staates

242  Der  Nordosten.  —  Friedrichs  Tod

wiewohl  sie  von  der  Fortsetzung  des  Krieges  sprachen,  zum  Abschluß  bereit,
und  die  Staaten  hatten  natürlich  das  größte  Interesse  an  ihm.  Für  Preußen
handelte  es  sich  wesentlich  darum,  von  der  oranischen  Erbschaft  zu  retten,  was
möglich  sei,  und  die  Verhandlungen  und  vorläufigen  Abschlüsse  zeigten  immer
deuklicher,  in  welchem  Verhältnis  die  Zugeständnisse  zu  den  Leistungen  Preußens
oder  zu  den  Verträgen  stehen  würden.

Währenddessen  hatten  aber  die  Dinge  im  Nordosten  eine  noch  viel  ernstere
Gestalt  angenommen.  Die  preußischen  Länder  waren  aufs  höchste  gefährdet,
und  selbst  den  Durchmarsch  russisch-polnischer  Truppen  durch  die  Mark,  ja  an
der  Hauptstadt  Berlin  vorüber,  mußte  man  dulden.  Waren  doch,  wie  der  Kronprinz
  voller  Bitterkeit  schrieb,  „keine  Regimenter  im  Lande,  kein  Pulver  als
1200  Zentner  und  kein  Geld!“  „Mit  der  Feder  wollen  sie  dem  Könige  Land
und  Leute  schaffen,  und  ich  sage  mit  dem  Degen  oder  er  kriegt  nichts.“  Ein
schwedischer  General  Steenbock  war  auf  Rügen  gelaudet,  hatte  Stralsund  entsetzt,  312
bei  Gadebusch  die  Dänen  geschlagen  (Dezember  1712).  Alle  Versuche  Fäiedrichs
einen  Frieden  herzustellen,  scheiterten,  aus  Bender  kamen  von  Karl  XII.  Nachrichten,
  die  seinen  entschiedenen  Willen  zeigten,  dem  Kriege,  der  schon  bis  zur
Wesermündung  sich  ausdehnte,  1  neuen  Aufschwung  zu  geben,  größere  Gefahren  für
Preußen  heraufzubeschwören.

waren  trübe  Tage  *!'*)“  König  Friedrich.  Denn  auch  im  engsten  Kreise
seiner  Familie  lastete  schwere  Sorge  auf  ihm,  da  seine  dritte  Gemahlin  Soyphie
Luise,  eine  geborene  Herzogin  von  Mecklenburg  in  geistige  Umnachtung  verfiel,
und  ihn  selbst  quälte  schon  die  Krankheit,  die  zum  Tode  führen  sollte.  Aber  in
rührender  Weise  umgab  die  Liebe  des  Volkes  den  König,  dessen  gütiges  Herz
doch  alle  kannten,  und  wie  anders  geartet  der  Kronprinz  als  der  König  auch  war
—  lag  nicht,  als  nun  am  25.  Februar  1713  der  Tod  Friedrichs  erfolgte,  gerade  1718
in  dleser  anderen  Art  des  Kronprinzen  die  Gewähr  dafür,  daß  das  Königtum
neue  Wurzeln  schlagen,  der  Staat  neues  Leben  erhalten  werde?

 

Sarkophag  des  Königs  Jrichrich  I.  im  Dom  zu  Berlin.
Getuschte  Zeichnung  (1713  enesanden,  jevt  im  Hohenzo#  ernmuseum  zu  Berlin  n  ausbewahr))  3  1  Suten
#664—I714)  Modell,  das  durch  Johann  Jakobl  (t  1726)  in  Guß  ausgeführt  wurde.—  Auf  ½  ve
Die  obere  der  das  Medaillon  mit  dem  Bie  ##  —  dlenden  welblichen  Flauren  siellt  die  ann
Charlott