240 Feldzug von 1709. — Wartenbergs Sturz.
nos sondern als nun auch das Tribunal von Neuchatel dem Uebergang des Fürstentums
an Preußen, das König Wilhelm schon 1694 dem Könige abgetreten hatte, die
rechlihe Wnerkemung gab.
in Siegen des nächsten Jahres schien der Friede doch endlich kommen
zu missen. garl XII. wurde bei Pultawa vom Zaren aufs Haupt geschlagen,
mos und bei Malplaquet vernichteten die Verbündeten — vornehmlich mit den preußischen
Truppen, unter denen sich der Kronprinz persönlich befand — die letzte
Armee Ludwigs XIV. Aber im Osten trat nun der Zar an die Stelle Schwedens,
eroberte Livland, Esthland, drang bis an die neumärkische Grenze vor. Und alle.
Anerbietungen Preußens blieben auch bei ihm, wie früher bei Karl XII. wirkungslos,
da die preußische Armee weit weg im Süden und Westen kämpfte. Sehr ernstlich
faßte daher Friedrich die Absicht, seine Truppen zum Schutz der eigenen Länder
zurückzurufen, doch zuletzt begnügte er sich mit der von den Seemächten erklärten
Neutralität der schwedischen Reichsländer, und Prinz Eugen bestürmte den König
wieder persönlich, die Truppen bei dem großen Heere zu lassen, da jetzt gegen.
Ludwig der letzte Stoß zu führen sei. Aber ein Sieg der Spanier und vornehmlich
der Sturz des wbhigisschen Ministeriums in England besserten Frankreichs
Aussichten erheblich, und auf der anderen Seite hatte Karl XII. jene.
Neutralität verworfen, sich mit den Türken verbündet und rückte nach Polen wieder
vor, während in Vorpommern schon ein schwedisches Heer stand. Die Entscheidung
wischen ihm und dem Zaren mußte jetzt erfolgen. .
Mitten in diese Krise hinein viel nun eine andere. Immer ärger hatten
Wartenberg und Wittgenstein das Land ausgesogen und dem Könige jede Kenntnis
von dessen Zustand zu verbergen gewußt. Nun sollte das Land eintreten für den
Notstand, welchen Mißwachs und Pest in den Provinzen Preußen und Pommern,
welchen in der Stadt Crossen eine furchtbare Feuersnot hervorgerufen hatte.
Da zeigte sich, daß die hiefür bestimmten Gelder anderweitig verwendet, und die
Kassen leer waren. Rücksichtslos wies der Graf Wittgeustein überdies die berechtigten
und vom Könige bewilligten Ansprüche ab und rief damit allgemeine
Entrüstung hervor. Jetzt trat der Kronprinz hervor; mit allem Respekt gegen
den Vater und Souverän veranlaßte er den König zum Einschreiten. Es zeigte
sich die furchtbarste Unordnung und Unehrlichkeit in der Verwaltung, in allen
Kassen und Akten, es janden sich Unterschleise der schlimmsten Art, die empörendsten
Ungerechtigkeiten gegen die Unterthanen. Graf Wittgenstein wurde nach kurzer
nn Haft entlassen, Graf Wartenberg erhielt mit seiner Gemahlin die Weisung, sich
aus Preußen zu entfernen, in Frankfurt a. M. zu leben. Es war für den König.
ein herber Schmerz, aber schwerer war noch, in die völlig zerrüttete Verwaltung
wieder einige Ordnung zu bringen, und die Kommissionen, die in den einzelnen
Provinzen zur Herstellung der Ordnung eingesetzt wurden, waren mehr als vollauf.
beschäftigt. Die Hof= und Kammerverwaltung wurde wieder getrennt, das Generalkommissariat
unter Friedrich Wilhelm von Grumbkow in eine kollegiale Behörde.
umgewandelt, eine einheitliche Kammerverwaltung begründet, die Reform des
Kammergerichts in die Hand genommen und überhaupt der Uebergang zu einer
anderen Richtung, zu einer „zulänglicheren, innerlichen Verfassung“, eingeleitet.
Aber die äußere Lage wieder zu einer günstigen zu gestalten, gelang um so
weniger, als sich der Zar von den Türken den Frieden zu erkaufen wußte. Unter
seiner schirmenden Hand hofften nun die Könige von Dänemark und Polen ihren