Full text : Geschichte des Preußischen Staates

24  Kaiser  Karl  IV.

Woldemar,  der  zum  Zeugnis  seiner  Unechtheit  an  Karl  die  Lausitz  abtrat  den  Herzogen
von  Sachsen,  den  Grafen  von  Anhalt  die  Erbfolge  in  der  Mark  zusicherte.  Auch  half  es
den  Wittelsbachern  wenig,  daß  sie  dem  König  Karl  in  der  Person  des  Grasen  Günther
150  von  Schwarzburg  einen  Gegenkönig  aufstellten,  und  Karl  nun,  um  diesen  zu  beseitigen,
  *  E  Markgrafen  fallen,  ihn  n  einen  Betrüger  erklären  ließ  (1350).
die  Streitigkeiten  im  Hause  der  Wittelsbacher  selbst  hinreichende

Eelegenheiter,  seine  Pläne  auf  die  Mark  auszuführen!  Ludwig  der  Römer  und
Otto  der  Faule,  denen  ihr  Bruder  Ludwig  der  Altere  schon  1351  im  Vertrage
zu  Luckau  die  Mark  abgetreten  hatte,  gestanden  aus  Haß  gegen  ihren  Bruder
Stephan  1363  dem  Könige  die  Erbfolge  zu.  Nach  Ludwig  des  Römers  Tode,
der  wenigstens  nicht  unthätig  im  Lande  gewesen  war,  trat  Okto  dem  Kaiser  1367

 

Tangermünde.  -#  dem  Stiche  von  G.  —  m

die  Niederlausitz  ab,  die  1370  auch  formell  der  Krone  Böhmen  einverleibt  wurde,
egab  sich  unter  Karls  Vormundschaft  und  überließ  endlich  im  Vertrage  von
1773  Fürstenwalde  vom  15.  August  1373  den  8*  des  Kaisers  gegen  eine  Geldsumme
  von  500,o000  Gulden  die  ganze  Mark.  —  So  niederdrückend  das  Gefühl
für  die  Märker  sein  mochte,  als  un  schmählicher  Habsucht  verkauft
worden  zu  sein,  so  mochten  sie  doch  zuvörderst  die  Hoffnung  auf  eine  kräftige,
das  Land  hebende  Regierung  als  einen  Gewinn  ansehen.  Denn  in  schrecklicher
Weise  hatte  der  Mangel  an  jeder  Fürsorge  für  das  Land  seitens  der  Wittelsbacher,
  hatte  der  Kampf  zwischen  den  Wittelsbachern  und  Luxemburgern  die
inneren  und  ußeren  Verhältnisse  des  Landes  zerrüttet.  Umgekehrt  aber  war
Böhmen  unter  Karls  Leitung  schnell  emporgeblüht,  und  an  diesem  Aufblühen
mußte  nun  auch  die  Mark  teilnehmen.  Denn  wie  sehr  auch  der  eigenste  Vorteil