Rechtspflege. Strafverfahren (Strafprozeß). 8651. 111
setzlich bestimmten Fällen und Formen gestattets). Durchsuchungen
sind nur behufs Ergreifung eines einer bestimmten strafbaren Handlung
Verdächtigen oder zur Auffindung von Beweismitteln zulässig und in der
Regel während der Nachtzeit ausgeschlossen. Die Anordnung steht dem
Richter, bei Gefahr im Verzuge auch der Staatsanwaltschaft und den
Polizei= und Sicherheitsbeamten zu. Gleiches gilt von der Beschlagnahme
einzelner Gegenstände. Die Beschlagnahme von Briefen, Postsendungen
und Telegrammen kann indes nicht durch die Polizei angeordnet
werdens). — Freiheitsentziehungen sind im Irnteresse der
gesetzlich gewährleisteten persönlichen Freiheit7) an bestimmte Voraussetzungen
und Formen gebunden; Verhaftungen fordern einen
schriftlichen Haftbefehl des Richters und sind nur gegen Angeschuldigte
zulässig, die dringend der Tat und zugleich der Flucht oder der unerlaubten
Einwirkung auf Tatbestand oder Beweismittel verdächtig sind. Unter
gleicher Voraussetzung sind, wenn Gefahr im Verzuge liegt, die Staatsanwaltschaften
und die Polizei= und Sicherheitsbeamten zur vorläufigen
Festnahme berechtigt. Die Festgenommenen sind unverzüglich dem
Amtsrichter zuzuführens). Für unschuldig erlittene Untersuchungshaft
wird Entschädigung gewährts). — Der Aufklärung dient endlich die Vernehmung
des Beschuldigten, dem die Verteidigung in ausgedehntem
Maße gestattet istu0).
3. Das Verfahren in erster Instanz setzt die öffentliche
Klage der Staatsanwaltschaft voraust1). Bei den auf Antrag strafbaren
Handlungen steht indes auch den Verletzten die Privatklage zun#2). Ist in
diesen Fällen der Staatsanwalt eingeschritten, so kann der Beteiligte sich
ihm mit der Nebenklage anschließents3). Der Feststellung, ob die Verfolgung
fortzusetzen sei, dient die gerichtliche Voruntersuchung, die in Reichsgerichtsund
Schwurgerichtssachen stets, in Strafkammersachen, sofern die Parteien
sie beantragen, und bei Übertretungen überhaupt nicht stattfindet).
Hiernach beschließt das Gericht über die Eröffnung des Hauptverfahrenst5.
5) Vl. Art. 6.
") StPO. 594—111.
7) Vl. Art. 5. .
S)StPO.§112-132.—PolizeilicheVetwahnmg§541d.W.
")G.14.Juli04(RGB.321).
W)StPO.§133-s150.
U)§151—175.
12)§414-—434;vetb.§50Anm.25d.W.
13) St PO. 5 435—446.
14) 5176—195.
12) § 196—211.