160 Preußen.
8. Jan. Sitzung des Budgetausschusses des Abg.-Hauses. Die Regierung
bestreitet nachdrücklich das Recht des Hauses auf Controlle des Staatsvermögens,
welches der König als Repräsentant des Staates verwalte;
die Verfassung kenne keine solche Controlle. Der Ausschuß beschließt,
beim Hause darauf anzutragen, es möge die Regierung zur Vorlage
des geforderten Specialnachweises über den Staatsschatz auffordern
und bis diese erfolgt sein werde, die Decharge für die Staatsrechrechnungen
von 1859, 1860 und 1861 verweigern.
11. „ Der Abg. Virchow interpellirt die Regierung bez. eines Rücktritts
Preußens vom Londoner Vertrage. Bismarck erklärt, er werde antworten,
sobald das Haus über die Anleihe werde Beschluß gefaßt
haben. Beginn der Debatte über die Militärexigenz für 1864.
Referat des Berichterstatters v. Vagerst.
13. „ Abstimmung des Abg.-Hauses über den Mililäretat für 1864.
Für die Einstellung der Armeereorganisationskosten ins Ordinarium
nach dem Verlangen der Regierung stimmen nur die Minister, die
feudale Fraction und einige Katholiken; auch der Antrag, diese
Kosten im Extraordinarium zu bewilligen, wird mit 280 gegen 35
Stimmen verworfen.
„ „ Antwort des Königs auf die Adresse des Herrenhauses v. 21.
Dec. v. J.:
„Ich habe die Adresse des Herrenhauses vom 21. Dec. v. J. empfangen
und mit Befriedigung von ihrem Inhalt Kenntniß genommen. Der Zweck
der Forderung, welche Meine Regierung an die Landesvertretung gestellt hat,
ist, wie die Adresse mit Recht bemerkt, einestheils die Erfüllung bestimmter
bundesrechtlicher Verpflichtungen, zu welchen die Mittel nicht versagt werden
können, anderntheils die Wahrung von Preußens Machtstellung und Ehre
gegen jeden Angriff bei dieser Erfüllung. Daß das Herrenhaus die Lösung
der Aufgabe, welche Preußens Politik zur Zeit gestellt ist, mit voller Zuversicht
in der Hand seines Königs sieht, daran habe Ich nie gezweifelt; aber der
erneute Ausdruck dieses Vertrauens ist Mir erfreulich gewesen in einer Zeit,
welche ernste und folgenschwere Entschlüsse von Mir fordern. Ich bin überzeugt,
daß das Land, welches Meine Gesinnungen kennt, bieses Vertrauen
theilt. Das Herrenhaus wird von der richtigen Erkenntniß geleitet, daß
Angesichts der drohenden Verwickelungen die Wege der Politik sich nicht im
im Voraus bestimmen lassen, und daß Rechtsfragen und völkerrechtliche Beziehungen
nicht durch Wünsche und Sympathien, so natürlich dieselben auch
sein mögen, entschieden werden können, daß aber, wenn jenes Ziel, über welches
Alle einig sind, nämlich die Wahrung der Rechte Deutschlands, sowie der Ehre
und Macht Preußens erreicht werden soll, es unumgänglich nöthig ist, für
alle Fälle gerüstet zu sein. Ich spreche dem Herrenhause für die Zusage
seiner vertrauensvollen Unterstützung Meinen Dank aus und mag der Hoffnung
nicht entsagen, daß in beiden Häusern des Landtages sich die Hingebung an
des Vaterlandes Aufgabe kräftig genug erweisen werde, um jede Rücksicht auf
schwebende Differenzen in den Hintergrund treten zu lassen und Meiner
Regierung durch einmüthigen Beschluß die Mittel zur Verfügung zu stellen,
welche für die Lösung jener Aufgabe erforderlich sind."
14. „ Der Magistrat von Berlin beschließt, der Anweisung der Regierung,
der Wahl-Untersuchungscommission des Abg.-Hauses keine Auskunft
zu ertheilen, nicht Folge zu geben, beim Oberpräsidenten Beschwerde