Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

683  los.

bündnis  loszukommen  Droysen  York  1,  291;  auch  mit
Gen.:  so  komm  ich  doch  der  quaal  auf  einmal  los
Gellert  Fab.  2,  38;  auf  ein  Ziel  zukommen:  der  wagen
kam  auf  unser  haus  los.  —  -lassen,  frei  lassen,  gelangene
  (Jes.  45,  13),  einen  hund  von  der  kette;  jetzt
lasz  mich  los,  ich  komme  bald  zurück  Goethe  Faust  1;
in  des  schreckens  wahn  lasz  ich  los  der  korallen  umklammerten
  zweig  Schiller  Taucher;  in  besonderen
Formeln:  der  sol  sie  frei  los  lassen  2.  Mos.  21,  26;
(sie)  liesze  nicht  eher  mich  ledig  und  los  Bürger
Untreue  üb.  Alles.  —  -legen,  frei  legen;  in  gewöhnlicher
  Rede  von  dem  Beginne  einer  Thätigkeit:  er  legte
mit  seiner  rede  los.  —  -Iösen,  verstärktes  1ösen:  indem
  er  ein  stuckchen  stein  vom  gipfel  loslöste  Goethe
Wanderj.  1,  3;  wenn  man  sich  von  einem  orte  loslösen
soll  DuW.  11.  —  -machen,  frei  machen,  lösen,  einen,
etwas,  sich;  mache  dich  los  aus  dem  staube,  mache
dich  los  von  den  banden  Jes.  52,  2;  —  auf  ein  Ziel
zu  machen,  beginnen,  in  gewöhnlicher  Rede:  nun  mache
einmal  los!  —  -platzen,  plötzlich  herausfahren  mit
der  Sprache,  mit  Lachen  u.  ä.  —  nreiszen,  reißend
trennen;  intranf.:  der  strick  reiszt  los,  der  hund  reiszt
los  Stieler;  Ferdinand  (von  ihr  losreiszend)  Schiller
Kab.  2,  3;  trans.  oder  refl.:  die  schlösser  los  reiszen
Steinbachz  er  reiszt  sich  aus  den  väterlichen  hallen,
aus  lieben  armen  los  Schiller  dem  Erbprinzen  von

Weimar;  auch  die  protestanten  rissen  sich  nur  lang.

sam  und  widerstrebend  von  der  einheit  der  kirche  los
RNanke  Pädpste  1,  149.  —  -rennen,  rennend  lösen:
mit  einem  klotze  eine  planke  von  der  brücke  los
rennen;  beginnen  zu  rennen:  die  pferde  rennen  los
Goethe  ital.  Reise  III;  auf  ein  Ziel  zu  rennen:  (als
ich)  auf  die  thür  losrennen  wollte  Eichendorff  Taugen.
82;  gegen  jeden  feind  loszurennen  Freytag  Soll
1,  144.  —  -ringen,  ringend  lösen:  doch  hat  der  furst
sich  losgerungen  Droste  201.  —  sagen,  durch  Sagen
lösen,  frei  sprechen;  von  Schuld,  Verdacht:  die  göttin
los  zu  sagen,  dasz  sie  es  nicht  gemeint  Wieland
Diana  u.  Endym.  415;  refl.,  durch  Erklärung  trennen:
du  hast  dich  losgesagt  vom  menschenherzen,  und  so
sag  ich  mich  los  von  meiner  pflicht  Körner  Toni
2,  4.  —  SSchieszen,  schießend  lösen,  einen  schusz,
begrifftauschend  ein  gewehr;  einen  bogen  losschiszen
Steinbach;  in  gewöhnlicher  halb  scherzender  Rede  eine
rede,  einen  vortrag,  auch  mit  einer  rede,  einem  vortrag
  losschieszen;  schiesz  los,  wenn  du  ctwas  zu  sagen
hast!;  sich  plötzlich  in  Bewegung  setzen:  die  ungeheuer
schieszen  los  auf  uns  Schiller  10,  164.  —  schlagen,
durch  Schlagen  lösen:  ein  schlosz  los  schlagen  Steinbach;
  von  Waren,  die  auf  der  Versteigerung  gekauft
werden,  unter  dem  Schlage  eines  Hammers  (ogl.  zuschlag):
  seine  vorräte  losschlagen;  übertragen  auch  auf
Verkauf  aus  freier  Hand:  der  täuscher,  hoch  vergnugt,
die  waare  loszuschlagen  Schiller  Pegas.  im  Joche;  anheben
  zu  schlagen:  die  truppen  waren  nicht  mehr  zu
zügeln,  sie  wollten  losschlagen;  auf  ein  Ziel  hin
schlagen:  der  vater  schlug  auf  das  kind  los;  mit  unbestimmtem
  Ziel:  er  schlug  drauf  los.  —-schnallen,
die  Schnallen  lösen.  —  -schneiden,  schneidend  befreien
  oder  trennen.  —  -ÖSpannen,  eine  Spannung
lösen:  der  schlummer  spannt  die  muden  glieder  los
Schiller  Zerst.  v.  Troja  13.  —  -Sprechen,  frei
sprechen  von  Schuld,  Strafe,  Verpflichtung,  auch  von
der  Lehrzeit:  dich  völlig  los  zu  sprechen  von  jeder
andern  forderung  Wieland  Ob.  5,  62;  den  schuldigen
des  mordes  los  zu  sprechen  Schiller  M.  Stuart  1,  4;
auf  ein  Ziel  hin  sprechen:  er  sprach  auf  ihn  los;  unbestimmt:
  immer  Grauf  los  sprechen.  —  -Ösprengen,
durch  Sprengen  lösen,  cinen  stein  vom  felsen,  aus  dem
felsen;  auf  ein  Ziel  hin  sprengen:  rasch  auf  den  drachen
spreng  ichs  (das  Roß)  los  Schiller  Kampf  mit  d.  Dr.
141;  vom  Reiter  selbst:  er  sprengte  auf  die  feinde

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los.  —  pringen,  springend  sich  lösen:  ein  knopf
springt  vom  kleide  los;  anfangen  zu  springen,  aufspringen:
  Fiesko  springt  los  Schiller  Fiesko  4,  14;
auf  ein  Ziel  hin  springen:  der  hund  sprang  auf  den
mann  los.  —  -trennen,  abtrennen,  knöpfe  vom  kleide;
sich  von  seiner  heimat;  von  den  dingen,  drin  du
webtest,  siehst  du  dich  plötzlich  losgetrennt  Geibel
2,  68.  —  wickeln,  Gewickeltes  lösen:  garn  von  der
winde,  einen  aus  schlechten  verhältnissen.  —-  winden,
windend  lösen,  ein  seil  vom  pfahl;  refl.:  er  ..  vand
aus  ihrem  arm  sich  los  Wieland  Geron  467;  da
wanden  blumlein  wonnesam  sich  aus  den  knospen  los
Uhland  196;  übertragen:  sich  von  einem  loswinden,
sich  seiner  Gesellschaft  entziehen:  (er)  macht  es  ihr  so
schwer,  mit  guter  art  sich  von  ihm  los  zu  winden
Wieland  Perv.  3,  250.  —  zählen,  frei  sprechen:
auch  Elisinde  wird  nunmehro  losgezählt  Cronegk
2,  243;  mit  Gen.:  da  zchlete  er  auch  die  andern  ihrer
missethaten  los  pers.  Baumgarten  2,  15;  mit  von:  von
jeder  pflicht,  die  mich  an  Gricchen  band,  erklär  ich
mich  auf  ewig  losgezählet  Schiller  Zerst.  v.  Troja  27.
—  -iehen,  ziehend  lösen,  eine  schnur;  zu  ziehen  beginnen:
  laszt  uns  jetzt  los  ziehen;  auf  ein  Ziel  hin
ziehen:  wir  20gen  auf  die  stadt  los;  übertragen,  scheltend
auf  einen  losziehen:  er  zog  über  seinen  widersacher
los;  wie  unziemlich  der  zunftmeister  und  der  priester
wider  ihn  loszögen  Wieland  Abd.  4,  6.
Lösbar,  was  zu  lösen  ist:  der  2zollverein..  war
einc  lösbarc  schöpfung  Bismarck  Reden  10,  82;  ein
leicht  lösbares  rätsel.  —  löschbar,  zu  löschen:  das  feuer
ist  nicht  mehr  löschbar.  —  löschen,  1)  aufhören  zu
brennen  oder  zu  leuchten;  ein  nur  dem  hoch=  und  niederdeutschen
  Sprachgebiete  eigenes  Wort,  ahd.  altsächs.  leskan,
mhd.  leschen,  mud.  lesken,  dunkler  Herkunft;  die  uhd.
Schreibung  löschen  für  das  richtige  leschen  kommt  im
17.  Ih.  empor  (schon  von  Schottel  erwähnt),  wird
aber  erst  im  18.  Ih.  seit  Gottsched  allgemein  durchgeführt;
  die  alten  Präsensformen  der  2.  und  3.  Sing.
du  lischest,  er  lischt  sind  bis  heute  geblieben,  soweit
das  Wort  nicht  in  die  schwache  Conj.  übergetreten  ist,
vgl.  nachher,  auch  unter  auslöschen  und  erlöschen;  das
Prät.  lautete  alt  lasch,  seit  17.  Ih.  durchaus  losch,
Part.  geloschen,  daneben  hat  sich,  in  Vermischung  mit
den  Formen  des  unter  2  aufgeführten  löschen  das  Prät.
löschte,  Part.  gelöscht  ergeben.  löschen,  gegen  aus-Jöschen,
  erlöschen  und  verlöschen  selten  und  besonders
in  dichterischer  Spr.  gebraucht,  steht  von  Allem  was
breunt,  leuchtet,  glänzt,  cigentlich:  es  löschen  alle  sterne
Wieland  Ob.  7,  17;  die  lampc  losch  Goethe  Gutmann
  und  Gutweib;  es  löscht  das  licht  der  sterne
Schiller  Hero;  auch  von  der  Farbe:  die  farbe  losch
Platen  Gas.  38;  bildlich:  es  lischt  in  ihm  des  lebens
kurzer  tacht  Haller  78;  bald  lischt  der  glanz  im
blut  Grillparzer  4,  227;  dasz  der  liebe  jugendlicht
lischt  in  kurzen  tagen  Rückert  Liebesfr.  5,  18.  2)  Bewirkungswort
  zu  dem  vorigen,  weiteres  Brennen  oder
Leuchten  verhindern,  sich  in  die  Bed.  des  bloßen  Tilgens
verlierend;  ahd.  leskan  mit  dem  Prät.  laskta,  mhd.
leschen,  Prät.  laschte,  später  leschte;  die  Schreibung
löschen  beginnt  hier  oberdeutsch  schon  im  15.  Ih.  und
zieht  langsam  die  gleiche  des  starken  Verbums  nach  sich,
wie  auch  schwache  Vergangenheitsformen  dort  eindringen,
vgl.  unter  auslöschen.  Anwendung  in  Bezug  auf  Feuer,
Flammen,  Funken,  Licht:  wic  das  wasser  ein  brennend
fe#lescht  Sir.  3,  33;  lösche  diese  lampe  Goethe
Egm.  5;  ohne  Obj.,  eine  Feuersbrunst  meinend:  das
Wasser  vergas  scine  kraft  zu  leschen  Weish.  Sal.  19,  19;
löschen  wollt  ich,  patschte  zu  Goethe  stirbt  der  Fuchs,
so  gilt  der  Balg;  in  Bildern:  (der)  16scht  .  die  guldne
freudenkerze  mit  sciner  eignen  hand  PGerhard  96;
dem  löscht  kein  element  das  lebenslicht  Wieland
Ob.  7,  34;  die  rollenden  jabre  löschen  der  flatternden

lösbar  —  löschen.