769 Maul — Maus.
Maul, n. Bastard von Pferd und Esel; aus gleichbed.
lat. mulus übernommem, ahd. altengl. mal, altnord.
müll, nach dem Geschlechte des lat. Wortes Masc.,
auch im Mhd. noch: ein kleiner mal Lanzel. 8115, mit
dem Plur. mole und miule (dürre miule Neithard
49, 8), erst später als Neutr.: ain maul .. daz kumpt
von ainem esel und ainer merhen Megenberg 150, 30;
ein jglicher sas auf sein maul 2. Sam. 13, 29; mit dem
Plur. mäuler: die ross und meuler 1. Kön. 18, 5; (Waren)
auf karren und mäuler geladen C F Meyer Jenatsch
61; selten maul: esel, die stäten damit zu bestellen und
maul zu machen Eppendorff Plin. 78; — meist in
verdeutlichenden Zusammensetzungen: Maulesel, m. (Hes.
27, 14), -pferd, u. (1. Mos. 36, 24), -tier, n. (das maulthier
sucht im nebel seinen weg Goethe W. Meister 3, 1).
Maul= Umformung des lat. morum in der verdentlichenden
Zusammensetzung Maulbeere, k., ahd. mörperi,
mürperi, mhd. in mülbere verwandelt; zufrühest
Neutr., über die Wandlung des Geschlechts vgl. unter
beere; morum mulber, maulber Dief.; ein kuehirt,
der maulbeer ablieset Amos 7, 14; samen welcher aus
den weiszen oder schwarzen reifen maulbeeren gesammlet
oec. Lex. 1545; witzig für einen Schlag auf
das Maul: desgleichen haben die maulbeer ein grosze
kraft, die bösen launen der weiber zu vertreiben Albertinus
Landstörzer 201; dazu: Maulbeerbaum, m. ahd.
mhd. bloß mürboum, malboum, morus: Maulbeerblatt,
n. Blatt des Maulbeerbaums; Maulbeersaft, m.
Saft der Maulbeere (1. Macc. 6, 34).
Maulen, 1) ein Maul machen und das Maul brauchen,
verdrießlich sich gebaren durch Gebärde und Murren; seit
17. Ih. bezeugt: maulen, contrattere bvulkun Schottel;
er mault. skomachatur, indignatur, rngitur Stieler;
(das Mädchen) liebäugelt und mault Lessing Dram.
33; maulend und verdrossen schlich Masetto . nach
dem bezeichneten platz Gaudy venez. Nov. 74; dann
mault sie eine woche stumm und still Heyse 3, 244;
mit Anführung: „wie kann ein schamhaftes mädchen
es nur uber sich bringen, männertracht zu tragen!
maulte der zimperliche jungling C FMeyer Nov.
1, 279; — in älterer Form mit Umlant und refl.,
— schmollen und keifen: so meulen und russeln sie
sich dagegen Luther 8, 120b; thu dich nicht vast
meuln, zurn nit so ser HSachs Fastn. Sp. 2, 76;
ich mäule mich, os distraco Steinbach; tranf.: (er)
meulet ein wort . . und heiszts denn ein antwort
Luther 3, 464b; intranf.: so können sie wol murren
und mäulen Albertinus Hofschul 227. 2) zu Maule
gehen, schmecken: eine speise maulet gut. gemeine kost
maulet ihm nicht, will ihm nicht maulen Adelung,
als niedriges Wort.
Maurer, m. der da berufsmäßig mauert; abd.
müräri, mhd. mũrære, mürer, in mitteldeutschen Quellen
mit Umlaut: cementarfius murer, mawrer, myrer Dief.;
solche umgelautete Form hat sich in nördlichen Quellen
des Nhd. lange gehalten: meurer und zimmerleute
1. Chron. 15, 1; die mäurer fördern (sputen) sich
Gellert Fab. 2, 29; später ist die umlautlose süddeutsche
Form allgemein: ein . . maurer, die kelle in
der einen, den hammer in der andern hand Goethe
Wahlverw. 1,9; nun maurer, deckt und mauert aus
Uhland 62; — Mitglied des Freimaurerbundes, vgl.
gerimee (hien gi maurer noch auf meine alten
tage Kotzebue Freimaurer 5. — Zusammensetzungen:
Maurerbursche, m., -gesell, m. Bursche, *m nes
Maurers. — Maurerhandwerk, n. Handwerk eines
Maurers. — Maurerkelle, k. Kelle eines Maurers. —
Maurermeister, m. Maurer der in seinem Handwerk
Meister geworden ist. — Maurerzunft, f. Zunft der
(aurer.
Maus, k. 1) Name des bekannten kleinen Nagetiers;
gemeingerm., und gemeinindogerm. Wort, im Goth.
M. Heyne, Deutsches Wörterbuch, 11.
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nicht bezeugt, in allen andern altgerman. Spr. in der
übereinstimmenden Form maüs, urverwandt zu dem
gleichbed. altslav. mysi, lat. mus, griech. ms, sanskr.
müsh, zusammenhängend mit dem daselbst erscheinenden
Verbum mush stehlen, also eigentlich Diebin bedeutend;
in einer Reihe verschiedener Arten, die durch Zusammensetzung
bezeichnet werden (haus-, feld-, wald-, wasser-,
hasel-, spitzmaus u. a.), das einfache Wort kann ebenso
auf alle solche Arten gehen; sollen euch auch unrein
sein .. die wisel, die maus, die kröte, ein jglichs mit
seiner art 3. Mos. 11, 29; in zahlreichen Bildern, Vergleichen,
Redensarten: grau, nasz, still, flink wie eine
maus; spielen wie die katze mit der maus, grausam;
mit speck füngt man mäuse Schiller Räub. 2, 3; die
komödie war der speck, hinter der maus schlug die
thüre zu Fiesko 4, 4; spottend von Menschen: die meuse
sind eraus geloffen aus jren löchern, und sind küne
worden, das sie uns nu angreifen thüren Indith 14, 11;
in der allitterierenden Formel mann und waus, vgl.
unter mann 1; eine königinn liebt nicht edler, als eine
bettlerinn es ist maus wie mutter Lessing Damon?;
der Plur. mäuse für Gedanken die man sich über etwas
macht, Schnurren, Einwendungen, Ausflüchte (die gleichsam
wie Mäuse im Kopfe hin und her schießen): wirst
du viel mäusz darüber haben (daß ich sie heiraten will)
B. d. Liebe 2035; der Franzosz fragt jhn (einen tiefsinnig
auf und niedergehenden Hofrichter): ob er mäushette?
dem antwortete jener: nein, habt aber jhr, ich
kan sie fangen Zinkgref 1, 198; sie (die Festung)
macht mäuse und will sich nicht ergeben Goethe
Bürgergen. 9; Name eines Spiels blinde maus, ogl.
unter blind 1; — als Schmeichelname für ein Kind,
eine Geliebte, auch im Dim.: gib mir einen kuss, kleine
maus Schiller 4, 189; die jungste prinzess ist ein
hübsches münschen Goethe ital. Reise I. 2) bezogen
auf andere Nagetiere, die Ahnlichkeit mit Mäusen haben:
die kaninchenartige maus, cau#id ogutz, die brasilianische
maus, cabia coperea. die amerikanische maus, cavia
eanybara u. s. w. Nemnich; vgl. auch fledermaus;
schermaus Name des Maulwurfs, zobelmaus des Lemmings.
3) maus. Muskel an Arm, Fuß, Handballen,
wie das griech. gleichbed. m#s und das lat. Dim. musculus;
schon im 9. Ih. Plur. musi lacerti, tori Graff;
musculus die mus in der hand, mausz an einem arm
o. daumen, die mansz, fleisch an bein Dief.; (er)
schneidt mir . hier die maus durch, dasz das blut
wie ein strahl herausschosz Heyse 10, 259; Dim.: die
gebeine, mäuszlein und glieder (am menschlichen Körper)
Hohberg 3, 1, 1085; mäuschen, musculus Nemnich;
an Pferden: wann die mäus oder musculi feist und
grob sind Hohberg 3, 1338. — Zusammensetzungen,
in denen der erste Teil teils als maus-, teils als mause-,
umgelautet als mäuse- auftritt: Mausauge, n. Auge
einer Maus oder wie einer Maus: die kleinen tückischen
mausaugen Schiller Kab. 1, 2. — Mause-,
Mänseaar, m. Bussard. — Mause-, Mäusedarm, m.
Name der Pflanzen Hühnerdarm und Vogelkraut. —
Mause-, Mäuse-, Mausdorn, m. Name einer Stachelpflanze,
rcus aeulealus. — Mause-, Mänse-, Mausdreck,
m. Kot von Mäusen; sprichwörtlich: er mengt
sich wie mausdreck unter den pfetter; es geht, geht
alles durcheinander, wie mäusedreck und coriander
Goethe Pater Brey. — Mause-, Mäuse-, Mausfalle, k.
Falle Mäuse darin zu fangen: muscipulæ, muszfalle,
mauszfalle, meuszval, musevall Dief.; bildlich: in eine
mausefalle geraten; ob Dionysius recht . gethan habe,
sich in einer so armseligen mausfalle fangen zu lassen
Wieland Ag. 10, 1. — Mänsegift, k. Gift für Mäuse.
— Mäusefraß, m. Fraß der Mäuse und die dadurch
bewirkte Beschädigung: bucher die durch mäusefras:
gelitten haben. — Mänsehabicht, f. eine niedere Falkenart,
saleo bohemicus. — Mause-, Mänsekatze, f. Katze
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Mausauge — Mausekatze.