"76 Neuere oberſtrichterliche Erkenntniſſe.
durch den Auftrag des Dienſtherrn ſchuldhaft veranlaßt
worden iſt, hat der Richter aus den thatſächlichen
Verhältniſſen und Umſtänden zu ermeſſen
und feſtzuſtellen. Urth. v. 15. Dez. HVNr. 5189.
Familienreßt. Ueber Verfügungsrecht
der in fränkiſcher Gütergemeinſc<aft lebenden
Eltern vor erfolgter Grundtheilung.
Eheleute, welche in allgemeiner Gütergemeinſchaft
nach fränfiſchem Landrechte leben und unabgetheilte
Kinder haben ,, ſind. in Anſehung der Teſta mentsfähigkeit
inſofern geſepßlich beſchränkt, als dieſelben
unter allen Umſtänden nur über ein Dritttheil des
Geſammtvermögens, und auch über dieſen Vermögenstheil
in der Regel blo8 zu Gunſten eines ihrer
Kinder, oder zu Gunſten von Verwandten oder
Wohlthätern, oder für einen mildthätigen Zwe> (ad
Pias causas) von Todeswegen zu verfügen berechtigt
erſcheinen. Fränf. LGO. Tit. 39 568. 16, 17,
48--20
Unter Lebenden können aber die Eltern,
mögen Beide oder nur Eines derſelben am Leben
ſein, ſofern nur im leßteren Falle der Wittwenſtand
nicht verändert wird, über das vorhandene Geſammtvermögen
unbeſchränkt verfügen. Denn es beſtimmt
in8beſondere Tit. 90 F. 1 a. a. O. in Uebereinſtimmung
mit Tit. 39 8. 25, daß auch der überlebende
Ehetheil in allen Gütern ſigen bleibe, dieſelben
nach ſeinem Gefallen zu gebrauchen und zu
genießen, ſowie „ohne Verhinderung männiglichen“
al8 mit ſeinem eigenen Gute zu thun und zu laſſen
berechtigt ſei, und daß die Kinder an des verſtorbenen
Vaters oder der verſtorbenen Mutter Gut keinen
benaunten Theil haben, bis die Theilung von dem
überlebenden Ehegenoſſen verwirkt oder angeboten iſt.
(Bl. f. RA. Bd. 27 S. 171-176.)
Ein Recht der Kinder, bei Lebzeiten der Eltern