Volltext : Blätter für Rechtsanwendung. LIX. Band. (59)

Oberstrichterliche  Entscheldungen.  263

eines  neuen  Vorbringens  kann  allerdings  eine  Aenderung
beantragt  werden.  Das  Landgericht  München  hat  jenen
Beschluß  später  dahin  abgeändert,  daß  das  dort  angeordnete
  Gutachten  nicht  zu  erheben,  sondern  sofort  zum
Schlusse  zu  verhandeln  sei.  Dieser  Beschluß  wurde  gefaßt,
  nachdem  schon  ein  Theil  des  angeordneten  Beweises
erhoben  war.  Uebrigens  handelt  die  angezogene  Gesetzesstelle
  nur  von  der  Befugniß  der  Parteien.  Das  Gericht
  hat  die  Befugniß,  einen  Beweisbeschluß  nicht  oder
nicht  vollständig  auszuführen.  Dies  ergibt  die  Natur
des  Beweisbeschlusses  als  eines  proceßleitenden,  jederzeit
abänderlichen  Decretes  (Motive  zur  CPO.  S.  245).  Urtheil
  vom  11.  November  1893;  Reg.-Nr.  1  117/93.

Bezugnahme  auf  Entscheidungsgründe
der  Vorinstanz.  Die  Revision  erhebt  Bedenken  gegen
die  Zulässigkeit  einer  solchen  Bezugnahme.  Wenn  auch
§5  505  CPO.  nur  bei  der  Darstellung  des  Thatbestands
im  Urtheile  eine  Bezugnahme  auf  das  Urtheil  voriger
Instanz  für  nicht  ausgeschlossen  erflärt;  wenn  auch  im
§  284  Abs.  2  a.  a.  O.  bestimmt  ist  „bei  der  Darstellung
des  Thatbestands  ist  eine  Bezugnahme  auf  den  Inhalt
der  vorbereitenden  Schriftsätze  und  auf  die  zum  Sitzungsprotocolle
  erfolgten  Feststellungen  nicht  ausgeschlossen“;
wenn  andererseits  über  eine  derartige  ausdrückliche  Gestattung
  einer  Bezugnahme  auf  die  Gründe  der  Vorinstanz
  bei  den  Entscheidungsgründen  im  Gesetze  sich  keine
Bestimmung  findet,  so  ist  doch  noch  nicht  gerechtfertigt,
aus  der  Unterlassung  einer  diesbezüglichen  Bestimmung
im  Gesetze  die  Unstatthaftigkeit  der  Bezugnahme  auf  die
Erwägungsgründe  der  vorigen  Instanz  zu  folgern.  Indem
  der  Gesetzgeber  bei  der  Darstellung  des  Thatbestands
die  Bezugnahme  auf  das  Urtheil  der  vorigen  Instanz
für  nicht  ausgeschlossen  erklärt,  hat  er  hiemit  noch  nicht
ausgesprochen,  daß  eine  Bezugnahme  in  allen  anderen
Fällen  unzulässig  sei.  Es  ist  in  diesen  Fällen  eine  ge-