Metadata : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

42  1.  Die  Zeit  Ludwigs  XIV  und  des  Aurfürften  Friedrich  Wilheln.

auf  die  Nachfolge  in  den  fchlefiichen  Fürjtentümern  Liegnib,  Brieg
und  Wohlau.  Als  diefer  Todesfall  im  Sahre  1675  eintrat,  z0g
FKaijer  Leopold  unter  Nichtachtung  der  brandenburgischen  Anjprüche
auch  Ddiefe  Fürftentümer  ein:  natürkic)  aber  verzichtete  Kurfürft
Friedrich  Wilhelm  nicht  ohne  weitere®  und  erneute  num  zugleic)
auch  den  Anfpruch  auf  Sägerndorf.  Die  Unterhandlungen  hierüber
hatten  fchließlich  im  März  1686  zu  einem  Vertrag  geführt,  in  dem
der  Kurfürft  gegen  Abtretung  des  näher  gelegenen  Schwiebufer
Kreifes  auf  feine  fchlefiichen  Anjprüche  verzichtete,  indem  er  ein
ficheres,  wirkliches  Befigtum  beftrittenen  Nechtsanjprüchen  vorzog.
Die  Sache  chien  abgemadht,  da3  Land  war  übergeben,  aber  djterveichifcherjeit3
  machte  man  nun  mit  dem  jungen  Kurprinzen,  deffen
Sinanzen  nicht  zum  beiten  jtanden,  ein  heimliche®  Gejchäft,  indem
man  ihn  gegen  zehntaufend  Dufaten  einen  Never3  außftellen  Tieß,
daß  er,  zur  Regierung  gelangt,  den  Kreis  zurüdigeben  werde:  er  war
loyal  und  ehrenhaft  genug,  demgemäß  zu  verfahren,  obgleich  einzelne
feiner  Räte  ihm  fagten,  was  an  fich  richtig  war,  daß  jenes  DVer-Iprechen
  rechtlich  ungültig  fer,  weil  es  nicht  von  dem  wirklichen  Snbaber
  der  Höchlten  Gewalt  gegeben  war,  fondern  von  einem,  der  es  erft
fünftig  einmal  werden  konnte.  Im  Sahre  1695  erfolgte  die  Netrozelfion.

Das  FKriegsmanifeft  Ludwigs  erfchien  am  24.  September  1688;
der  Kaifer  Leopold  erwiderte  e8  im  Oftober  mit  einem  Gegenmanifelt.
  Der  Kaifer  mußte  fich  entjchließen,  fich  mit  Kegern  gegen
einen  Fatholiichen  König  oder  deren  zwei  zu  verbünden,  wozu  er
ein  Gutachten  einer  Kommifjion  von  Theologen  erforderte:  ihre
Mehrheit  fand  Feine  Schwierigkeit,  aus  dem  Wefen  des  Krieges  und
in  der  Weife,  die  ihnen  geläufig  war,  die  Erlaubtheit  eines  folchen
Biündnifjes  zu  ermweilen.  Noch  ehe  er  aber  die  Kriegserflärung  des
Kaijer3  erhielt,  Hatte  Yudwig  im  September  1688  ein  Heer  ins
fölnifche  Gebiet  einrüden,  gleichzeitig  mit  zwei  anderen  Armeen
die  Pfalz  bejegen  fowie  von  Straßburg  aus  den  Nhein  über-Ichreiten
  lafjen.  Da  der  Kaifer  und  das  Reich  noch  zögerten,  fo
vereinigten  fich  im  Oftober  1688  mehrere  deutjche  YFürften,  der
neue  Kurfürft  Sriedrich  III  von  Brandenburg,  Kurfürft  Johann