Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

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hält,  sein  Fortschreiten  hemmt.  —  Haltestelle,  f.  Stelle  wo
angehalten  wird;  im  Eisenbahnwesen  kleine  Station.

Halter,  m.  der  etwas  hält,  ahd.  haltäri,  mhd.  baltore,
  nach  verschiedenen  Bed.  des  Verbums;  in  Baiern
Viehhüter;  in  Zusammensetzungen  stützende,  haltende,
führende  Person,  vgl.  er-,  gast-,  gerichts-,  haus-,  hof-,
post-,  stamm-,  statthalter;  haltendes  Gerät,  z.  B.  feder-,
gardinenhalter;  in  der  Musik  —  Fermate,  Note  die  die
Tactbewegung  unterbricht,  und  das  über  derselben
stehende  Ruhezeichen.  Die  umgelautete  Form  Hälter,  m.
—  Behälter,  namentlich  für  Fische  Voß  Idyll.  16,  143.
—  haltig,  Halt  und  Gehalt  habend;  im  Berg=  und
Münzwesen  haltiges  gestein;  eine  wahre  haltige  münze
IPaul  Nachdämmerungen  83;  vielfach  in  Zusammensetzungen,
  erz-,  gold-,  nach-,  probe-,  silberhaltig  u.  s.  w.
—  haltlos,  ohne  Halt;  neueres,  erst  von  Campe  verzeichnetes
  Wort;  die  haltlose  erde  ebd.;  bezogen  auf
gesellschaftliche  Stellung:  einem  armen  haltlosen  teufel
Keller  Seldw.  1,  80;  auf  innere  Festigkeit:  haltlose,
unsichere  reden  2,  315;  haltlose  unterwurfigkeit  Freytag
  Handschr.  2,  398;  alles  in  den  deutschen  verhältnissen
  erschien  haltlos  und  locker  Erinn.  210;  wie  haltlos
  die  landwehr  Ssich  gezeigt  Treitschke  2,  229.—
Haltlosigkeit,  f.  haltloses  Wesen:  haltlosigkeit,  mit  welcher
  das  junge  freiheitsgefühl  sich  äuszerte  Freytag
Erinn.  173.  —  Haltung,  f.  Handlung  des  Haltens,
nach  den  verschiedenen  Bed.  des  Verbums,  mhd.  haltunge;
außerhalb  Zusammensetzungen  in  neuerer  Spr.  besonders
nach  halten  4,  Stand,  Festigkeit:  da  er  denn,  weil  er
die  härte  vermeiden  wollte,  keine  haltung  in  scine
blätter  (Zeichnungen)  brachte  Goethe  DuW.  4;  der
dem  widerstand  haltung  und  nachdruck  gab  Ranke
Päßpste  2,  105;  nach  reflexivem  sich  halten  (4),  von  körperlicher
  Führung,  äußerem  Auftreten:  sichere  (Hauff
11,  19),  steise  (Freytag  Handschr.  1,  331),  vornehme
(Erinn.  173),  gebuckte  (263),  nonnenhafte  (Keller
Werke  8,  108)  haltung,  u.  a.;  in  bedeutendem  Sinne,  wit
haltung  antworten,  er  zeigte  bei  dem  plötzlichen  unglück
viel  haltung;  wenn  nun  frau  Regel  auch  nicht  die  haltung
verlor  Keller  Seldw.  1,  155;  Art  des  Benehmens  in
bestimmten  Fällen:  erwarte  fernere  weisung  was
ich  zu  dem  herzoglichen  wunsch  gegen  Bulow  fur  eine
haltung  annehmen  soll  Preußen  i.  B.  1,  95;  was  aber
bestimmte  die  haltung  des  königs?  Treitschke  1,  406;
in  kaufmännischer  Spr.  und  Börsenberichten,  haltung
der  käufer,  abnchmer,  geber;  auch  waren  in  steigender,
fester,  sinkender  haltung;  in  älterer  Spr.  auch  nach
halten  6  (jetzt  durch  den  Inf.  ersetzt):  haltung  beschchener
  zusag  Zinkgref  1,  166;  altertümelnd  noch
bei  Tieck:  (ich)  bleibe  stets  getreu  der  haltung  des
gesetzes  Oct.  323.

Halunke,  m.  nichtswerter  Kerl,  Schust;  im  16.  Ih.
aufgekommenes  Lehnwort  aus  dem  böhmischen  holomek
nackter  Bettler  (von  holy  nackt),  znerst  aus  einem  Prager
Flugblatte  über  eine  Feuersbrunst  von  1541  in  der  Bed.
Bettler  nachgewiesen:  2  kinder  die  sind  eines  holuncken
geweszt,  auch  verbrannt  worden.  mer  ist  ein  holunck
genant  Vicenz,  der  ist  verbrant  gefunden  worden  Germ.
20,  68;  verbreitet  in  verschiedenen,  nahe  zusammenstehenden
  Formen,  als  Schimpf=  und  Scheltwort:  was
trewy  er  von  den  beiden  holunken  zu  gewarten  babe
Philander  1,  73;  das  er  ein  hudler,  ein  halunk
sein  musse  2,  72;  was  will  der  bauer  da?  fort,  halunk!
Schiller  Wallenst.  Lager  2;  dasz  .  .  die  narren  oft
schnell  noch  hallunkcn  werden,  eh  sie  sterben  Keller
Werke  8,  171.

Hamen,  m.  1)  Netz,  Fanggarn,  bei  Fischern  und
Jägern;  ahd.  hamo,  mhd.  ham,  eigentlich  Tuch,  Hülle
(ogl.  dazu  unter  hemde),  in  der  Bed.  eingcengt;  bildlich
  und  sprichwörtlich:  nun  du  deinen  mann  in  dem
hamen  bast  Schiller  Ränb.  2,  3;  in  früherer  Spr.  vor
dem  hamen  fischen,  einem  andern  schlau  den  Fang  oder

Haltestelle  —  Hamen.

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Gewinn  schmälern:  das  hiesze  freilich  recht  für  dem
hamen  fischen  und  gewalt  für  recht  gebraucht  Luther
Br.  3,  321.  2)  anderes  hamen,  hölzerne  gebogene  Fessel,
Angel,  Angelhaken,  mit  dem  vorigen  nicht  zusammenhängend,
  auch  nicht  aus  lat.  hamus  entlehnt,  wahrscheinlich
  urverwandt  zu  irisch  cam  krumm,  lat.  camurus
einwärts  gebogen,  gekrümmt.  **  Z

Hämisch,  boshaft  listig,  verstockt  und  tückisch;  im
späten  Mhd.  als  hemisch,  auch  unumgelautet  als  hamisch
erscheinend,  von  altem  hamo  Hülle,  Decke,  abgeleitet  und
zunächst  verhüllt,  verdeckt  bezeichnend,  aber  in  Anwendung
  auf  Sinn  und  Vorhaben,  daher  die  heutige  Bed.
annehmend:  hamisch,  versutus,  astutus  Voc.  15.  Ih.;
das  sie  nicht  hemisch  oder  neidisch  auf  einander  sind
Luther  5,  340b5;  sich  falsch  und  bemisch  stellen
Logau  3,  189,  95;  in  neuerer  Spr.  besonders  von
Geberden,  Worten  und  Verfahren:  mit  hämischem
lächeln  Schiller  2,  291;  einen  hämischen  zug  um
den  mund  Hauff  10,  156;  da  wurdest  du  bösewicht
hämisch  Freytag  Handschr.  2,  274;  der  papagei  lachte
mit  auf  eine  fatale,  hämische  art,  wie  ein  mensch
Heyse  5,  171.  —  Hämling,  m.  Verschnittener;  im
15.  Ih.  vorhanden:  hämling,  hemling,  mufo,  castronus
Dief.-Wülcker;  in  neuerer  Spr.  zur  Bezeichnung  eines
Ennuchen  häufiger  gebraucht,  doch  nie  allgemein  geworden
  (betreffs  der  Ableitung  vgl.  hammel):  die
schwarzen  hämmlinge  Wieland  Amad.  15,  6;  sicht
man  den  imam  selbst  mit  einem  hämmling  walzen
Ob.  5,  47.

Hammel,  m.  verschnittener  Schafbock,  Schöps;  nur
hochdeutsches  Wort,  eigentl.  Adj.,  ahd.  hamal  verstümmelt,
  Weiterbildung  zu  ahd.  ham  lahm,  in  naher
Beziehung  zu  hemmen  (s.  d.);  erst  im  späteren  Mhd.
wird  das  Wort  auf  das  kastrierte  männliche  Schaf  eingeengt
  und  Subst.;  Plur.  in  älterer  Spr.  hemel  Hes.
39,  18;  verschnitten  hämmel  Fischart  Podagr.  C  6°;
jetzt  lieber  unumgelautet:  alle  hammel  von  ganz  Tibet
Kotzebue  Kleinstädter  3,7;  im  Vergleiche:  dumm  wie
ein  hammel;  die  Redensart:  wiederum  auf  besagten
hammel  zu  kommen,  ist  Nachbildung  des  franz.,  seit
15.  Ih.  bezeugten  revenons  à  nos  moutons,  und  besonders
  durch  Kotzebues  Kleinstädter  3,  7,  wo  sie  recht
anschaulich  komisch  gebraucht  wird,  in  Schwang  gekommen.
  —  Zusammensetzungen:  Hammelbraten,  m.
Braten  vom  Hammel.  —  Hammelfell,  -fett,  fleisch,  n.
Fell,  Fett,  Fleisch  vom  Hammel.  —  Hammelkeule,  k.
Keule  vom  Hammel.  —  Hammelsprung,  m.  Sprung
der  Hammel  oder  in  der  Art  der  Hammelj  scherzhaft
übertragen  auf  eine  Art  der  Abstimmung  im  preußischen
Abgcordnetenhause,  wobei  statt  der  Zählung  der  einzelnen
  Stimmen  ein  gruppenweises  Zusammentreten
der  Stimmenden  stattfindet.

Hammer,  m.  besonderes  Werkzeug  zum  Klopfen  oder
Schlagen;  gemeingerm.,  nur  goth.  nicht  bezeugtes  Wort,
altnord.  hamarr  (hier  auch  —  Klippe,  Fels),  altengl.
hamor,  altsächs.  hamur,  ahd.  hamar,  mhd.  hamer;  ursprünglich
  Steinwaffe,  urverwandt  zu  altslav.  kamy
Stein;  der  Plur.  im  Ahd.  hamara,  seit  dem  Mhd.  gewöhnlich
  mit  Umlaut:  es  schmidet  einer  das  eisen  in
der  zangen,  bereitets  mit  hemmern  Jes.  44,  12;
heftet  sie  mit  negeln  und  hemmern  Jer.  10,  4;  malleus
hamer,  hammer  Dief.;  schwingt  den  hammer  Schiller
Glocke  345;  zusammengestellt  mit  dem  ambosz,  s.  dort;
in  mannigfacher  Verwendung,  Grenzbestimmung  durch
hammerwurf  JGrimm  Rechtsaltert.  55  ffg.;  Zuschlag
bei  einer  Versteigerung  mittels  des  hammers,  daher
etwas  unter  den  hammer  bringen,  öffentlich  versteigern
lassen;  zum  Schlagen  der  Glocke:  da  tönt  der  hammer
dumpf  und  schwer  zwölfmal  vom  grauen  kirchthurm
her  Uhland  320;  früher  an  der  Thür  des  Hauses,
von  Einlaß  Begehrenden  angeschlagen:  hammer  an  der
thur,  eorniæ  Kirsch;  bei  den  Freimaurern  Zeichen  der

hämisch  —  Hammer.