10 Das denische Reich und seine einzelnen Glieder. (März 7.)
besagt: „Ich löse hiedurch mit bewegtem Herzen die näheren Beziehungen,
worin Sie als Kriegsminister seit zehn Jahren zu Mir standen. Ich thue
es mit dem aufrichtigsten. herzlichsten, wärmsten Danke für Ihre Hingabe an
Ihr schweres Amt, für die Aufopferung Ihrer Kräfte, womit Sie für das
Wohl der Armee thätig gewesen. Ich wünsche, diese Empfindungen auch der
Armee gegenüber zum Ausdruck zu bringen, indem Ich bestimme, daß Sie
nicht allein in der Stellung als Chef der zweiten hannoverischen Regiments
und à la suite des Ingenieurkorps bleiben, sondern auch durch Ihre Fortführung
in den Listen der aktiven Generale Ihre engste Zusammengehörigkeit
mit der Armee festgehalten werde, worin Sie das Recht auf eine Ehrenstelle
wohl ervorben haben. Möge es Ihnen ferner wohl gehen und mögen Sie
sich des Wohlwollens und der dankenden Erinnerung Ihres Königs jederzeit
versichert halten. Möge Ihr Gesundheitszustand gestatten, daß Ich Meinen
lebhaften Wunsch, Sie nicht ganz gehen zu sehen, sondern in einer Kommandostelle
der Armee wieder zu plasieren, in Erfüllung gehen sehen kann."“
Gleichzeitig erläßt der Kaiser eine Kabinetsordre, wonach die „Abteilung
für persönliche Angelegenheilen“ in der bisherigen Weise anf dem Etat des
Kriegsministeriums verbleibt, aber nicht mehr die geschäftliche Firma „Abteilung
für persönliche Angelegenheiten", sondern, unter entsprechender Modifizierung
ihrer Stellung zu dem inneren Dienstbetriebe der Kriegeministeriums,
künftig diesenige als „Militärkabinet" führt. In der Armeerangliste soll
künftig hinker „Adjutantur des Kaisers“ das ganze Militärkabinet aufgeführt
werden, die Aufführung der Namen desselben beim Kriegs- ministerium aber
fortfallen und nur der Verweis „siehe Militärkabinet“ stehen. Der neue
Kriegeminister tritt also seine Stelle mit einer gewissen Minderung seiner
ministeriellen Befugnisse an, die jedoch seine Stellung zum Reichskanzler nicht
berührt, lediglich um dem Generaladjutanten des Kaisers, Herrn v. Albedyll,
das Verbleiben auf diesem seinem wichtigen Posten, trotz der Ernennung eines
jüngeren Generallientenants zum Chef der Kriegsverwaltung zu ermöglichen.
Die bis herige „Abteilung für die persönlichen Angelegenheiten im Kriegsministerium“
ist völlig selbständig gemacht worden als das Militärkabinet
Sr. Majestät, und der Chef dieses Kabinets, Herr v. Albedyll, hat den verantwortlichen
Kriegsminister nicht mehr zum Vorgesetzten, sondern steht lediglich
wie früher Frhr. v. Mantenssel direkt unter dem Kaiser; die
persönlichen Angelegenheiten werden dem Kriegsminister gar nicht mehr
unterbreitet.
Infolge des Rücktritts des Generals v. Kameke verlangt auch
der Chef der Admiralität, General v. Stosch, seine Entlassung.
7. März. (Preußen.) Abg.-Haus: 3. Lesung des Etats:
die in der 2. Lesung gestrichene Position für den preußischen Volkswirtschaftsrat
wird nochmals mit 191 gegen 191 Stimmen gestrichen,
wobei Windthorst erklärt, er beharre seinerseits, weil er die
Zahl der parlamentarischen Organisationen nicht noch vermehren
wolle.
Die Streichung erfolgt uur mit Stimmengleichheit; es wird aber berechnet,
daß dieselbe bei vollbesetztem Hause mit 225 qaner 207 Stimmen
erfolgt wäre. Die 3. Lesung des Etats führt brigene neuerdings zu einer
kleinen Steuerdebatte, indem der konservative Graf Limburg-Stirum den
Liberalen vorwirft, fortwährend für Vermehrung der Staatsausgaben einzutreten,
die Bewilligung von Mehreinnahmen aus dem Reich aber zu verweigern.
Der sezess. Rickert unterzieht dagegen die konservative Steuerpolitik einer