Aber der leichtsinnige Streich Czernins, einen problematischen Charakter wie
Erzberger in die gefährlichen Geheimnisse der Politik der verbündeten Regierungen
einzuweihen, hatte noch eine weitere verhängnievolle Wirkung, und
zwar auf Deutschlande inmerpolitische Entwlcklung: Erzberger fühlte sich durch
seine Wlssenschaft von Czernine Berlcht, dessen Zweck und Ubertreibung er ebensowenlg
durchschaut hatte wie dle Entente, veranlaßt, im Deutschen Relchotage
jenen verhängnisvollsten Schritt zu betreiben: die Frledeneresolution.
Aber lst es nicht ein entsetzlicher Gedanke, daß die Geschlcke von Millionenvölkern
entscheldend bestimmt werden, daß der unerhörte Herolemus verzwelfelt
ringender Nationen schlleßlich zertrümmert wird durch Torheiten und Geschwätzigkeiten
wenlger verantwortllcher oder gar unverantwortlicher Einzelner?
6.
Bewiles sich der Friedeneschritt, den ÖOsterrelch auf helmlichen Wegen über
Schwiegermutter und Schwager eines schwachen und ahnungelosen Herrschers
betrieb, als verhängnlevolle Stümperel, so kam um die gleiche Zeit elne Friedeneanregung
von dem olellelcht einzigen Manne der Welt, der damale hoch genug
ũber den Partelen stand, um als Vermittler ernsthaft genommen werden zu
müssen: vom Popste.
Am 26. Junk suchte der päpstliche Auntlus Pacelll Herrn v. Bethmann
in Berlin auf. Er erklärte sich beauftragt, dem Kaiser einen Brief des Papstes
zu Überbringen, dessen Abschrift er Bethmann zu lesen gab.
Unter persönlichen Wünschen für den Kaiser und seln Haus erinnerte der
Papst in dem Briefe daran, wie er unablässig die krlegführenden Völker beschworen
habe, die brudermörderlschen Waffen niederzulegen, und verslcherte
dem Kalser, daß alle seine Anstrengungen darauf gerichtet blieben, die Tage
dieses ungeheuren Unheils zu schließen.
Bethmann hatte den Eindruck, daß binter diesem Besuch ein ernsthafter
und genau formulierter Auftrag des Papstes stehe, und gab dem Auntius alle
von lhm gewünschten Aufklärungen. Insbesondere erklärte er, Belglen solle
zu voller Unabhängigkeit wiederhergestellt werden, nur müsse Gewähr geschaffen
werden, daß es auf kelne Weise unter Englonde und Frankrelchs Herrschaft
gerate. An der elsaß-lothringischen Frage werde ein Friede, wenn Frankrelch
zu solchem bereit sei, nicht scheitern: „in der Form gewisser gegenseitiger Grenzberichtigungen
werde sich ein Weg finden lassen“.
Am 29. Junl empfing der Kaiser im Großen Hauptquartier den Nuntlus
und betonte, für den Papst sel jetzt die Zeit zum Hondeln gekommen, zumal
die andere große Internatlonale Organlsation, die Sozlaldemokratie, sich bereits
in den Dienst des Frledene gestellt habe.
Das war der Auftakt zu dem Friedeneschritt, den der Papst donn am
I. August durch Erlaß seiner Frledens-Enzyklika getan hat.
Vorher entwickelte sich in Deutschland eine innere Krisie, welche die innerdeutsche
Zerrüttung einem Höhepunkt zutrieb.
Es hatte nicht fehlen können, daß die russische Revolution auf die schon längst
in Gärung begriffenen Innerpolitischen Zustände Heutschlands eine tiefe Einwirkung
übte.
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