Full text : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

336  Fünftes  Buch.  Der  Zusammenbruch.

Frankreich  energisch  begegnet  sehen  wollte,  Haugwitz  gar  den
Befehl  durch  (24.  Oktober),  die  Gegend  von  Frankfurt,  wo  es
unter  solchen  Umständen,  wenn  Preußen  etwas  auf  sich  hielt,
je  nachdem  mit  den  Franzosen  oder  mit  den  Oesterreichern  zum
Zusammenstoß  kommen  konnte,  zu  räumen  und  nach  Franken
zurückzugehen.  Hardenberg  aber  mußte  in  Basel  erklären,
Preußen  sehe  in  jener  Gegend  von  der  Demarkationslinie  überhaupt
  ab  und  verzichte  auf  sie,  für  Westfalen  dagegen  halte  es
sie  fest  und  wünsche  dort  ihre  genauere  Bestimmung.  Noch
vor  Mitte  November  war  Frankfurt  und  Umgegend  von  den
Preußen  geräumt.

Erklärte  sich  dieser  schwächliche  Beschluß  auch  aus  der  Rücksicht
  auf  die  polnische  Frage,  die  Preußen  doch  noch  nötigen
konnte,  im  Osten  zu  handeln,  so  mußte  er  doch  den  Glauben
an  irgend  welche  Thatkraft  des  Berliner  Kabinetts  vollends
vernichten.  War  es  nicht  ein  Glück,  daß  die  Interessen  des
Reiches  und  der  Reichsfriede  nicht  in  diese  schwachen  Hände
gelegt  waren?  In  Berlin  selbst  war  man  froh,  damit  nicht
belastet  zu  sein.  Denn  nur  diesem  Umstande,  so  schien  es,
hatte  man  es  zu  danken,  daß  der  polnische  Handel  günstig  ausging,
  indem  gerade  in  jenen  kritischen  Tagen  in  Petersburg
der  Vertrag  unterzeichnet  wurde,  der  Preußen  einen  stattlichen
Anteil  an  der  Polen  abgedrungenen  Beute  sicherte  (S.  326).
Freilich  beseitigte  er  keine  von  den  Gefahren,  welche  die  Erfolglosigkeit
  der  zu  Basel  inaugurierten  Politik  im  Westen
heraufbeschwor.  Diese  vermehrte  der  Verzicht  auf  die  Demar—
kationslinie  um  eine  neue  und  besonders  dringende.  Während
man  in  Berlin  als  den  eigentlichen  Kern  der  Baseler  Abmachungen
  die  Neutralisierung  Norddeutschlands  betrachtet  hatte
und  nur  um  ihretwillen  die  Verständigung  mit  Frankreich  gesucht
  haben  wollte,  hatte  man  nun  mit  der  Möglichkeit  eines
französischen  Angriffs  auf  Hannover  zu  rechnen,  und  zwar  nicht
als  einem  Uebergriff  der  Pariser  Gewalthaber,  sondern  einem
Schritt,  dessen  Berechtigung  kaum  zu  bestreiten  war.  Obgleich
nämlich  der  König  von  England  als  Kurfürst  von  Hannover  die
Vorteile  der  Demarkationslinie  mitgenießen  wollte,  standen  in
Hannover  außer  den  einheimischen  auch  englische  und  von  Eng-