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Tag über schmerzlich mit sich selbst, bevor er zu einem bestimmten Entschlusse
kam. Glücklicherweise war es der letzte Tag der Waffenruhe (9. August).
Während der Graf Metternich und die französischen Bevollmächtigten,
Caulaincourt und Graf Narbonne, an diesem Tage in Prag mit Spannung
auf die Entscheidung des Kaisers Napoleon warteten, wünschten die Bevollmächtigten
der Verbündeten, der kaiserlich russische Staatsrat von Anstett und
der preußische Geheimerat Wilhelm von Humboldt, sehnsüchtig die letzte
Stunde des Tages herbei. Sie setzten endlich ein Protokoll anf, in welchem
sie ihre Vollmachten für erloschen und den Kongreß für beendigt erklärten,
und übergaben dasselbe mit dem zwölften Glockenschlage der Mitternacht dem
österreichischen Friedensvermittler. Mit leichterem Herzen eilte darauf Humboldt
auf den Hradschin, um das verabredete Zeichen zu geben; bald darauf
flammten auf den Kuppen des Riesengebirges im weiten Bogen die Feuerzeichen
auf und verkündeten den Heeren, daß die Stunde zum Wiederbeginn
des mit Sehnsucht erwarteten Kampfes gekommen sei.
Wenige Stunden darauf traf die Antwort Napoleons auf die letzten österreichischen
Friedensvorschläge ein. Sie lautete im allgemeinen zustimmend mit
einigen Vorbehalten. Metternich erklärte den französischen Bevollmächtigten,
die letzten Aufstellungen wären wohl von der Art, daß sie zum Frieden hätten
führen können, wenn sie früher gemacht worden wären; jetzt sei Osterreich
genötigt, infolge seiner Verträge mit Rußland und Preußen als Verbündeter
dieser Mächte aufzutreten. Am 12. August abends fertigte Metternich in
seiner Kanzlei den Kurier mit der Kriegserklärung nach Dresden ab. Humboldt
begleitete denselben selbst zur Post. Nachdem er ihn hatte abfahren
sehen, atmete er auf. Nun war er gewiß, daß eine Anderung des Entschlusses
nicht mehr stattfinden konnte.
So stand denn der längst geplante große Bund der alten Mächte Europas
— Rußland, Prenßen, England, Osterreich und Schweden — endlich unter
den Waffen gegen die revolutionäre Zwingherrschaft des Einzigen, der Europa
unter sein Joch beugen wollte. Aber in welcher anderen Gestalt war dieser
Bund ins Leben getreten, als die preußischen Vaterlandsfreunde ihn gedacht
hatten! Was hatten die Kosaken und Baschkiren Rußlands, die dalekarlischen
und gotländischen Bauern Schwedens, die Magyaren und Tschechen, die unter
Österreichs Fahnen standen, für ein Interesse an der Aufrichtung eines unabhängigen
Deutschen Reichs, wie es Preußen dem deutschen Volke verheißen
hatte! Rußland trachtete danach, seinen Schwerpunkt als enropäische Großmacht
aus dem Orient mehr nach dem Westen vorzurücken und an Frankreichs
Stelle einen überwiegenden Einfluß auf die Staaten des abendländischen Europa
auszuüben: Schweden wollte Norwegen in Deutschland erobern, England seine
Seeherrschaft mit Hilse der Kontinentalmächte behaupten und befestigen, Oster-