Full text : Banken und Bankpolitik

auf  42  Millionen  K  angewachsen  ist,  und  2°%,  in  den  Pensionsfonds.
Der  weitere  Überschuß  wird  hälftig  zwischen  Staat  und  Aktionäre  verteilt,
bis  diese  insgesamt  6°),  erhalten.  Von  dem  weiteren  Überschuß  erhalten
die  Aktionäre  einen,  der  Staat  zwei  Teile.  Als  weiteres  Entgelt  hat  der
Staat  einen  Vorschuß  beansprucht,  der  jetzt,  wie  wir  gesehen  haben,
60  Millionen  K  beträgt.

Ähnliche  Partizipationsverhältnisse  bestehen  in  Deutschland,  Holland,
Dänemark,  Norwegen,  Rumänien,  Serbien,  Portugal.

In  Deutschland  erhielten  nach  dem  Bankgesetz  von  1875  die  Anteilseigner
  zunächst  eine  Vordividende  von  41,0).  Dann  kamen  20°],  in
den  Reservefonds,  bis  dieser  auf  30  Millionen  M  angewachsen  war.  Der
Rest  wurde  zwischen  Reich  und  Anteilseigner  geteilt,  bis  diese  insgesamt
3%,  Dividende  bezogen  hatten.  Von  dem  weiteren  Überschuß  erhielten
die  Aktionäre  einen,  das  Reich  drei  Teile.  Durch  die  Novelle  von  1889
wurde  die  Vorzugsdividende  auf  3!,°,,  die  Grenze,  von  der  ab  eine
Verteilung  im  Verhältnis  von  1:3  stattfindet,  auf  6°),  herabgesetzt.  Die
Novelle  von  1899,  die  das  steuerfreie  Notenkontingent  erheblich  erhöhte,
verminderte  den  prozentualen  Anteil  der  Aktionäre,  indem  sie  den  Reservefonds
  bis  auf  60  Millionen  M  anwachsen  ließ  und  den  nach  Verteilung  der
Vordividende  und  Anfüllung  des  Reservefonds  —  1905  hatte  er  bereits
seine  Maximalhöhe  erreicht  —  übrigen  Betrag  zu  !/,  an  die  Anteilseigner
und  zu  3|,  an  das  Reich  ausschüttete.

Einer  weiteren  Verminderung  der  Bezüge  der  Anteilseigner  wird  jetzt
vielfach  das  \Vort  geredet,  und  bei  der  mißlichen  Lage  unserer  Finanzen
ist  jede  Aussicht  auf  Verstärkung  der  Reichsfinanzen  sehr  willkommen.
Zwei  Meinungen  stehen  sich  schroff  gegenüber.  Die  Konservativen,  schreibt
Bendixen!)  schr  richtig,  erblicken  in  der  Deutschen  Reichsbank  eine
staatliche  Anstalt  mit  einigen  störenden  privatrechtlichen  Stilwidrigkeiten,
während  die  Liberalen  betonen,  daß  die  Reichsbank  mit  Privatkapital
aufgebaut  sei  und  ihre  Verfassung  im  wesentlichen  der  einer  Aktiengesellschaft
  gleiche.

Verschiedene  Vorschläge  von  Berufenen  und  Unberufenen  sind  in  den
letzten  Monaten  wieder  gemacht  worden,  u.  a.  auch  der,  die  Dividende
auf  5°,  zu  begrenzen  unter  dem  Hinweis,  daß  die  Aktionäre  der
Schweizerischen  Nationalbank  eine  Maximaldividende  von  nur  4%,  beziehen.
  Diejenigen,  von  denen  diese  Vorschläge  ausgehen,  haben  wohl

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1)  „Der  Charakter  der  Reichsbank‘“  im  Bank-Archiv  Nr.  5  1908.
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