Full text : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

18  Bajoarien  unter  dem  Agilolfinger  Tassilo  II.

um  die  ehedem  durch  Luitprand  abgerissenen  Städte  (Majes,
Botzen,  Seben)  und  Gebietstheile  vergrößerte,  bald  darauf  (772)
ohne  Anfrage  am  fränkischen  Hofe  Kärnthen  gewaltsam  an
sich  brachte,  auf  den  Landtagen  zu  Dingolfing  (773)  und
Neuching  (774)  Gesetze  nach  Art  eines  völlig  unabhängigen
Regenten  erließ  und  zuletzt  (778  oder  7797)  seinen  Sohn
Theodo  zum  Mitregenten  annahm.  All'  dieß  suchte  Karl,
nachdem  er  den  Longobardenkönig  Desiderius  (774)  besiegt,
den  Arabern  in  Spanien  das  Land  bis  an  den  Ebro  (die
spanische  Mark)  entrissen  (778)  und  fünf  Züge  gegen  die
Sachsen  (772,  775,  776,  779,  780)  mit  Erfolg  unternommen
  hatte,  mit  einem  Schlage  zu  vergelten,  indem  er  im
Einverständnisse  mit  dem  Papste  Hadrian  I  den  Herzog
Tassilo  durch  Gesandte  (die  Bischöfe  Formosus  und  Damasus
  erschienen  im  Auftrage  des  Papstes,  der  Diakon  Riculf
und  der  oberste  Mundschenk  Eberhard  von  Seite  des  Königs)  zur
Erncuerung  des  den  Franken  geleisteten  Lehenseides  aufforderte.

Der  bedrängte  Herzog  kam  der  Aufforderung  auf  einer
Versammlung  der  Franken  zu  Worms  (781)  nach  und  stellte
sogar  zwölf  Männer  seines  Landes  zur  Bürgschaft;  aber  bald
brach  er  auf  Anstiften  seiner  Gemahlin  Luitberga  das  gegebene
Wort  und  verabredete  den  Plan  einer  gemeinsamen  Verbindung
aller  Feinde  des  fränkischen  Namens.  Er  selbst  und  seine  Gemahlin
  Luitberga  mit  ihrem  Bruder  Adelgis  und  ihrer
Schwester  Adelberge,  des  Herzogs  Arrichis  von  Benevent
Wittwe,  stellten  sich  an  die  Spitze  der  Verbündeten.  Man  zählte
auf  einen  Aufstand  der  mit  den  Franken  unzufriedenen  Sachsen,
Thüringer  und  Longobarden,  die  griechische  Kaiserin  Irene
ward  in's  Vertrauen  gezogen  und  mit  dem  wilden  Volke  der
Avaren  ein  Bündniß  geschlossen,  um  es  im  entscheidenden
Augenblicke  zu  einem  Einfall  zu  benützen.  Zwei  geistliche  Würdenträger,
  die  man  in  die  ganze  Sache  eingeweiht,  der  Bischof
Arno  von  Salzburg  und  der  Abt  Heinrich  von  Monsee,
gingen  (787)  auf  Tassilos  Veranlassung  nach  Nom,  um  den
Papst  Hadrian  1  für  das  Unternehmen  günstig  zu  stimmen,
kehrten  aber  von  dort  unverrichteter  Dinge  zurück  mit  dem  Auftrage,
ihren  Herrn  an  seinen  Eid  zu  erinnern.  Karl,  der  die  beiden