136 Friedensschlüsse.
Versprechens entschieden gegen Brandenburg. Ihm wäre nichts willkommener gewesen,
als mit einem Schlage die Schweden ohne seine Unkosten zu befriedigen
und zugleich Brandenburg zu schwächen. Der Kurfürst sah sich schließlich vor die
bittere Wahl gestellt: entweder den Frieden ohne brandenburgische Zustimmung
und mit dem Verluste vom ganzen Pommern geschlossen zu sehen, oder einen Teil
Pommerns an Schweden abzutreten und für den Verlust des anderen, für die
Abtretung von Vorpommern angemessene Entschädigungen zu erhalten.
Tief schmerzlich war das Opfer, das ihm zugemutet wurde, er fühlte, wie
viel er hingab, doch er mußte das Opfer bringen, „lieber etwas von seinem Lande
zu verlieren als das Ganze quitt zu gehen“ und die Teilung Pommerns zugeben.
46% Am 7. Februar 1647 kam es trotz aller Störungs-Versuche des kaiserlichen Gesandten
zwischen Schweden und Brandenburg durch den französischen Bevollmächtigten
d Avanx zum Abschluß. Aber anderthalb Jahre dauerte es noch, bis auch
der Kaiser sich zum Frieden beqnemte. In den immer neuen Verwickelungen versuchte
der Kurfürst wohl eine „dritte Partei zu bilden, die sich beiden kriegenden
Teilen konsiderabel machen“" und sie zum Frieden zwingen könne. Dies mißlang
zwar, aber trotz der heftigen Einsprache Kursachsens erreichte der Kurfürst, da
auch die Reformierten als Evangelische in den Frieden eingeschlossen wurden,
und als die Franzosen und Schweden bis an den Inn vorgedrungen, die Schweden
die Kleinseite von Prag erobert hatten, und nun Wien selbst von zwei Seiten
bedroht war, da war auch der Kaiser gezwungen, das spanische Interesse bei Seite
1648 zu setzen. Am 24. Oktober 1648 vollzog er den Frieden. —
ohl war nun Friede, aber es war ein Friede, der hundertfältigen Keim
zu neuen Kriegen in sich barg. Wohl war die Freiheit der Religionsbekenntnisse
anerkannt, das nmßkfen“à2 aufgehoben, aber wer hätte sich nicht wie der
Kurfürst an den Grundsatz erinnern sollen, daß man den Ketzern Treue zu halten
nicht schuldig sei? Wohl war nun die Landeshoheit, le droit de souverainete
eines jeden deutschen Fürsten anerkannt, aber es war zugleich das deutsche Reich
als solches zu politischer Ohnmacht verurteilt, und die verkümmerte Reichsverfassung
unter die Garantie der fremden Mächte Schweden und Frankreich gestellt.
Osterreich, das sich der Einwirkung des Reiches nun völlig entzogen und seine
Erblande aus der Reichsverfassung gelöst hatte, wirkte umgekehrt mit den Resten
der, geinem Herrs cherhause wie erblich zustehenden kaiserlichen Gewalt lähmend
auf das Reich ein, Frankreich hatte mit dem Elsaß sich die Thüre zum Reich geöffnet,
hatte die Fürsten am Rhein, in Schwaben und Franken in der Hand, und
Schweden hatte mit Vorpommern, mit Bremen und Verden die Mündungen der
Oder, Elbe und Weser und damit die Herrschaft im Norden thatsächlich erlangt.
Es lag in der Natur der Sache, daß diese drei Mächte immer wieder um den
vorwaltenden Einfluß, um die beherrschende Stellung in Deutschland ringen würden,
und es war nicht anzunehmen, daß sie einem der deutschen Fürstenhäuser
gestatten würden, seine Kräfte so zu konzentrieren, daß es ihnen widerstehen,
das nationale Interesse Deutschlands ihnen gegenüber verfechten könne. Die
einzige Hoffnung war vielleicht, daß gerade aus der Rivalität der drei Mächte
sich eine Kombination bilde, die deutsches Gut und deutsches Recht wieder zu erringen
möglich machte.
Freilich hatte Kurbrandenburg Hinterpommern erhalten, waren ihm die Stifte
Minden, Kamin, Halberstadt und Magdeburg zugesprochen. Aber ganz abgesehen