Der freie weltwirtschaftliche Wettbewerb. 145
Trotz alledem dürfen wir nicht erlahmen in den Bemühungen, mit
friedlichen Waffen dem fortdauernden Wirtschaftekrieg zu begegnen und
für unsere weltwirtschaftliche Gleichberechtigung zu kämpfen. Emsiger
Kleinarbeit muß es gelingen, stille Berbündete zu werben in dem Ringen
gegen die unumschränkte Welthegemonie des angelsächsischen Kapitale
und gegen seine Welthandelediktatur. Ein schwaches Oeutschland, das
mit aller Kraft an seinem wirtschaftlichen Wiederaufbau arbeitet, aber
freilich nur ein arbeitendes Deutschland in geordneten VBerhältnissen,
wird im Auelande sogar eher auf Sympatdien rechnen können als ein
durch seine Stärke bedrohlich erscheinendes Deutschland. Wir werden
die Wege finden zu andern Ländern, die auch ihrerseits unter dem lastenden
Druck jener angelsächsischen Welthandelediktatur stehen, sofern wir nur
der Auslandspspche Rechnung zu tragen wissen und die wirtschaftlichen
Möglichkeiten deutscher Verbindung mit dem Auslande auch unter den
unendlich erschwerten Bedingungen mit deutscher Gründlichkeit studieren
und mit zäher Kraft nutzbar machen. Die nicht angelsächsische Welt wird
nicht ablassen von der Verfolgung des dritten unter den unerfüllten
14 Punkten Wilsons, der da lautete: „Die Beseitigung, soweit sie möglich
ist, aller wirtschaftlichen Schranken und die Errichtung der Gleichbeit
aller Handelebeziehungen unter allen Nationen, die sich dem Frieden
anschließen und sich zu seiner Aufrechterhaltung vereinigen“" und sie
wird hinarbeiten auf die Erfüllung des vierten unter jenen fünf Ersatzpunkten,
die Präsident Wilson in seiner Rede vom 27. September 1918
folgendermaßen formulierte: „Es kann keine besonderen wirtschaftlichen
Kombinationen innerhalb des Bundes geben, keine Anwendung irgendeiner
Form wirtschaftlichen Boykotts oder Ausschlussee, abgesehen von
der im Bölkerbund selbst alo Strafmaßregel verhängten Aueschließung
von den Weltmärkten, die als Mittel der Disziplin und Kontrolle gilt.“
Der Weltwirtschaftskrieg, geführt mit den Mitteln brutaler Vergewaltigung,
kann kein dauernder Zustand sein, er muß schließlich wieder
ersetzt werden durch den freien weltwirtschaftlichen Wettbewerb.
Aus dem verlängerten Kriegszustand der Weltwirtschaft müssen und
werden sich schließlich wieder Wege finden zu friedlicher weltwirtschaftlicher
Arbeiteteilung, gleichviel unter welchen äußeren wirtschaftspolitischen
Formen, nach welchem System wirtschaftepolitischer Theorien.
Die wirtschaftspolitischen Theorien bewegen sich, soweit Handelsbeziehungen
zwischen verschiedenen volkewirtschaftlichen Gebieten in
Frage stehen, zwischen zwei Extremen: dem System des absoluten Freihandels,
der jeder Volkewirtschaft wenigstens formell die gleichen Bedingungen
für die Autzung aller Schätze der Erde und für freien Handelsverkehr
mit jeder andern Volkewirtschaft stellt, und dem System der selbst-Dir.
Winschaftskrieg und Krlegswirtschaft. 10