Full text : Das Erzgebirge in Vorzeit, Vergangenheit und Gegenwart.

—  157  —

Schatzgräbersagen,  die  Wundersagen,  mit  ihren  verschiedenen  Träumen,
Anzeichen,  Wunderblumen  2c.,  die  Völker-,  Helden=  und  Geschlechtssagen;
  die  zahlreichen  Ortssagen  mit  ihren  Beziehungen  auf  die  Entstehung
  und  Benennung  von  Orten,  Familiennamen  und  Familienwappen,
  von  Wüstungen,  Ruinen,  Denksäulen,  Kreuzen  u.  s.  w.,  sowie
die  zahlreichen  bergmännischen  Sagen  über  die  Entdeckung  von  reichen
Anbrüchen  und  Erzen,  über  den  Bergsegen  an  Silberkuchen  und
Silberstufen,  die  Wünschelruthe,  die  Wahlen  und  Venediger,  den  Berggeist,
  gespenstigen  Bergmann,  Kobold  u.  s.  w.  in  systematischer  Weise
zusammengestellt  und  erläutert.  Leider  fehlt  diesem  vortrefflichen
Sammelwerk  ein  Register,  um  den  Gebrauch  und  die  Vergleichung
zu  erleichtern.  Dessen  ungeachtet  wird  dasselbe  für  den  Sagenkreis
des  Erzgebirges  seine  hervorragende  und  ausschließliche  Stelle  behaupten.

Eine  sehr  eingehende  Abhandlung  über  den  Aberglauben
der  Erzgebirgsbewohner  (Schicksalszeiten,  Schicksalszeichen,  Naturerscheinungen,
  Wahrsagekunst,  Zaubermittel,  Geister,  Gespenster,  gespenstige
  Thiere),  sowie  über  Sitten  und  Gebräuche  (das  Jahr  mit
seinen  kirchlichen  und  häuslichen  Festen,  Oeffentliche  Feste,  Trachten,
Gebräuche  in  Haus  und  Familie)  giebt  Dr.  Moritz  Spieß  im  Programm
  der  Annaberger  Realschule  1862.

14.  Litteratur.

Die  Litteratur  über  das  Erzgebirge  ist  eine  sehr
reichhaltige;  die  Erzeugnisse  derselben  haben  aber  einen  außerordentlich
verschiedenen  Werth.  Es  können  hier  allerdings  nicht  sämmtliche
Schriften  aufgeführt  werden,  welche  über  das  Erzgebirge  oder  einzelne
Theile  desselben  erschienen  sind.  So  weit  sie  in  Frage  kommen,  sollen
alle  Schriften,  welche  nur  ein  beschränkteres  Territorium  behandeln,
an  der  betreffenden  Stelle  Erwähnung  finden;  hier  sollen  nur  diejenigen
  Werke  aufgeführt  werden,  welche  ein  allgemeineres  Interesse
beanspruchen.

Abgesehen  von  der  großen  Zahl  geographischer  Werke,  in  denen
das  Erzgebirge  eine  mehr  oder  weniger  eingehende,  sachgemäße  und
richtige  Darstellung  findet,  mögen  genannt  werden:

Petrus  Albinus,  Meißnische  Land=  und  Berg-Chronica.
Dresden  1589.
D.  J.  Merkel,  Erdbeschreibung  von  Kursachsen.  Bearbeitet  von
K.  A.  Engelhardt.  3.  Auflage.  (7  Bde.)  Leipzig  1804.  —
JFWCha·rpentiers,MineralogischeGeographieder«Kursächsischen

  Lande.  Leipzig  1778.