Volltext : Die Revidirte Gesindeordnung für das Königreich Sachsen in der Fassung vom 31. Mai 1898.

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silber  nicht  mehr  hinauf  oder  hinunter,  sondern  bleibt  in  derselben
Höhe,  wie’s  gestanden,  da  man  dem  Wetterglase  diesen  Streich  gespielt
  hat.  Wenn  aber  mit  Vorsicht  die  Öffnung  wieder  freigemacht
wird,  und  die  Luft  kann  wieder  auf  das  Quecksilber  drücken  wie
vorher,  stärker  oder  schwächer,  alsdann  fängt  es  auch  wieder  an,
lustig  zu  steigen  und  zu  fallen.  Also  rührt  die  Veränderung  in
dem  Stand  des  Qucecksilbers  von  der  Luft  her,  welche  durch  die
Öffnung  des  Kölbleins  hineingcht  und  auf  das  Quecksilber  drückt.
Dass  aber  die  Luft  allein  es  sei,  welche  im  Stande  ist,  mit  wunderbarer
  Kraft  das  Quecksilber  28  Zoll  hoch  in  die  Röhre  hinauf  zu
treiben  und  in  dieser  Höhe  schwebend  zu  erhalten,  ist  der  Beweis:
Wenn  die  Röhre  oben  an  der  Spitze  abbricht,  und  die  Luft  jetzt
dort  auch  hinein  kommt,  wo  vorher  keine  war,  fällt  das  Quecksilber
in  der  Röhre  auf  einmal  so  tief  herab,  bis  cs  demjenigen,  das  in
dem  Kölblein  steht,  gleich  ist,  und  hat  alsdann  Alles  ein  Ende.

Merke  sechstens  und  endlich:  Es  hat  cine  lange  Erfahrung
gelehrt,  dass,  wenn  die  Luft  anfingt  sich  stärker  auszudehnen  und
zu  drücken,  dass  alsdann  gemeiniglich  auch  das  Wetter  heiter  und
schön  wird.  Wenn  sie  aber  nachlässt  und  gleichsam  matt  wird,
man  weiss  nicht  warum,  so  macht  sich  gewöhnlich  ein  Regen  zurecht
  oder  ein  Sturmwind  oder  ein  Gewitter.  Welchermassen
nun  das  Steigen  und  Fallen  des  (uecksilbers  einen  stärkern  oder
schwächern  Druck  der  Luft  anzeigt,  solchermassen  kündiget  es  auch
zum  Voraus  Sonnenschein  und  Regen  an,  wenn  nichts  anders  dazwischen
  kommt.  Dafür  ist  denn  die  Scala  da,  welche  bei  der  Röhre
angebracht  ist,  und  worauf  die  Wörter  „Sturm,  Regen,  veränderlich,
schön“  u.s.  w.  zu  lesen  sind.  Bisweilen  trügen  freilich  alle  Zeichen
und  Hoffnungen,  wie  jeder  weiss,  der  ein  Wetterglas  hat.  Denn  der
liebe  Gott  hat  auch  noch  allerlei  andere  kleine  Hausmittel,  um  den
Wechsel  der  Witterung  zu  hindern  oder  zu  fördern,  welche  er  bis
jetzt  noch  niemandem  entdeckt  hat.

Solche  Bewandtniss  hat  es  mit  der  Einrichtung  und  den  Eigen--schaften
  des  Woetterglases..  Wenn  man  dem  Dinge  einen  gelchrten
Namen  geben  will,  v’as  zwar  nicht  gerade  nöthig  ist,  so  sagt  oder
schreibt  man:  das  Barometer.

8.  Luftarten  —  Gase.

Die  atmosphärische  Luft  ist  kein  einfacher  Körper,  sondern
  besteht‘  aus  verschiedenen  Luftarten,  die  man  Gase  nennt.

Füllt  einen  gläsernen  Trichter  (auch  cin  weites  Arzenciglas,  aus
dem  der  Boden  gestossen  ist,  thut’s)  mit  frischen  Blättern  von  irgend
einer  Pflanze,  und  stellt  ihn  verkehrt  in  ein  ganz  mit  Wasser  gefülltes
  Glas,  so,  dass  das  Wasser  über  dem  Trichter  zusammenschlägt.
  Darauf  verschlicsst  die  obere  Öffnung  des  Trichters  mit
einem  Korke  und  giesst  nun  aus  dem  Glase  etwas  Wasser.  Stellt
ihr  diese  Vorrichtung  in  die  Sonne,  so  seht  ihr  bald  Blasen  empor-Daeftere

  Lefebu  für  Oherfl,  evangel.  Volfsfc,  25