Full text : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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Aber  Hannibal  verzagte  nicht.  Er  gab  Befehl,  die  fteilen,  mit  Ci3
bebestten  Anhöhen  hinanzuflettern.  Wiele  ftürzten  zurüd;  oft  griffen
verborgene  Feinde  an  oder  wälten  Baumftämme  gegen  bie  Karthager,
daß  ganze  Neihen  mit  Pferden  und  Gepäd  in  die  Abgründe  jtürzten
Endlich,  nad  neuntägigem  Klettern  erreichte  Hannibal  den  Gipfel  und
fieß  hier  auf  den  Schnee-  und  Gisfeldern  fein  Heer  zwei  Tage  ruhen.
Seht  meinten  fie  Die  größten  Schwierigkeiten  überwunden  zu  haben;
aber  das  Hinabfteigen  war  faft  noch  jehwieriger,  ald  das  Hinaufffettern.
  Diele  jtürzten  die  jteilen  Abhänge  Hinunter;  oft  rilfen  fich  große
Schneeballen  (Lavinen)  Io8  und  begruben  ganze  Schaaren  unter  fidh.
Endlich,  nach  Verlauf  von  fünfzehn  Tagen,  hatten  die  vor  Hunger  und
Anftrengung  abgezehrten  Krieger  die  Ebenen  Staltens  erreicht.  Aber  wie
erfehraf  Hannibal,  als  er  fein  Heer  mufterte!  Von  feinem  über  50,000
Mann  ftarfen  Heere  Hatte  er  nur  no  die  Hälfte;  von  den  40  Ele:
phanten  war  nur  noch  ein  einziger  vorhanden!  Do  da8  Alles  Fonnte
feinen  Muth  nicht  beugen  und  feinen  Haß  gegen  die  Nömer  nicht
mindern.

Die  Römer  Ichidten  jet  eiligit  ein  Scer  nach  Dber-|talıen
unter  Anführung  des  ältern  Scipio.  Diefer  traf  mit  Hannibal  am
Tieinus,  einem  Nebenfluffe  de8  Po,  zufammen,  wurde  völlig  gejchla:
gen,  und  fam  faum  mit  dem  Leben  davon.  Nun  ging  Hannibal  über
den  Po  und  Schlug  no  in  Beinjelben  Jahre  dag  römıfche  Heer  an  ber
Trebia.  Mit  dem  Frühling  des  folgenden  Sahres  drang  er  in  das
mittlere  Stalien.  Hier  war  der  Arno  aus  feinen  Ufern  getreten
und  hatte  die  Gegend  überfchwennmt;  Das  hielt  Hannibal  nicht  auf.
Drei  Tage  und  drei  Nächte  mußten  die  Soldaten  im  Wafler  mwaten;
die  Laftthiere  blieben  im  Schlamm  ftefen;  Hannibal  felbit  verlor  Durch)
eine  Mugenentzündung,  Die  er  nicht  abwarten  fonnte,  ein  Auge.  Sam
war  er  auf  dem  Trodnen,  jo  rüdte  ein  großes  Heer  gegen  ıhn  an.
Aber  Hannibal  chlug  das  römische  Heer  Yo,  daß  15,000  Römer  ihren
Tod  fanden  und  6000  in  Gefangenjchaft  gerietben.  Das  Blutbad
war  jo  entjeklih,  Daß  noch  jebt  die  Ebene  davon  dad  Blutfeld  heikt.
—  Dod  zulegt  haben  die  Römer  die  Stadt  Karthago  zerftört.

9.  ASulius  Eäfar.
(60—44  v.  Chr.)

Er  war  ber  größte  aller  römifchen  Feldherren.  Seinen  Vater  verlor  er  früh,
feine  portrefflihe  Mutter  Aurelia  gab  ihm  eine  gute  Erziehung.  Er  hatte  einen
hmwädlihen  Körper,  ein  blafjes,  hageres  Geftcht,  und  oft  litt  er  an  Kopffchmerzen;
  aber  durch  ftrenge  Mäßigfeit  im  Effen  und  Trinken  erhielt  er  fich  gejund,
und  durch)  allerlet  örperliche  Ubungen,  durch  Laufen,  Scrimmen,  Fechten,  Reiten
Härkte  er  fih  fo,  Daß  er  fpäterhin  alle  Anftrengungen  und  Belchwerten  de
Krieges  ertragen  Eonnte.

Nie  war  er  müßlg,  täglich  Tas,  fehrleb  oder  überfebte  er  eimad.  Wenn  er
ein  Buch  gelefen  hatte,  fo  wiederholte  er  den  Inhalt  pesielben.  Von  feiner  Mut:
ter  lernte  er  befonders  die  Freundlichkett  im  Umgange,  dur)  die  er  fich  nachher
jo  beliebt  au  machen  wußte.

Einft  manhte  Cäfar  eine  Reife  nach  Kleinaften,  um  bort  fi  in  ber  Metekunft
  noch  weiter  zu  bilden.  Untermegd  wurde  er  von  Seeräubern  überfalfer,