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Mai.
„Brüder, keine feindlichen Demonstrationen mehr, sie würden vergebens
sein; nun da Garibaldi unter uns ist mit 1100 Tapfern, nun da der
Sieg sicher ist. . .. keine Demonstrationen mehr, das Comiteé bittet
Euch darum. Dagegen bereite sich jeder zum letzten Kampfe vor, denn
das Vaterland wird Euch zum heißesten Streite rufen“.
14. Mai. Da die Pforte gegen eine Untersuchungskommission der Mächte,
15.
welche auf türkischem Boden die Beschwerden der Christen untersuchen
wollte, protestirt, wird nach längern Unterhandlungen endlich
der Ausweg gefunden, daß der Sultan auf den Rath Frankreichs
und Englands den neuen Großwesir Kiprisli Pascha selbst persönlich
nach Rumelien sendet, um die Lage der Christen zu untersuchen
und die Schuldigen zu bestrafen. Damit sind einstweilen alle Großmächte
befriedigt.
Der König von Neapel bereitet sich vor, dem sicilischen Aufstand,
der in Garibaldi ein Haupt und Unterstützung von Außen
gefunden hat, zu widerstehen.
15. Mai. Der König von Neapel ruft den Fürsten Castelcicala ab und
ernennt den General Lanza zum Statthalter von Sicilien mit den
Vollmachten eines Alterego, „bis nach Herstellung der Ordnung Wir
den königlichen Prinzen geschickt, den Wir bereits zu unserem Generalstatthalter
in Sicilien ausersehen haben“. General Lanza soll „in Un0
serem königlichen Namen eine vollständige allgemeine Amnestie Allen
unseren Unterthanen bewilligen, welche, gegenwärtig zwar auf Abwegen,
sich der gesetzlichen Obrigkeit unterwerfen“.
— Eine Note des neapolitanischen Ministeriums zeigt allen Regierungen
die Landung Garibaldis an: „Eine That der auffallendsten Seeräuberei
ist von einer Horde Räuber verrichtet worden, die ganz offen
in einem nicht feindlichen Staate unter den Augen der Regierung
und trotz der gemachten Versprechungen, sie zu verhindern, angeworben,
organisirt und bewaffnet wurden. Von den Vorbereitungen unterrichtet,
welche am hellen, lichten Tage von einer gegen die königlichen
Staaten bestimmten Expedition getroffen wurden, hatte die Regierung
nicht gezögert, gegen ein solches Attentat auf das Völkerrecht und der
internationalen Verpflichtungen zu reclamiren“.
— Der sardinische Minister Villamarina protestirt Namens seiner
Regierung gegen die ebenso falschen als beschimpfenden Anklagen Neapels.
Sardinien habe gleich Anfangs gegen jede Verantwortlichkeit für die
Expedition Garibaldis protestirt, dieselbe verdammt und mit dem Parteichef
gebrochen.
— Die französische Regierung verlangt von Sardinien Aufschlüsse
über Garibaldis Expedition, die Frankreich höchlich mißbilligt.
— Diie offizielle Zeitung von Turin bringt folgende amtliche Note:
„Die Würde der Regierung gestattet dieser nicht, eine jede der Anschul
digungen wegen Gemeinschaftlichkeit mit der Expedition des Generals
Garibaldi zu widerlegen. Wenige Erläuterungen genügen. Die Regierung
hat die Expedition mißbilligt und durch alle Mittel, welche die Klugheit
und das Gesetz ihr gestatten, zu verhindern gesucht. Die Erxpedition
fand aber trotz der Wachsamkeit der Lokalbehörden stattz sie wurde
von der Sympathie der Bevölkerung für die sicilianische Sache unterstützt.
Kaum hatte man die Abreise der Freiwilligen erfahren, so erhielt
die königliche Flotte Befehl, den beiden Dampfern nachzujagen
und die Ausschiffung zu verhindern; es gelang aber dies der königlichen
Marine nicht, so wenig als der neapolitanischen Flotte selbst,
die ja doch seit mehreren Tagen in den Gewässern Siciliens kreuzte.