Full text : Allgemeine Deutsche Wechsel-Ordnung.

44

Mai.

„Brüder,  keine  feindlichen  Demonstrationen  mehr,  sie  würden  vergebens
sein;  nun  da  Garibaldi  unter  uns  ist  mit  1100  Tapfern,  nun  da  der
Sieg  sicher  ist.  .  ..  keine  Demonstrationen  mehr,  das  Comiteé  bittet
Euch  darum.  Dagegen  bereite  sich  jeder  zum  letzten  Kampfe  vor,  denn
das  Vaterland  wird  Euch  zum  heißesten  Streite  rufen“.

14.  Mai.  Da  die  Pforte  gegen  eine  Untersuchungskommission  der  Mächte,

15.

welche  auf  türkischem  Boden  die  Beschwerden  der  Christen  untersuchen
  wollte,  protestirt,  wird  nach  längern  Unterhandlungen  endlich
der  Ausweg  gefunden,  daß  der  Sultan  auf  den  Rath  Frankreichs
und  Englands  den  neuen  Großwesir  Kiprisli  Pascha  selbst  persönlich
  nach  Rumelien  sendet,  um  die  Lage  der  Christen  zu  untersuchen
und  die  Schuldigen  zu  bestrafen.  Damit  sind  einstweilen  alle  Großmächte
  befriedigt.

Der  König  von  Neapel  bereitet  sich  vor,  dem  sicilischen  Aufstand,
  der  in  Garibaldi  ein  Haupt  und  Unterstützung  von  Außen

gefunden  hat,  zu  widerstehen.

15.  Mai.  Der  König  von  Neapel  ruft  den  Fürsten  Castelcicala  ab  und
ernennt  den  General  Lanza  zum  Statthalter  von  Sicilien  mit  den
Vollmachten  eines  Alterego,  „bis  nach  Herstellung  der  Ordnung  Wir
den  königlichen  Prinzen  geschickt,  den  Wir  bereits  zu  unserem  Generalstatthalter
  in  Sicilien  ausersehen  haben“.  General  Lanza  soll  „in  Un0
serem  königlichen  Namen  eine  vollständige  allgemeine  Amnestie  Allen
unseren  Unterthanen  bewilligen,  welche,  gegenwärtig  zwar  auf  Abwegen,
sich  der  gesetzlichen  Obrigkeit  unterwerfen“.

—  Eine  Note  des  neapolitanischen  Ministeriums  zeigt  allen  Regierungen
  die  Landung  Garibaldis  an:  „Eine  That  der  auffallendsten  Seeräuberei
  ist  von  einer  Horde  Räuber  verrichtet  worden,  die  ganz  offen
in  einem  nicht  feindlichen  Staate  unter  den  Augen  der  Regierung
und  trotz  der  gemachten  Versprechungen,  sie  zu  verhindern,  angeworben,
organisirt  und  bewaffnet  wurden.  Von  den  Vorbereitungen  unterrichtet,
  welche  am  hellen,  lichten  Tage  von  einer  gegen  die  königlichen
Staaten  bestimmten  Expedition  getroffen  wurden,  hatte  die  Regierung
nicht  gezögert,  gegen  ein  solches  Attentat  auf  das  Völkerrecht  und  der
internationalen  Verpflichtungen  zu  reclamiren“.

—  Der  sardinische  Minister  Villamarina  protestirt  Namens  seiner
Regierung  gegen  die  ebenso  falschen  als  beschimpfenden  Anklagen  Neapels.
Sardinien  habe  gleich  Anfangs  gegen  jede  Verantwortlichkeit  für  die
Expedition  Garibaldis  protestirt,  dieselbe  verdammt  und  mit  dem  Parteichef
  gebrochen.

—  Die  französische  Regierung  verlangt  von  Sardinien  Aufschlüsse
über  Garibaldis  Expedition,  die  Frankreich  höchlich  mißbilligt.

—  Diie  offizielle  Zeitung  von  Turin  bringt  folgende  amtliche  Note:
„Die  Würde  der  Regierung  gestattet  dieser  nicht,  eine  jede  der  Anschul
digungen  wegen  Gemeinschaftlichkeit  mit  der  Expedition  des  Generals
Garibaldi  zu  widerlegen.  Wenige  Erläuterungen  genügen.  Die  Regierung
hat  die  Expedition  mißbilligt  und  durch  alle  Mittel,  welche  die  Klugheit
  und  das  Gesetz  ihr  gestatten,  zu  verhindern  gesucht.  Die  Erxpedition
  fand  aber  trotz  der  Wachsamkeit  der  Lokalbehörden  stattz  sie  wurde
von  der  Sympathie  der  Bevölkerung  für  die  sicilianische  Sache  unterstützt.
  Kaum  hatte  man  die  Abreise  der  Freiwilligen  erfahren,  so  erhielt
  die  königliche  Flotte  Befehl,  den  beiden  Dampfern  nachzujagen
und  die  Ausschiffung  zu  verhindern;  es  gelang  aber  dies  der  königlichen
  Marine  nicht,  so  wenig  als  der  neapolitanischen  Flotte  selbst,
die  ja  doch  seit  mehreren  Tagen  in  den  Gewässern  Siciliens  kreuzte.