Der Gegensaß zu Rom 13
eine Auffassung, die weiter bis zur Umdeutung in ein Symbol, nach
der Lehre Calvins und Zwinglis führte, ein Schritt, den freilich
Luther niemals getan hat.
Eine Partei war es vor allem in Deutschland, die Luthers Auftreten
mit Jubel begrüßte: die der Humanisten; alte Beziehungen
wurden erneut, neue gefunden; mit Erasmus von Rotterdam, mit
Crotus Rubianus, mit Franz von Sickingen, Ulrich von Hutten
trat der Augustinermönch in Verkehr. Alles, was den Deutschen
längst auf der Seele gelastet, über die Einmischung Roms in die
deutschen Verhältnisse, über die starke pekuniäre Belastung, wurde
jetzt laut; in kühnster Weise wird an dem Papsttum gerüttelt, die
Grundlagen seiner weltlichen Macht werden angezweifelt. Schon
1517 hatte Hutten die Schrift Laurentius Vallas über die konstantinische
Schenkung ins Deutsche übertragen und veröffentlicht. In
dieser wird die große Frage erörtert, ob die ersten Ansprüche des
Papsttums auf weltlichen Besitz die Folge einer Fälschung seien oder
nicht. Und 1518 auf dem Reichstage von Augsburg hatten die
deutschen Stände energisch Klage geführt über die willkürliche Verteilung
der deutschen Pfründen durch Rom, über die ungeheuren
Taxen, die dabei eingehoben wurden. Man sieht, vor Luther und
unabhängig von Luther wurden Wünsche laut, die er dann erst
werttäthg zu verteidigen verstanden hat. In den Jahren 1518 und
1519 hatte Luther kleinere Abhandlungen in deutscher und lateinischer
Sprache veröffentlicht, in denen er seine Ansichten äußerte,
und Mitte August 1520 trat er mit einer Schrift in deutscher Sprache
hervor, die einen ungeheuren Eindruck in ganz Deutschland hervorrief
und in kürzester Zeit in 4000 Exemplaren verkauft wurde, für
jene bildungsarme Zeit eine große Anzahl. Sie trug den Titel:
„An dencchristlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Staudes
Besserung“. Luther greift da zuerst die „drei Mauern der Romanisten“
an, die sie sich willkürlich zu ihrem Schutze aufgeführt
hätten: dap##die geistliche Gewalt über der weltlichen stehe, daß nur
der Papst die Schrift auslegen, daß nur der Papst ein Konzil einberufen
dürfe. Er fordert sodann ein allgemeines Konzil zur Abstellung
der Schäden und Irrtümer, vornehmlich des übergroßen Prunkes
des Papstes und seines Hofes; er fragt, „wozu ist das Volk
nütze in der Christenheit, das da heißet Kardinäle?“ Scharf geht er
ins Gericht mit den Geldansprüchen, die Rom stellt, und mit der
Art, wie geistliche Amter verliehen werden, wie das Verbot der
Häufung von Pfründen umgangen wird; endlich, und das ist die