Full text : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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  Und  bdieje8  Salzmeer,  welches  nur  13  Meilen  von  tem
See  Genezareth  entfernt  ift,  Tiegt  noch  einmal  fo  tief  unter  Dem
Meeresipiegel  alS  Dieter,  und  bazı  mißt  fein  Abgrund  im  Norden
über  1200  Fuß!  —  Welch  ein  Unterjchied  zwifchen  dem  See  Genese:
reth,  und  biefem  Wafferfehlundel  Hier  fhaurige  Einöbe,  Tod,  ungefunde
Luft,  graufige  Erinnerung;  dort  Flares,  fiichreiches  Gewäffer,  umfränzt
von  lachenden  Ufern,  auf  denen  allenthalben  Die  Supflapfen  Des  Heilandes
  und  feiner  Apoftel  alänzen.

Paläftina  hat  wegen  feiner  füblichen  Lage  ein  marmed  Klima,
da3  in  den  Ebenen  und  in  den  ungewöhnlich  tiefen  Thälern  heiß,  auf
den  Gebirgen  ehr  gemäßigt  wird.  3  gibt  nur  zwei  Sahreszeiten,
Minter  und  Sommer.  Der  Winter  beginnt  tm  Detober  oder  November
mit  dem  jogenannten  Srühregen.  Zu  Ende  des  Novembers  verlieren
die  Bäume  ihr  Laub.  Dann  find  Gemitter  nicht  felten.  Schnee
und  Ei3  gibt’3  nur  auf  ben  Gebirgen  und  bleibt  auch  da  nicht  Iange
hregen;  do  tft  da  die  Kälte  bisweilen  empfindlich,  weil  fie  meift
plöglich  eintritt.  Won  der  Mitte  des  Sanuar  wird  das  Metter  wieber
warm,  und  bald  Stehen  Mandel-,  Pfrfehene  und  Dlbäume  in  voller
Blüthe.  Anfangs  März  tritt  der  Iogenannte  Spätregen  ein,  ber
bi8  zur  Mitte  des  April  anhält,  und  von  heftigen  Gemittern  begleitet
ift.  Anfangs  Yebruar  fteht  Da8  Getreide,  wie  bet  und  im  Mat  und
uni,  daher  Schon  Pfingiten  das  Erntefell.  Von  Ende  April  beginnt
die  warme  Sjahreszeit;  der  Himmel  wird  tiefhlau,  und  bleibt  }o  6i8
zum  Geptember.  Dann  ift  Negen  felten,  Die  Hibe  groß,  Die  Fleinen
Slüffe  verfiegen,  Die  Brunnen  werden  troden;  fühle  Nächte  mit  ftarfem
Than  bringen  Erqutdung.

Ungemein  fruchtbar  ift  Paläftina  überall,  wo  c8  nur  Dammerbe
gibt.  Und  es  ift  falt  einzig  in  feiner  Art,  dab  hier  Gemächle  der
gemäßigten  und  der  Heiken  Bone  gleich  gut  gedeihen.  Mie  es
5  Mof.  8,  7—9  gejildert  wird,  jo  fünnte  e8  noch  jebt  fein.  Hier
gebeihen  Weizen  und  Gerfte,  Spelt  und  Bohnen,  Ylah8  und  Baum:
wolle,  der  Feigenbaum  mit  dem  Wallnußbaum,  der  Granatbaum  mit
em  Apfelbaum,  der  DIbaum  mit  der  Eiche,  die  Xerebinthe  mit  ber
Seder,  Die  Dattelpalme  mit  dem  Weinftof.  Hier  ift  das  Waterland
  des  Weinftods.  Da  gibt  e8  MWeinftöde,  deren  Stamm  11/,  Auf
im  Durchmeffer  Hat,  deren  Alter  auf  Sahrhunderte  gejchäbt  wird,
deren  Neben  Hütten  von  50  Fuß  Länge  und  gleicher  Breite  bebeden,
die  vom  März  bi8  in  den  Suli  mit  Blüthen  vom  zarteften  Dufte
angefüllt  find  und  vom  Sum  5i8  in  den  December  mit  jehwarzblauen
Trauben  prangen.  Und  diefe  Trauben  werden  3  Ellen  lang  und
1%/,  Ellen  breit,  und  wiegen  10—12,  ja  auch  mohl  bi8  20  Yrund!
Mer  wird  alfo  noch  wunberlih  finden,  mad  A  Mof.  13,  24  erzählt
wird?  —  Paläftina  wurde  gepriefen,  als  ein  Sand,  da  Milch  und
Honig  fließt,  und  wer  von  euch  müßte  e8  nicht  mit  Stellen  aud  ber
5.  Schrift  zu  belegen,  daß  Dies  Lob  Wahrheit  ift?

Aber  weldy  eine  Fruchtbarkeit  des  Landes  jeßt  e3  auch  voraus,