Peutsches Reich. Dez. 1.) 537
versammlung. Die junge deutsche Volksrepublik soll auf Recht und Vertrauen
aufgebaut sein. Die konstituierende Versammlung wird die deutsche
Nation, die jetzt auseinanderzufallen droht, wieder fest zusammenfassen.
Keine Macht der Welt ist stark genug, die auf der Einheit des deutschen
Wirtschaftslebens beruhende politische Einheit der deutschen Stämme dauernd
zu entzweien, oder die Stämme dauernd gegeneinander auszuspielen. Für
die Arbeiterschaft wäre nichts verhängnisvoller als der Rückfall in mittelalterliche
Kleinstaaterei mit ihrer wirtschaftlichen Rückständigkeit und politischen
Krähwinkelei. Nicht Separatismus, sondern eine einheitliche Zusammenfassung
aller schaffenden Kräfte des ganzen deutschen Volkes zu tatkräftiger
Arbeit ist das Gebot der Stunde. Hier liegt die grundlegende Aufgabe der
Nationalversammlung, von der wir den endgülligen Frieden erwarten.
Nur zähe, leidenschaftliche Hingabe und eiserne Energie können das Zerstörte
wieder aufbauen. Ueberzeugung und Notwendigkeit gebieten uns, das
im weitesten Sinne zu tun. In grundsätzlich soz. Geiste wollen wir Gebiete
des Wirtschaftslebens vergesellschaften, die dazu reif sind. Der Sozialismus
ist nicht Selbstzweck, sondern nur ein Mittel, Freiheit, Glück und Wohlstand
des Volkes zu erhöhen. Nur da, wo die sozialistische Wirtschaftsweise
höhere Erträge bringt, dem Volke weniger Arbeitslast auferlegt und neue
Möglichkeiten des Verbrauchs eröffnet, ist der Sozialismus am Platze und
kann sich behaupten. Sozialistische Experimente in einzelnen Betrieben
könnten nur zum Schaden der Arbeiter und zur Diskreditierung des
Sozialismus ausschlagen. Um die sozialen Erfolge der Revolntion brauchen
die Arbeiter nicht besorgt zu sein. Der Kapitalprofit wird scharf erfaßt
werden. Möglichst völlige Beseitigung des arbeitslosen Einkommens erstreben
wir. Die Kriegsgewinne müssen restlos eingezogen, die Erbschaftssteuer verschärft
und das Erbrecht der Republik geschaffen werden. Soll die Revolution
und ihr Sieg gesichert werden, dann muß jede politische Putschtaktik auf
das entschiedenste bekämpft werden. Mögen die deutschen Arbeiter nach
Rußland gehen und sich warnen lassen. Das hochentwickelte deutsche Wirtschaftsleben
kann auf die Dauer nicht mit Maschinengewehren und Brownings
vergewaltigt werden. Wir wollen ein dauerhaftes, innerlich gesundes
Werk schaffen. Freiheit in Wort und Schrift, gleiches Recht für alle, das
sind und bleiben unsere Grundlagen. Beseitigung jeder Unterdrückung und
Ausbeutung bleibt unverrückbar unser Ziel.
1. Dez. Hindenburg zur Siedlungsfrage.
G FM. v. Hindenburg teilt in einem Aufruf an die heimkehrenden
Krieger mit, daß die Vorarbeiten zu einem großzügigen Ansiedlungswerk
im Gange sind, wodurch auf billig erworbenem Land mit billigem, öffentlichem
Gelde für Landwirte, Gärtner und ländliche Handwerker Hunderttausende
von Stellen errichtet werden, für städtische Arbeiter, Angestellte,
Beamte und Angehörige verwandter Berufe Häuser in Gartenstädten und
Gartenvorstädten erbaut und gegen mäßige Verzinsung der Selbstkosten übergeben
werden. Der Aufruf schließt mit der Aufforderung an die Kameraden,
das Vaterland durch deutsche Mannszucht und deutschen Ordnungssinn zu
retten und sich die eigene Zukunft und das eigene Glück zu bereiten.
1.— 2. Dez. (Bad Ems.) Vertretertag der S.-Räte des Feldheeres.
Die Hauptergebnisse der Tagung bestehen in folgenden: 1. Einstimmiges,
entschiedenes Eintreten der 326 erschienenen Vertreter für die Regierung
Ebert-Haase, fast einstimmiges Eintreten für deren soziales Programm, einstimmiges
Verlangen nach Einberufung der Nationalversammlung und ungeschmälerte
Mitwirkung des Feldheeres dabei. 2. Wahl von fünf sofort zum
Berliner Vollzugsrat zu entsendenden Vertretern des Feldheeres. 3. Wahl