Ein Kaiserbesuch in Cöln. 45
durch und näherte sich unserem Standort. In demselben
Augenblick züngelten in unserer nächsten Nähe Feuersäulen
über dem Bismarckturm empor, und gleichzeitig umloderte
rotes Licht die Kirchtürme der nahen Vorstädte Marienburg,
Bayental, Poll und Rodenkirchen. Auch hier standen auf
beiden Seiten des Rheins lange Ketten von Männern, welche
rote bengalische Fackeln emporhielten, so daß man an den
roten Linien bis zum fernen Mülheim den gebogenen Lauf
des Stromes durch die Nacht verfolgen konnte.
So fuhr der Kaiser mit der ihm folgenden Flotte langsam
den Rhein hinauf bis Rodenkirchen, dann hinunter nach
Mülheim und endlich wieder zurück an die Landungsstelle
in der Nähe des Domes und der Hohbenzollernbrücke. Bei
Annäherung des Schiffes ging von der ganzen Breite der
riesigen Brücke ein Fcuerregen in den Rhein hinunter. Es
war wie ein Niagarafall von flüssigem Silber, untermischt
mit vielfarbigen Sternen, durch den Widerschein in dem
unruhig glitzernden Wasser dem Auge doppelt so groß erscheinend,
während die zahllosen mit Donnerhall platzenden
Raketen fast das Getöse eines Artilleriegefechts vortäuschen
konnten.
Immer wieder sprach der Kaiser den Vertretern der Stadt
seine Uberraschung und Freude über diese einzigartige Huldigung
aus. Und als er unter dem tiefen Dröhnen der
Kaiserglocke und den melodischen Klängen der übrigen Glocken
der Stadt gegen elf Uhr am Brückenkopf landete, um noch
in der Nacht mit dem bereitstehenden kaiserlichen Sonderzug
wieder fortzufahren, umjubelte seinen Wagen auf dem ganzen
Weg zum Bahnhbof eine unabsehbare Menge aus allen Ständen