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Acc.: lasz mir raum und zeit, dasz mein gemüth sich
selbst erst wieder kenne Goethe Claud. 1; sich selbst
nicht, schlecht, gut kennen; kenne ich mich recht, so
ist das auch meine krankheit Iffland Bewußtsein 2, 6;
in bedeutendem Sinne: o, Sie kennen sich, mein fräulein
Lessing Minna 2,7; mit Dat., ich kenne mir,
weiß, erfahre an mir: ich hatte eine gröszere heiterkeit
des geistes gewonnen, als ich mir lange nicht gekannt
Goethe DuW. 8; — Part. kennend, ebenfalls hervorhebend,
= kundig: sorgt niemand für ein kennend
ohr ? Haller 106; der kennende zeichner Klopstock
1, 259; Inf. kennen, in der Formel ums kennen mit
solgendem Comp., — um ein Merkchen Schmeller:
(ein Krüglein das) auf dem ums kennen schlankeren
bauch die jahreszahl 1597 trägt Friedrich altdeutsche
Gläser 113. — In Zusammensetzungen: Keunzeichen, n
Zeichen an dem man etwas kennt, Merkmal: zur losung
und kennzeichen, daran man die gute catholischen von
den ketzern unterscheide Fischart Bienk. 715; sie
sucht auf allen enden (des Schreibens), ob sie einige
kennzeichen zu bekräftigung ihrer meinung, finden
möchte Zesen Ros. 20; jeden, in welchem ihr die
ehrwürdigen kennzeichen der menschbeit erblicket
Wieland gold. Sp. 1, 4. — kennzeichnen, zum Kennen
zeichnen, zuerst bei Campe als neugebildetes Wort für
das fremde charakterisieren angeführt: dasz nicht gerade
diese reichssteuern 80 gekennzeichnet werden, als
seien sie höchst ungerechte Bismarck Reden 6, 156;
(der) den stark reformbedurftigen zustand. öffentlich
als solchen kennzeichnen kann 11, 91.
Kenner, m. der da kennt; mhd. kenner in der Spr.
der Mystiker, der da erkennt: daz kennen ist daz selbe,
daz der kenner selber ist Myst. 2, 670; uhd. in bedeutendem
Sinne, der etwas gründlich kennt, sich auf
etwas versteht: kenner der gedanken, der arzneikunst,
guter künste, einer sache Steinbach; die kenner
die . die absicht des dichters errathen, machen immer
das dunnste häuflein aus Schiller 2, 6; weil wir es
(das Gedicht) gerade für unsere beste arbeit hielten,
und jenen für einen schlechten kenner erklären durften.
Goethe DuW. 5; kenner von gemälden, von antiken
Adelung; mit zahlreichen Zusammensetzungen, bucher-,
gesetzes-, kunst-, menschen-, pferde-, weinkenner u. a.;
dazu: Kennerauge, n. Auge eines der etwas gründlich
kennt: mit kennerauge mustern. — Kennerblick, m. Blick
eines gründlichen Kenners. — kennerhaft, in der Weise
eines Kenners: genaue beschreibung und kennerhafte
bemerkung der kunstgegenstände Goethe Tagh. 1797;
die angenommene kennerhafte ruhe Keller Werke
1, 109. — Kennerin, f. weiblicher Kenner. — kenntlich,
zu kennen, mhd. und später noch kennclich, kennlich
(Logau 2, 168, 47), aber auch früh schon mit entwickeltem
t kentlich — erkennbar: daz noch banir, voch
belme was kentlich in di virre Jeroschin 15518;
wie später: die schrift ist nicht mehr kenntlich, er ist
auch im tode noch kenntlich Adelung; der sanftmuthige
zug um den mund, der ihn aus tausenden
kenntlich machte Schiller Räub. 4, 2; durch eine
weisze armbinde kenntlich Freytag Erinn. 232; auch
botffenkundig, wie bekannt ist: markkötter, welche
kenntlich keinen ackerbau und keine pferde haben
Möser Phant. 2, 29. — Kenntnis, (., früher auch n.,
Zustand des Kennens; mud. kennis, und mit im Innern
entwickeltem t kentenisse, mitteld. kentnisse, mhd. sodann
unter Anlehnung an die Form des Part. Prät.
kantnusse, eine Form die sich zum Teil auch im mund.
kantenisse wieder findet; im allgemeinen Sinne: kenntnis
haben, geben, einem etwas zur kenntnis bringen,
jetzt auch kenntnis von etwas nehmen, namentlich im
Kanzleistile; kentnusz von einer sache haben, notitiam
rei habere Stieler; die kenntnis ihres lichts Haller
139; auch = Bewußtsein: der kranke liegt ohne kennt-Kennzeichen
— Kenntnis.
kentern — Kerbholz. 324
nis Adelung; in besonderem Sinne, bezogen auf Gewerbe,
Kunst, Wissen: mangelnde kenntnis des geschäfts;
kenntnis des lebens, der natur, vgl. dazu Zusammensetzungen
geschäfts -, geschichts-, gesetzes-, lebens-,
sachkenntnis u. u.; im vereinzelnden Plur.: sich hübsche
kenntnisse in einer wissenschaft erworben haben; fortschritt
welchen eine nation in ihren kenntnissen macht,
der horizont menschlicher kenntnisse, seine kenntnisse
ausbreiten Adelung; dazu kenntnisarm, os, -reich,
-oll; der hofmeister war ein kenntniszloser . mann
Grillparzer 15, 50; auf eine kenntnisreiche und
tuehtige weise Goethe DuW. 17; kenntnisvoller mann
Seume Spaz. 2, 79.
Kentern, niederd. Wort, frequentativ zu kanten
(s. d.), umwenden Campe; im Seewesen balken, baum
kentern, auch wallüsch kentern, ihn zur Gewinnung
seines Specks auf die andere Seite wenden; intransf.
das schiff kentert; der strom, wind kentert, wenn er
sich plötzlich dreht.
Kerbe, k. Einschnitt, mhd. kerbe neben einem Masc.
kerp; in allgemeiner Bed.: eine kerbe in etwas machen,
schneiden, feilen, hauen Adelung; schnitt ich an stat
eines calenders alle tage eine kerbe auf einen stecken
und am sontag ein creuz Simfpl. 2, 233; in besonderem
Sinne: kerbe unten am pteile, welche in die Sehne
paßt ebd.:; Spalte in der Schreibfeder: kerb, incino,
erena Schottel; Einschnitt am Kerbholze, beim Zusammenzählen
und Rechnen, und das Holz auch selbst:
dica kerbe, kerb, kerp, kerfe, kerve, kerf Dief.; so
zeigt man mirs an dkerben (schreibt man mir die Schuld
an) Garg. 169; bald sagt des holzes kerbe, die
vierte stieg ist voll Voß 4, 254; frei: sie haben eine
schöne rechnung bei mir auf der kerbe (ich habe
mich zu rächen für manche Unbill von ihnen) Hevse
5, 333; in zweideutigem Scherze: schreibts meiner
frawen an die kerben Böhme Liederb. 476, 10; — am
Körper: arschkerbe,issurc, hiatus podicis Stieler;
das gemein gewisch von sonst gelümp. da eim die
fasen zwischen der kerben bleiben Garg. 262; kerbe
oder spalte zwischen den klaucn (des Rindviehs)
Jacobsson. — Kerbel, m. ein Küchen= und Heilkraut;
ahd. kervola, kervela (Fem.), mhd. kervele, kervel
(Masc. und Fem.), altengl. cerfille, isländ. kerflll, umgeformt
aus lat. cacrifolium, das aber selbst aus griech.
chairépbyllon entstellt ist: kerbel, kerbelkraut, gingidium,
erep)on Schottel; bier itt salbei, blaues
kerbelkraut Grillparzer 7, 43.— kerben, einschneiden;
im Niederdeutschen starkes Verbum, altengl. ceorfan,
mnd. kerven, dem griech. gräphein schreiben, eigentlich
einritzen, eingraben, urverwandt; ahd. nicht nachgewiesen,
mhd. kerben als schwaches Verbum, Denominativ zu
kerbe, auftretend; in allgemeiner Bed.: kerben, incidere,
serrare Schottel; (er) prüfte masz und gewicht,
und kerbte, schlug und schliff die zeichen in die betreffenden
gegenstände Keller Werke 2, 129; im besonderen
Sinne, — aufs Kerbholz schreiben, zum Merken
und Berechnen einer Schuld: drcare kerben, kyrwen,
kerven, carven Dief.; spielend mit dieser und der
vorigen Bed.: und ihre rücken kerbt das schwert mit
feiger wunden schmach Voß 4, 37; — das Part. gekerbt,
mit Einschnitten versehen: uber das glat artlich
gekerbet ledere gesäsz (ein hinten so ausgeschnittener
Rock) Garg. 97; immer das folgende blatt ausgedehnter,
gekerbter Goethe Metam. der Pflanzen 26; im halbmond,
um gekerbte buchten, dehnte reich sich eine
stadt Platen Abbafss. 1, 219; (Landsknechte) die gekerbten
federhüte auf den rucken tragend Keller
Werke 2,187. — Kerbholz, n. Holz, auf dem Schuldsummen
durch Einschneiden bezeichnet wurden, Holz zur
Berechnung zwischen Schuldner und Gläubiger: apoca,
dica, ephimerides kerbholz, kerpholz Dief.; bei Bergleuten
auch als Befehl im Bergamte zu erscheinen, ver-