Volltext : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

General  v.  Hutler  als  Führer  der  18.  Armee,  dle  den  linken  Flügel  der  Angriffefront
  ble  La  Fere  einnahm.  Olese  unterstand  dem  Deutschen  Kronpeinzen,
Zentrum  und  rechter  Flügel  dem  Kronprinzen  Rupprecht.  Dle  Gesamtfront
batte  eine  Breite  von  75  Kilometern.

Noch  vor  der  Abfahrt  des  Großen  Hauptquartiere  von  Spaa  hatte  der  Kalser
den  Befehl  zur  Schlacht  erlassen.  Sle  stand  unter  dem  Zelchen  des  alten  Schutzpatrons
  der  Deutschen,  dee  beiligen  Michael  ..  Angriffotag  und  Angrlffestunde
waren  erst  lm  letzten  Augendllck  nachgetragen  worden.

Der  Befehl  war  durch  Anweisungen  ergänzt,  dle  folgendee  Gesamtbild
der  Aufgabe  abrunden:  der  Hauptvorstoß  der  17.  und  der  2.  Armee  sollte  auf
Bapaume-Péronne  zielen,  dann  nach  erfolgtem  Ourchbruch  auf  Arras  einschwenken
  und  die  engllsche  Front  nach  Norden  aufrollen.  Oie  18.  Armee  sollte
nur  einen  Nebenangriff  unternehmen,  der  sie  bis  zur  Somme  vortragen  sollte.
Sie  hatte  sich  in  den  Besltz  des  Sommeabschultte  zu  setzen  und  dann  eine  „Defensioflanke“
  zu  bilden,  um  dle  Hauptoperation  gegen  einen  Entlastungsangriff
der  französischen  Armee  zu  decken.  Das  war  der  strategische  Grundgedanke.

Der  Oberste  Krlegeberr  hatte  sich  gleichfalle  lne  Hinterland  der  Schlacht  begeben.
  Er  wohnte  im  Hofzuge,  der  auf  einem  Bahnglelse  stand.  „Rücksichten
auf  bestehende  Gefahren,  etwa  durch  feindliche  Flleger,  lagen  außerhalb  der
Gedankenreihe  des  Kalsero“  (Hindenburg).

Der  ungeheure  Apparat  war  aufgebaut  —  die  größte  und  furchtbarste
Unternehmung,  dle  semals  von  Menschen  deutscher  Zunge  —  nein,  dle  überbaupt
  jemale  von  Menschen  gewagt  worden  war,  stand  im  Begriff,  sich  auszuwlrken.
  Dle  „Zelt  X“  war  ausgegeben:  sie  bedeutete  „21.  März  vormlttage  4,40.

In  dlesem  Augenblick  sollte  das  Vorbereitungsfeuer  auf  75  Kilometer  Breite
losbrechen.  Genau  zwel  Stunden  würde  dle  ganze  Wucht  des  Bombardemente
aus  mehr  als  7000  Geschützen  auf  dle  felndlichen  Artilleriestellungen  nlederdonnern.
  Dann  würde  der  größte  Teil  unserer  Kanonen  die  Gräben  der  englischen
Infanterie  zerschmettern,  lm  Bunde  mit  den  Minenwerfern.  So  drei  Stunden
lang.  Dann  von  9,80  an:  Niederhaltung  der  feindllchen  Batterlen  und  besonderen
Stützpunkte  durch  einen  kleinen  Teil  der  Angriffsartillerle  —  Konzentrierung
des  übrigen  gesamten  Feuere  zur  „Fenerwalze“,  dle  noch  einmal  anf  die  feindlichen
  Linien  niederprasseln  und  dann  langsam  In  dle  Tiefe  der  englischen  Stellung
  sich  fortdewegen  würde,  dem  Vordringen  unserer  Infanterie  den  Weg  zu
bahnen.  Um  9,40  wücden  wir  aus  den  Gräben  steigen.

So  konzentriert  dle  Spannung  war  —  wann  hätte  jemals  Größeres  auf
dem  Spiese  gestanden?  -  über  all  unserem  Tun  lag  in  jenen  Stunden  doch
elne  sichere,  wuchtige  Ruhe.  Nicht  umsonst  waren  wir  seit  vier  Jahren  durch
alle  Höllen  geschritten.

Und  dabel  wußten  wlr  doch,  daß  die  Zeichen  des  Himmele  —  nicht  günstig
standen  .  .  .  Aber  war'e  vor  Verdun  andere  gewesen?!

Unser  ganzer  Angriff  war  aufgebaut  auf  der  Wirkung  des  Gasbeschusses.
Und  daß  der  Regen,  der  selt  ein  paar  Tagen  auf  unsere  Nachtmärsche  niedergegangen
  war,  der  Westwind,  der  uns  belm  Einrücken  in  dle  Stellung  um  die
Nase  geweht  hatte,  keine  erfreullchen  Umstände  seien  —  das  sagte  uns  unser
Gefühl.

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